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Rio de Janeiro - Ausgelaugt, aber überglücklich: Nach dem 1:0-Sieg im WM-Viertelfinale gegen Frankreich mobilisierte Matchwinner Mats Hummels seine letzten Kräfte und lief in die deutsche Fankurve, um sich zu bedanken. Zuvor hatte der Schütze des goldenen Tores (13.) seiner Lebensgefährtin Cathy Fischer schon einen Kuss auf die Tribüne geschickt.
 
"Ich war völlig platt und musste nach dem Spiel Wasser ohne Ende nachschütten", sagte Hummels, als er den riesigen Pokal für den "Man of the Match" (DFB-Stars in der Einzelkritik) entgegennahm. Eine Auszeichnung, die sich der 25 Jahre alte Abwehrspieler von Borussia Dortmund redlich verdient hatte. Denn nicht zuletzt hatte er Torjäger Karim Benzema den Zahn gezogen, der zuvor die meisten Torschüsse in diesem Turnier abgegeben hatte.
 
Zudem bewies Hummels auch mit seinem Auftreten, seinen Gesten erneut, dass er nicht nur in der Hintermannschaft der neue Chef im Ring ist. Nachdem er das Achtelfinale gegen Algerien wegen einer fiebrigen Erkältung verpasst hatte, wurde nun deutlich: Nicht Kapitän Philipp Lahm, nicht Champions-League-Sieger Sami Khedira und auch nicht Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil sind bei der WM in Brasilien die tragenden Säulen der deutschen Nationalmannschaft.

Drei neue Anführer - Klopp stolz auf Hummels

Dafür haben sich der viermalige Torschütze Thomas Müller, der neue Titan Manuel Neuer und eben Hummels durch ihre Leistungen in die Chefrolle gedrängt (Top-Trio aus der Bundesliga). So sieht es auch Hummels' Vereinstrainer Jürgen Klopp. Hummels sei "außergewöhnlich, die ganze WM schon stark" und "gemeinsam mit Neuer und Müller die herausragende Figur, was die Form und die Leistung angeht."

Es mache die Dortmunder "natürlich stolz zu sehen, was er da für eine Rolle spielt", sagte der BVB-Coach und fügte an: "Nicht, dass wir es ihm nicht schon länger zugetraut hätten, aber jetzt durften es dann alle mal sehen, dementsprechend hat das auch Spaß gemacht". Das Siegtor gegen die Franzosen im WM-Viertelfinale sei "klasse" gewesen.

"Hoffe, dass unser Weg noch nicht vorbei ist"

"Er hat überragend gespielt und dann trifft er auch noch. Das war eine ganz starke Vorstellung", lobte auch Abwehrkollege Per Mertesacker und erkannte damit die herausragende Leistung seines Kontrahenten nahtlos an. Er selbst war diesmal nur Zuschauer.
 
Mertesacker war dafür bei Hummels zweitem Turniertreffer von der Bank aufgesprungen und hatte dem Torschützen zugejubelt. "Das ist der nächste Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Es ist unglaublich, was hier bei der WM alles klappt", sagte der Held von Maracana. Am 13. Juli will er nun zum Finale nach Rio zurückkehren: "Ich hoffe, dass unser Weg noch nicht vorbei ist und wir es schaffen, noch mal hier anzutreten."
 
Zunächst aber, betonte Hummels, gelte es, das Halbfinale erfolgreich zu gestalten. Wer dann an der Seite des Dortmunders spielt, ist noch nicht klar, es ist ihm aber auch egal. "Jerome und Per sind etwas unterschiedliche Verteidiger-Typen, da muss man sich schon drauf einstellen. Egal, wer spielt, wir haben alle eine unglaubliche individuelle Qualität."

Ein Verteidiger mit Köpfchen

Zweitrangig ist für Hummels auch, ob er sich in den verbleibenden zwei Turnierspielen noch einmal in die Torschützenliste einträgt: "Wir haben ein anderes großes Ziel. Und ich will dazu beitragen, dass wir das erreichen."
 
Bereits beim Turnierauftakt hatte Hummels beim 4:0 gegen Portugal in seinem ersten WM-Spiel getroffen - zum 2:0, ebenfalls nach einer Standardsituation. "Ich hatte Glück und stand halt am richtigen Fleck", sagte Hummels. Als erster deutscher Abwehrspieler kann er nun zwei Kopfballtreffer bei einer WM vorweisen.