ANZEIGE

Marseille - Der Schein auf den unzähligen Postkarten und Impressionen über den alten Hafen von Marseille trügt. Zwar liegen die vielen Motorboote und Yachten einträchtig im stillen Wasser nebeneinander, doch drumherum tobt das Leben. Oder besser gesagt: der Verkehr.

Im Zentrum der zweitgrößten französischen Stadt herrscht zu fast jeder Zeit hektisches Treiben. Immer ist irgendetwas in Bewegung, der Lärmpegel ist enorm. Das gilt für gewöhnlich auch im Stade Velodrome, der Heimstätte von Olympique. Doch vor dem Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) plagen den Traditionsverein Sorgen.

"Wegen der schwachen Ergebnisse in der Liga sind noch nicht alle Tickets verkauft. Die Fans überlegen sich genau, wofür sie ihr Geld ausgeben. Ich bin gespannt, wie die Stimmung sein wird", meinte Olympiques Pressesprecher Alexandre Rosée zu bundesliga.de.

Deschamps beschwichtigt

Doch die Verantwortlichen und Spieler lassen sich davon nicht aus dem Konzept bringen. "Natürlich schwirrt das alles in den Köpfen herum. Aber wichtig ist doch, was in der Kabine mit den Spielern los ist", erklärte Trainer Didier Deschamps.

Und da ist die Stimmung noch prächtig, schließlich steht ein Spiel in der "Königsklasse" auf dem Programm. Dass sich der Gegner aus Dortmund wieder im Aufwind befindet und mit breiter Brust angereist ist, gibt den Hausherren aber zu denken. bundesliga.de fasst alles Wissenswerte zum Spiel Marseille gegen Dortmund zusammen.


Personelle Situation:

Gerade einmal 19 Spieler fanden sich zum Abschlusstraining von Olympique Marseille ein. Zieht man den rot-gesperrten Rod Fanni und den dritten Torwart Elinton Andrade ab, stehen Trainer Deschamps nur 17 Akteure zur Verfügung - vier davon spielen vornehmlich für die Reserve.

Aber die Verletzungsseuche hat in Marseille um sich gegriffen. Stephane Mbia, Benoit Cheyrou, Djimi Traore und Andre-Pierre Gignac fallen aus. Dazu pausiert mehr oder minder unfreiwillig - wie oben erwähnt - Fanni.

Bender und Schmelzer geben "Grünes Licht"

Bei den Dortmundern sieht die Personallage dagegen wieder rosig aus. Einzig Mohamed Zidan kann heute Abend nicht mitwirken. Die angeschlagenen Sven Bender und Marcel Schmelzer haben sich dagegen prächtig erholt und werden wohl wieder in der Startelf stehen.

Torjäger Lucas Barrios, der in Mainz am Samstag nach langer Verletzungspause sein Comeback gab, wird vorerst auf der Bank Platz nehmen. "Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, wird Lucas Barrios in Marseille nicht von Beginn an spielen", sagte Klopp dazu.


Form:

L OM wähnte sich nach dem ersten Saisonsieg vor zwei Wochen auf der Überholspur. Doch am vergangenen Samstag kam schon wieder die Ernüchterung. Dem 2:0 gegen Aufsteiger Evian Thonon Gaillard folgte nämlich ein mageres 1:1 beim Abstiegskandidaten Valenciennes.

Und dieses Remis kam auch noch glücklich zustande, weil sich Torwart Steve Mandanda als einziger Spieler in der Defensive derzeit Erstliga-reif präsentiert. In der Offensive hängt dann alles von Loic Remy ab, der bislang vier der neun Olympique-Tore in der Ligue 1 geschossen hat.

Wende in Mainz

Der BVB hat dafür nach vier sieglosen Pflichtspielen in Mainz das Ruder herumgerissen. Der 2:1-Erfolg in der Schlussminute durch Lukasz Piszczek war zwar glücklich, aber keinesfalls unverdient.

So hoffen die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben zum einen, dass die spielerische Leichtigkeit des Toreschießens aus der Vorsaison zurückgekehrt ist und zum anderen, dass das Leistungsvermögen auf europäischem Parkett nun endlich in Punkte umgesetzt wird.


Zahlen und Fakten:

Marseille und Dortmund treffen erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander. In der Champions League ist ein deutscher Gegner für Olympique ebenfalls eine Premiere.

Der BVB gewann nur eines seiner sieben Gastspiele in Frankreich (2 Remis, 4 Niederlagen). Das war beim 1:0 gegen AJ Auxerre im Viertelfinal-Rückspiel 1997 auf dem Weg zum Titelgewinn.

Abwehrbollwerk Marseille? L OM gewann die letzten fünf Gruppenspiele in der "Königsklasse". Und das mit einer Tordifferenz von 13:0.


Das sagen die Protagonisten:

Jürgen Klopp: Trainer Deschamps hat zuletzt ein paar taktische Formationen probiert, so dass wir noch nicht wissen, was auf uns zukommt. Aber ich halte einen Sieg nicht für unmöglich.

Ivan Perisic: Im Stade Velodrom ist die Stimmung normalerweise mit der im Signal-Iduna-Park zu vergleichen. Uns erwartet sicher ein heißer Tanz.

Dr. Reinhard Rauball (BVB-Präsident): Wir wissen, wie stark sich Marseille personell verstärkt hat. Aber die Freude ist größer als die Anspannung. Denn wir haben auf die Champions League über einen langen Zeitraum mit viel Einsatz und viel Energie hingearbeitet.

Didier Deschamps: Dortmund ist eine athletische, eine schnelle Mannschaft. Sie spielen nach vorne und sie wollen nach vorne. Wir müssen versuchen, so lange wie möglich im Ballbesitz zu bleiben und den BVB laufen zu lassen.

Steve Mandana: Ich fürchte keinen Spieler im Speziellen. Die gesamte Dortmunder Mannschaft ist gefährlich. Sie sind offensiv sehr stark. Vor allem die Außenverteidiger schalten sich immer wieder mit ein.


Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Marseille: Mandana - Azpilicueta, Diawara, Nkoulou, Morel – Diarra, Lucho – Valbuena, Amalfitano, A. Ayew - Remy.

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Götze, Kagawa, Perisic - Lewandowski.

Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)

Michael Reis