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Dortmund - Seinen fußballerischen Weg begleiten eigentlich schon seit Kindesbeinen Lob und Auszeichnungen – und auch bei Borussia Dortmund durfte Matthias Ginter in seinem ersten Pflichtspiel gleich den ersten Titel der Saison feiern.

Für den 20-Jährigen war es ein Einstand, der sich sehen lassen konnte. Aus dem eher beschaulichen Freiburg zur ambitionierten Borussia nach Dortmund gewechselt, durfte Ginter im Supercup gegen die Bayern direkt in der Startelf auflaufen. Als Innenverteidiger stand der vielseitige Defensivspezialist seinen Mann gegen Lewandowski, Müller und Co.. 90 Minuten später war der erste Titel unter Dach und Fach.

Bodenständig, zurückhaltend, ehrlich

Die folgenden Spiele in der Bundesliga haben Matthias Ginter aber auch gezeigt, dass nicht immer alles optimal laufen kann. Patzer im Aufbauspiel, ein Eigentor in Mainz – der Nationalspieler musste mit Kritik klar kommen. Ihn selbst haben die Szenen aber nicht wirklich verwundern. "Es war doch klar, dass es anfangs schwierig wird auf diesem Niveau. Die Umstellung ist groß. Aber ich habe in den bisherigen Spielen für Borussia Dortmund schon wahnsinnig viel gelernt", hat er in einem Interview mit der "Badischen Zeitung" erklärt.

Matthias Ginter ist ein bodenständiger, ebenso zurückhaltender wie ehrlicher Typ, der sich und seine Rolle gut einordnen kann. Er reflektiert seine Leistungen und hat sich in seiner jungen Karriere auch von zu viel Lob nie den Kopf verdrehen lassen. 2012 wurde er vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als Bester seines Jahrgangs ausgezeichnet, nur ein Jahr später als bester U19-Spieler nochmals.

Treffer beim Bundesliga-Debüt

Auch sein Debüt im Profifußball hätte besser kaum verlaufen können. Im Januar 2012 schoss er als damals 18-Jähriger in seinem ersten Spiel für den SC Freiburg gleich das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über Augsburg. Bei den Breisgauern etablierte er sich in der Folgezeit als Innenverteidiger, kann aber auch im defensiven Mittelfeld spielen. In der vergangenen Saison stand er für Freiburg in allen 34 Spielen von Beginn an auf dem Rasen, sammelte zudem wertvolle Erfahrungen in der Europa League – und wagte in diesem Sommer den Wechsel zum BVB. "Für mich ist damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", gesteht er selbst. "Ich war immer ein großer BVB-Fan und darf nun das Trikot meines Lieblingsvereins tragen."

Wie schon Christian Streich schätzt auch Jürgen Klopp an seinem Neuzugang neben dessen Zweikampf- und Kopfballstärke eine ausgesprochene Spielintelligenz und die Fähigkeit, das Spiel aus der hinteren Reihe heraus mit gezielten Pässen zu eröffnen. Ginters Passquote war dabei immer auch ein Indiz für seine Spielstärke – in der Saison 2013/14 brachte er 84 Prozent seiner Bälle sicher an den Mann.

Ginter: "Für mich war es eine Riesensache"

Eigenschaften, die den 20-Jährigen auch bei Jogi Löw auf den Zettel brachten und ihn in diesem Sommer mit der Nationalelf sogar bis zum WM-Titel in Brasilien führten. Als Jüngster des deutschen Kaders wurde Matthias Ginter Fußball-Weltmeister. Und es spricht wiederum für ihn und seine gesunde Selbsteinschätzung, dass er auch ohne Einsatzminuten einfach nur glücklich war: "Ich wusste das schon vor dem Turnierstart richtig einzuordnen. Für mich war es eine Riesensache, überhaupt dabei gewesen zu sein."

Ginter wird seinen Weg gehen. In der Nationalelf und bei Borussia Dortmund. Und ganz nebenbei wird er sich auch mit den Herausforderungen der ersten, eigenen Wohnung außerhalb von "Hotel Mama" arrangieren und an seinen Kochkünsten feilen: "Die einfachen Sachen hat mir meine Mutter aufgeschrieben. Das klappt auch schon ganz gut."

Dietmar Nolte