ANZEIGE

Köln - Der 1. FC Kaiserslautern steht vor den Wochen der Wahrheit. Die Pfälzer haben sich eine hervorragende Ausgangsposition im Endspurt um den Bundesliga-Aufstieg verschafft, haben aber nun noch ein schweres Restprogramm zu meistern. Vor dem Topspiel am kommenden Montag bei Fortuna Düsseldorf (ab 20.00 Uhr im Liveticker) spricht Lauterns Mittelfeldabräumer Markus Karl (29) im Interview mit bundesliga.de über die Perspektiven des FCK.

bundesliga.de: Markus Karl, im letzten Spiel haben Sie Ihre Gelbsperre abgesessen. Jetzt können Sie im Saisonendspurt wieder richtig loslegen. Wie bewerten Sie die Ausgangslage des FCK sieben Spieltage vor Saisonende?

Markus Karl: Wir haben bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt, die uns viele gar nicht so zugetraut haben, weil wir einen sehr jungen Kader haben. Im Sommer hatten wir einen großen Umbruch. Die Mannschaft hat es bis jetzt exzellent gelöst. Es macht viel Spaß. Die Ausgangsposition ist sehr gut. Aber es wird noch ein langer Weg. Wir haben noch schwere Spiele vor uns, beginnend mit der Partie in Düsseldorf am Montag. Aber wir wollen die Saison natürlich noch mit einem guten Schlussspurt krönen.

"Düsseldorf hat eine absolut gute Mannschaft"

bundesliga.de: Im Moment ist der FCK Zweiter und beste Rückrundenmannschaft. Das spricht für die Stabilität der Mannschaft.

Karl: Toi, toi, toi. Ich hoffe, dass es auch so bleibt. Wir arbeiten weiterhin hart, die gute Trainingsarbeit ist ganz wichtig. Wir haben einen extrem hohen Konkurrenzkampf in der Mannschaft, nachdem nun auch wieder einige verletzte Spieler zurückgekommen sind. Der breite Kader zahlt sich jetzt aus, wir konnten Sperren oder Verletzungen gut kompensieren.

bundesliga.de: Sie haben angesprochen, dass die roten Teufel eine junge Truppe ist, ein Team im Umbruch. Wie viel Spaß macht es Ihnen als einer der älteren Spieler, die Jungs als Führungsspieler zu unterstützen?

Karl: Die Rolle macht mir Spaß. Die jungen Spieler treiben uns ja auch an. Ich habe mich genauso wie ein Karim Matmour noch einmal weiterentwickelt. Niemand hat sein Potenzial bereits voll ausgeschöpft. Die Entwicklung geht weiter. Das macht Spaß. Wenn man den Jungen helfen kann, hilft man ihnen. Ab und zu muss man aber auch den Finger in die Wunde legen. Manchmal muss man etwas sagen, manchmal dazwischen fegen. Dafür muss man ein Gespür haben.

bundesliga.de: Obwohl der FCK eine tolle, stabile Saison spielt, konnte er sich noch nicht entscheidend von der Konkurrenz absetzen. Das Rennen bleibt weiter spannend.

Karl: Absolut. Wir haben auch noch ein schweres Programm, genauso wie Darmstadt oder Ingolstadt. Der Karlsruher SC hat auf dem Papier vielleicht die leichteren Aufgaben. Wir freuen uns auf die letzten Spiele und fahren jetzt voller Zuversicht nach Düsseldorf. Da müssen wir punkten.

bundesliga.de: Die Fortuna ist nicht gerade der Lieblingsgegner des FCK. In den letzten Jahren gab es einige Niederlagen gegen Düsseldorf, auch das Hinspiel endete 1:1.

Karl: Aber jedes Spiel fängt bei 0:0 an. Aalen war vorher unser Angstgegner, die haben wir geschlagen. Ich habe keine Angst vor Düsseldorf. Das ist eine absolut gute Mannschaft, die eigentlich um den Aufstieg mitspielen kann. Wir werden definitiv nicht nach Düsseldorf fahren und glauben, dass wir die mit links schlagen können. Fortuna hat nach dem 0:4 in St. Pauli noch einiges gutzumachen. Das wird ein hartes Spiel, beide Mannschaften werden sich gegenseitig alles abverlangen.

bundesliga.de: Sie haben das Restprogramm des FCK angesprochen. Es geht noch u.a. gegen Düsseldorf, Leipzig, Bochum, Darmstadt und Ingolstadt. Das dürfte noch ein heißer Tanz werden.
Karl: Das Gute ist, dass wir noch drei Heimspiele haben. Daheim sind wir extrem stark. Und ich bin mir sicher, dass wir auch in den Auswärtsspielen punkten werden. Das Programm ist zwar hart. Aber manchmal ist es besser, auf starke Gegner zu treffen. Die nimmt man nicht auf die leichte Schulter. Wir werden weiter fokussiert arbeiten und versuchen, unsere Position nicht mehr herzugeben.

Wir wollen unseren Tabellenplatz verteidigen"

bundesliga.de: Der FCK stünde noch besser da, wenn die Mannschaft auswärts mehr als nur zwei Spiele gewonnen hätte. Wie ist der Unterschied zwischen Heimstärke und relativer Auswärtsschwäche zu erklären?

Karl: Wenn wir mehr Auswärtsspiele gewonnen hätten, wären wir jetzt ganz oben. Die Mannschaft hat einen Reifeprozess hinter sich. In der Hinrunde haben wir auswärts noch einige Punkte verschenkt. In letzten Wochen sind wir aber stabiler geworden. Ich hoffe, das bleibt auch so.

bundesliga.de: Sie haben in jungen Jahren schon einmal für den Hamburger SV in der Bundesliga gespielt. Ist die Bundesliga noch Ihr großes Ziel?

Karl: Absolut. Ich will es mir noch einmal beweisen, dass ich die Bundesliga drauf habe. Ich bin damals nur fünfmal eingewechselt worden. Es wäre schön, wenn ich es in meinem Alter noch einmal schaffen würde. Die Weichen sind jetzt gestellt. Aber es wird wie gesagt noch ein harter Weg in den kommenden Wochen.

bundesliga.de: Also ist der Bundesliga-Aufstieg das Ziel?

Karl: Es bringt nichts, wenn wir uns jetzt hinstellen und sagen: Wir wollen aufsteigen. Wir haben eine tolle Ausgangssituation und wollen unseren Tabellenplatz natürlich auch verteidigen. Das ganze Umfeld lechzt sicherlich nach dem Aufstieg, aber wir haben bisher gut daran getan, uns immer nur auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren Wir haben es so hinbekommen, dass wir die Zuschauer mitnehmen. Wenn am Ende der Aufstieg stehen würde, wären wir natürlich überglücklich. Aber wir gucken weiter nur von Spiel zu Spiel und lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski