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Köln - Andre Hahn, Fabian Johnson, Ibrahima Traore, Yann Sommer, Thorgan Hazard - Borussia Mönchengladbach scheint in diesem Sommer erneut gut eingekauft zu haben. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Sportdirektor Max Eberl. Im ersten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de spricht der 40-Jährige über die Transferpolitik des VfL, die bisherigen fünf Neuzugänge und mögliche weitere Verstärkungen.

bundesliga.de: Herr Eberl, mit Andre Hahn, Fabian Johnson, Ibrahima Traore, Yann Sommer und Thorgan Hazard konnten Sie erneut Spieler verpflichten, an denen auch andere, scheinbar potentere Clubs interessiert waren. Wie gelingen Ihnen dennoch immer wieder solche Coups?

Max Eberl: Ich glaube, dass wir in Mönchengladbach mittlerweile einiges vorzuzeigen haben. Als wir vor fünf, sechs Jahren begonnen haben, konnten wir potenziellen Kandidaten nur erzählen, was wir vorhaben. Heute dagegen können wir auf erfolgreiche Arbeit und auf eine Mannschaft verweisen, die sich entwickelt und in den einstelligen Tabellenregionen etabliert hat. Zudem können wir auf einen Trainer verweisen, der dafür bekannt ist, dass er Spieler immer noch besser machen kann.

bundesliga.de: Reicht das schon, um finanzielle Nachteile aufzuwiegen?

Eberl: Wenn wir in finanzieller Hinsicht auch nicht mit den Top-Clubs zu vergleichen sind, so haben wir doch unsere Möglichkeiten, einem Spieler einen vernünftigen Vertrag anzubieten. Die Summe dieser Fakten in Verbindung mit den persönlichen Gesprächen mit Trainer, mit Steffen Korell (Teammanager; Anm. d. Red.) und mit meiner Person führen dazu, dass ein Spieler vielleicht sagt: "Dieses Projekt passt und macht richtig Spaß!" Ich glaube, dass wir aktuell eine Nische bedienen für Spieler, die bei Top-Clubs noch keinen Stammplatz belegen können, dies aber als Ziel haben, und bei uns die entsprechenden Schritte tun können.

bundesliga.de: Wie zum Beispiel gestaltet sich ein Transfer wie zuletzt der von Thorgan Hazard?

Eberl: Zunächst einmal verfolgen wir die Entwicklung eines solchen Spielers über mehrere Wochen und Monate, um ihn sportlich zu bewerten. Hazard kannten wir zudem bereits aus der belgischen U21-Nationalmannschaft. Lautet das vorläufige Urteil dann, dass ein solcher Spieler sportlich interessant für uns ist, sucht man den Kontakt zum Spieler bzw. zu seinem Berater oder zu einer Familie. Parallel wendet man sich an den Club des Spielers, in diesem Fall an Chelsea, um zu klären, ob überhaupt ein Interesse besteht, den Spieler zu verkaufen oder auszuleihen. Dann folgen in der Regel mehrere Gespräche, und wenn alles passt und alle offenen, auch finanziellen Fragen geklärt, kann ein solcher Transfer funktionieren.

bundesliga.de: Viele Experten halten Sie wegen solcher Transfers für einen der besten Manager der Liga. Sind Sie in den angesprochenen fünf, sechs Jahren ein viel härterer Verhandlungspartner geworden?

Eberl: In Sachen Verhandlungsführung ist Stephan Schippers (Geschäftsführer; Anm. d. Red.) der Partner an meiner Seite, von dem ich am meisten gelernt habe. Selbstverständlich habe ich im Laufe der Jahre Erfahrungen aber auch in Situationen gesammelt, die zum Teil sehr schwierig waren und in denen man Geduld bewahren musste ...

bundesliga.de: ... ein Beispiel bitte?

Eberl: Luuk de Jong war sicher in Gänze kein einfacher Transfer für die Borussia und für mich. Aber auch der Transfer von Marco Reus, den wir - was heute fast in Vergessenheit geraten ist - aus Ahlen geholt haben, war nicht unkompliziert. Selbstverständlich ehrt es mich, wenn man meine Arbeit gut bewertet. Aber vor allem möchte ich jeden Morgen in den Spiegel schauen und sagen können, dass ich alles getan habe, um diesen Club besser zu machen.

bundesliga.de: Sie haben de Jong angesprochen, möglicherweise verlassen auch Amin Younes oder Peniel Mlapa noch die Borussia. Werden Sie in diesem Fall noch einen hochkarätigen Stürmer verpflichten oder wird bei dieser Diskussion zu oft übersehen, dass offensive Außenspieler wie Hahn, Patrick Herrmann oder Traore im Grunde auch nichts anderes sind als Stürmer?

Eberl: Das ist der Punkt! Man fragt immer: "Wer kommt noch? Wen holt ihr noch?", übersieht aber dabei, dass das Gute oft doch sehr nahe liegt. In der vergangenen Saison hatten wir mit Raffael und Max Kruse zwei Spieler, die an rund 75 Prozent unserer Tore beteiligt waren. Hier sind wir also sehr gut aufgestellt. Zudem haben wir mit Branimir Hrgota und Thorgan Hazard zwei junge Offensive, die auf die etablierten Spieler Druck ausüben werden. Und wir verfügen mit Andre Hahn, Patrick Herrmann, Ibrahima Traore und Fabian Johnson über weitere Spieler, die sehr variabel auf den Außenpositionen eingesetzt werden können ...

bundesliga.de: ... hier die Zwischenfrage, wie es Hrgota geht, der sich im Test gegen 1860 München verletzt hat?

Eberl: Branimir hat sich einen Kapselriss zugezogen, zudem ist möglicherweise ein Band angerissen. Wir müssen abwarten, bis die Schwellung abgeklungen ist und die Schmerzen weg sind, dann sollte er relativ zügig wieder ins Training einsteigen können. Mit drei Wochen Pause ist allerdings zu rechnen. Für ihn wie für uns ist das schade. Denn mit seinen beiden Treffern gegen 1860 hat Branimir gerade erst wieder auf sich aufmerksam gemacht. Er geht jetzt bei uns in seine dritte Saison und möchte natürlich den endgültigen Durchbruch. Ich bin aber zuversichtlich, dass er relativ schnell den Anschluss schafft.

bundesliga.de: Könnte diese Verletzung ein Grund sein, doch noch auf dem Transfermarkt aktiv zu werden?

Eberl: Sollte Peniel Mlapa noch einen neuen Verein finden und wir Amin Younes vielleicht doch noch verleihen, werden wir sicher nicht blauäugig sagen, dass unsere Transferaktivitäten bereits abgeschlossen sind. Finanzieller Spielraum ist vorhanden, und der Transfermarkt ist noch sechs Wochen geöffnet. Allerdings müsste es dann eine Qualität sein, die wir so im Kader noch nicht haben und die uns besser machen würde.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews