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Köln - Hat Stuttgart das Schlimmste überstanden, kann der Hamburger SV den Relegationsplatz verteidigen, und wie stehen die Chancen des 1. FC Nürnberg und von Eintracht Braunschweig? (Mit dem Tabellenrechner die letzten Spieltage durchtippen!) Im Tabellenkeller zittern immer noch vier Vereine. Für bundesliga.de analysierte Michael Frontzeck die Ausgangsposition.

Der ehemalige Bundesliga-Trainer von Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld und Borussia Mönchengladbach, der als Profi 436 Bundesliga-Spiele bestritt und mit Stuttgart 1992 Deutscher Meister wurde, ist vor allem von der ruhigen Vorgehensweise und Hartnäckigkeit von Eintracht Braunschweig beeindruckt.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, die Bundesliga geht in die entscheidende Phase und der Abstiegskampf bleibt weiterhin spannend. Glauben Sie, dass der VfB Stuttgart schon aus dem Gröbsten heraus ist und es für die anderen drei im Keller nur noch um den Relegationsplatz geht? (Tabelle)

Michael Frontzeck: Fakt ist, dass sich der VfB Stuttgart mit dem Unentschieden in Gladbach und dem Sieg gegen Schalke Luft verschafft hat und dabei auch gut aufgetreten ist. Das war elementar wichtig für sie. Sie haben es jetzt in der eigenen Hand. Das ist immer ein Vorteil. Aber sie sind noch nicht vollkommen raus.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Ausgangslage der anderen Kandidaten Hamburg, Nürnberg und Braunschweig?

Frontzeck: Für den Hamburger SV, den 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig gilt, dass sie in einer sehr schwierigen Situation sind. Es wird eine Nervensache. Jedes Spiel wird jetzt ein Endspiel. Ich freue mich für die Braunschweiger, dass sie bis zum Schluss im Rennen um den Klassenerhalt dabei geblieben sind. Sie haben alles in die Waagschale geworfen. Es war klar, dass sie als Aufsteiger vor einer schwierigen Saison standen. Sie haben meine Hochachtung, wie sie an die Sache heran gegangen sind. Das spricht für den Charakter des ganzen Clubs, des Trainers und der Mannschaft.

bundesliga.de: Die Eintracht hat immer noch die Möglichkeit, die Liga zu halten...

Frontzeck: Ja, und das freut mich! Der HSV hat bis jetzt eine sehr turbulente Saison hinter sich. Er hat aber auch noch die Chance, sich zu retten. Wie sich der Trainerwechsel in Nürnberg auswirkt, muss man abwarten. Wenn man zu so einem Mittel greift, ist es wichtig, dass dann ein Mann übernimmt, der die Mannschaft schon einmal trainiert hat. Vielleicht kann er noch einmal etwas freisetzen. Es ist sehr spannend. Jetzt muss man kühlen Kopf bewahren und die Nerven behalten. Das ist die wahre Kunst.

bundesliga.de: Das macht Braunschweig. Die Eintracht spielt jetzt mit Hertha, Augsburg und Hoffenheim gegen drei Gegner aus dem Niemandsland der Tabelle. Ist das ein entscheidender Vorteil?

Frontzeck: Das glaube ich nicht. Auch die Spiele müssen erst einmal gespielt werden. Berlin wird zuhause sein Spiel auch gewinnen wollen. Es ist egal, wo die Gegner in der Tabelle stehen. Braunschweig hat vor fünf Jahren mit der Konstellation Manager Arnold und Trainer Lieberknecht und auch mit vielen Spielen, die heute in der Bundesliga aufschlagen, begonnen. Das ist auch der einzige Weg, den Braunschweig gehen kann. Sie setzen auf Kontinuität und sind auch finanziell nicht auf Rosen gebettet. Da arbeiten vernünftige Leute im Hintergrund.

bundesliga.de: Der HSV tritt in Augsburg an, danach gegen die Bayern und dann in Mainz. Das Programm liest sich schwerer, zumal der HSV in der Rückrunde auswärts noch keinen Punkt geholt hat (Das große Zittern im Abstiegskampf

Frontzeck: Aber je länger eine Serie andauert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie reißt. Ich traue dem HSV zu, dass er auch auswärts punkten kann. Es hatte ja auch niemand damit gerechnet, dass Hamburg den BVB 3:0 schlagen kann. Das Potenzial hat die Mannschaft. Die Frage wird sein, ob sie es auch abrufen kann. Daran wird jetzt auf allen Ebenen bei allen Clubs ganz akribisch gearbeitet.

bundesliga.de: Nürnberg bekommt es erst auswärts mit Mainz zu tun, dann zuhause gegen Hannover und zum Abschluss geht es nach Schalke. Wie schätzen Sie den Club ein?

Frontzeck: Es ist komisch, wie Nürnberg in dieser Saison spielt. Zum Ende der Hinserie hatten sie viele Spiele dabei, die sie hätten gewinnen müssen, in denen sie auch richtig gut gespielt haben, aber am Ende ohne Punkte da standen. Sie sind dann überragend aus der Winterpause gekommen. Dann gab es einen Schlag. Nürnberg und auch der HSV hatten mit einem personellen Aderlass zu kämpfen. Entscheidende Spieler verletzten sich. Das ist dann für diese Vereine schwierig zu kompensieren. Nürnberg hat aber auch gezeigt, dass der Verein in der Bundesliga bestehen kann. Als Außenstehende können wir uns jetzt auf spannende drei Wochen freuen.

bundesliga.de: Wer rettet sich, wen erwischt es, wagen Sie eine Prognose?

Frontzeck: Nein, ich gönne es keinem.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski