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Köln - Nach einem Jahr Abstinenz spielt Borussia Mönchengladbach in der neuen Saison wieder europäisch. Fünf namhafte Neuzugänge haben die Fohlen dafür schon verpflichtet. Dennoch bleibt Sportdirektor Max Eberl bei den Zielvorgaben bescheiden.

Im zweiten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de spricht der 40-Jährige über die Ansprüche und Perspektiven des VfL, mögliche Konkurrenten um die internationalen Plätze und den Knockout von Weltmeister Christoph Kramer (Hier geht es zu Teil 1 des Interviews).

bundesliga.de: Mit den bisherigen Neuzugängen Andre Hahn, Fabian Johnson, Ibrahima Traore, Yann Sommer, Thorgan Hazard ist die Borussia zumindest theoretisch schon jetzt stärker einzuschätzen als in der abgelaufenen Saison. Bleibt dennoch und trotz der stabilen Leistungen in den vergangenen drei Jahren ein Restrisiko?

Eberl: Dieses Restrisiko bleibt immer! Ich werde oft gefragt: "Herr Eberl, mit den Neuen steht die Mannschaft besser da als zuvor, muss die Borussia nun nicht höhere Ziele anstreben?" Nein, denn in dieser Situation befindet sich Borussia Mönchengladbach noch nicht! Selbstverständlich sind wir alle sehr ehrgeizig. Aber das ändert nichts daran, dass uns die fünf Teams, die vor uns in der Tabelle stehen, noch Lichtjahre voraus sind. Um erneut "nur" Platz 6 zu erreichen, müssen wir wieder unser Topniveau abrufen. Denn hinter uns lauern Clubs, die ebenfalls große Qualität besitzen, auch wenn der eine oder andere vielleicht mal ein zwei, schlechtere Jahre hatte.

bundesliga.de: Der Hamburger SV, der VfB Stuttgart ...

Eberl: ... 1899 Hoffenheim, das ich für sehr interessant halte, aber auch Hannover 96. So wie wir vor vier Jahren wieder aufgestanden sind, werden auch diese Clubs wieder aufstehen. Das sind die Konkurrenten, derer wir uns erwehren müssen (Tabellenrechner). Wer nur nach vorne blickt, der verliert. Wir müssen vielmehr das Gesamtkonstrukt Bundesliga, das sehr kompliziert ist, wie jeder in den vergangenen Jahren sehen konnte, immer im Auge behalten.

bundesliga.de: Wann wären Sie zufrieden, wann wären Sie enttäuscht?

Eberl: Eine Enttäuschung wäre, wenn wir nicht die Leistung bringen würden, die unsere Mannschaft in der Lage ist zu bringen. Wir wollen erneut - und das halte ich für realistisch - einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, was dann das vierte Mal in Folge der Fall wäre. Mit dieser Zielvorgabe werden wir in die Saison gehen. Und die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass man so in Regionen stoßen kann, die es einem erlauben, den internationalen Wettbewerb immer im Auge zu haben. Selbst bei Platz 8 vor zwei Jahren haben wir bis drei Spieltage vor Schluss um Europa gespielt. Gelingt das erneut, sind wir sehr zufrieden.

bundesliga.de: Diese Aufgabe geht die Borussia zum ersten Mal seit 1974 wieder mit einem Weltmeister in den eigenen Reihen an: Christoph Kramer soll nach seiner Verletzung im Endspiel den Schiedsrichter gefragt haben, ob dies wirklich das WM-Finale sei. Wissen Sie, ob diese Aussage so stimmt, und - nicht ganz Ernst gemeint - wenn ja, weiß Kramer, an dem viele Clubs interessiert sind, überhaupt noch, dass er noch ein weiteres Jahr bei Borussia unter Vertrag steht?

Eberl: Ich habe mit Chris nach dem Finale gesprochen, ihn aber nicht gefragt, ob er das wirklich so zum Schiedsrichter gesagt hat. Als wir telefoniert haben, wusste er auf jeden Fall, dass er jetzt Weltmeister ist. Aber wenn ich es mir recht überlege, hätte ich tatsächlich versuchen sollen, ihm weiszumachen, dass er bei uns nicht noch nur ein, sondern sogar noch zwei Jahre Vertrag hat (lacht).

Das Gespräch führte Andreas Kötter