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Köln - 22. Spieltag der Saison 2012/13: Schalke 04 gastiert beim 1. FSV Mainz 05, liegt mit 1:2 zurück. Die 72. Minute läuft, an der Schalker Seitenlinie bahnt sich ein Wechsel an. Nachwuchstalent Max Meyer bekommt seine Chance - es ist der Beginn einer hoffnungsvollen Karriere. Heute ist das S04-Juwel etabliert, jetzt soll der nächste Schritt in seiner noch jungen Laufbahn folgen.

Damals in Mainz war der dribbelstarke Offensivmann gerade mal 17 Jahre alt. Seine Bundesliga-Premiere hätte kaum besser laufen können. Meyer legte für Michel Bastos den späten 2:2-Ausgleichstreffer auf. Überraschend kam das für Kenner der Schalker Knappenschmiede nicht.

Mit 16 schon bei den Profis

Schon mit 14 Jahren sorgte der kleine Techniker für Aufsehen. "Ich wusste damals, dass eines der größten Talente Deutschlands vor mir saß", erinnert sich Schalkes Talentschmied Norbert Elgert an das erste Treffen mit dem Blondschopf. Meyer kickte zu dieser Zeit für den MSV Duisburg, wollte den nächsten Schritt machen und entschied sich letztlich für Königsblau. Ein Wechsel von dem beide in den kommenden Jahren mächtig profitieren sollten.

Rasch entwickelte sich der Spielmacher zum Megatalent, vereinsintern schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann Meyer bei den Großen mitmischen darf. Schon mit 16 Jahren trainierte der gebürtige Oberhausener mit den Profis. "Er besitzt genau das, was man heutzutage braucht. Wenn Max spielt, sind alle Radarschirme und Antennen ausgefahren", so sein Förderer.

Auch bei Di Matteo gesetzt?

In der vergangenen Saison schaffte Meyer endgültig den Durchbruch. Schnell wurde er unter Trainer Keller zum Stammspieler, absolvierte insgesamt 41 Pflichtspiele und erzielte sechs Bundesliga-Tore. Als I-Tüpfelchen flog noch die Berufung in den in den erweiterten WM-Kader ins Haus. Für Brasilien reichte es zwar nicht, eine Auszeichnung war es aber dennoch. "Der Meyer wäre bei 90 Prozent aller Teams Stammspieler und Kapitän", adelte BVB-Coach Jürgen Klopp den Dribbler.

Die aktuelle Spielzeit steht nun aber unter einem anderen Stern. "Ich fange wieder von vorne an und muss meine Leistung bringen. Ich hoffe natürlich, dass ich nochmal so eine Saison spielen kann", sagte Meyer im Vorfeld der Saison gegenüber bundesliga.de. Er weiß genau, dass er kein Nachwuchsspieler mehr ist, sondern vielmehr ein fester Bestandteil der Schalker Profis. Die jugendliche Unbekümmertheit hat Meyer abgelegt – oder vielmehr ablegen müssen. Interne Konkurrenzkämpfe um begehrte Positionen in der Stammformation sind jetzt Dinge mit denen der frischgebackene U21-Nationalspieler zurecht kommen muss.

Der neue Coach Roberto Di Matteo hat zwar angekündigt, mit jungen Spielern arbeiten zu wollen. Ob auch Meyer bei ihm auf der Zehn gesetzt ist, bleibt abzuwarten. Denn auch Julian Draxler schielt schon lange auf die begehrte Spielmacher-Position. Die Karten werden neu gemischt.

Fehlende Unterstützung im Umschaltspiel

Bisher lief es für das Schalker Eigengewächs ganz gut – was die Einsatzzeiten angeht. Von den sieben Bundesligaspielen stand er fünf Mal in der Startelf, zuletzt drei Mal in Folge. Beim 3:0-Erfolg in Bremen gelang dem Spielmacher sein erster Saisontreffer. Spielerisch hat Meyer jedoch noch deutlich Luft nach oben - insgesamt kam die Ballsicherheit des 19-Jährigen aber noch nicht wirklich zur Entfaltung, weil sich das Schalker Offensivspiel hauptsächlich über die Flügel abspielte.

Seine Gegenspieler haben die Entwicklung des Nachwuchstars ebenfalls registriert. Meyer wird härter angegangen, wie zum Beispiel beim 1:1-Remis gegen den FC Chelsea. Auch so ein Faktor, mit dem der junge Schalker noch klar kommen muss. 

Man beachte: Meyer ist gerade mal 19 Jahre alt und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung. Gut möglich, dass er unter Di Matteo nun endgültig in Schwung kommen wird. "Man weiß nie, ob es am Ende für eine große Karriere reicht", mahnt Elgert. Auf seinen ehemaligen Zögling trifft das definitiv nicht zu. Die große Karriere hat bereits begonnen – mit all ihren Facetten.

Yannik Schmidt