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Köln - Genau drei Monate und sechs Tage ist es nun her, dass ARD-Kommentator Tom Bartels die Worte in sein Mikrofon schrie, die ganz Fußball-Deutschland für eine Ewigkeit in Erinnerung bleiben werden: "Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Mario Götzeeeeeeee!"

Mit dem entscheidenden Tor im WM-Finale gegen Argentinien hat sich Mario Götze für immer in die Geschichtsbücher geschossen und auch nach der WM dreht der 22-Jährige auf, der Titel scheint ihm einen regelrechten Schub zu verleihen. Mit sechs Toren führt er nach acht Spieltagen die Torjägerliste der Bundesliga an, überzeugt von Woche zu Woche mit klasse Leistungen. In seiner zweiten Saison beim FC Bayern ist Götze nun voll in München angekommen.

Eine Entwicklung ist erkennbar

"Es war einfach eine neue Herausforderung für mich", sagt Götze im AUDI Star Talk beim Pay-TV-Sender Sky über seinen Wechsel an die Isar vor etwas mehr als einem Jahr. "Ich wollte mich weiterentwickeln, einfach unter Pep Guardiola trainieren und mit dieser Mannschaft spielen." Weiterentwickelt hat sich der Offensivakteur in jedem Fall: Im letzten Jahr beim BVB und im ersten Jahr bei den Bayern schoss er in einer ganzen Saison lediglich jeweils zehn Bundesliga-Tore, in den beiden Dortmunder Meisterjahren waren es zuvor gerade sechs Treffer - so viele wie nun nach acht Spieltagen.

"Ich bin noch sehr, sehr jung. Ich bin erst 22 Jahre! Ich kann noch nicht alles richtig machen, muss eben auch die ganzen Prozesse und Abläufe kennenlernen", meint Götze mit Blick auf seine persönliche Entwicklung und gibt zu, dass die während der WM in Brasilien aufgekommene Kritik an seiner Person, nicht vollkommen an ihm vorübergegangen ist. "Wenn man während einer Weltmeisterschaft etwas liest, ist das eine Sache, die einen nicht ganz kalt lässt." Spätestens mit seinem goldenen Finaltor hat er seine Kritiker aber kaltgestellt.

Ein Tor, das natürlich auch dem Schützen selbst ganz genau in Erinnerung geblieben ist. "Man kann es in diesem Moment einfach nicht begreifen. Es war unbeschreiblich", erklärt Götze seine Gefühlswelt nach dem Tor in der 113. Minute. "Einerseits hat man das Gefühl, ich habe einen großen Teil dazu beigetragen. Aber ich wusste in dem Moment, wie auch die Mannschaft, dass noch sieben Minuten zu spielen waren. Es hätte also auch durchaus sein können, dass noch etwas passiert."

Ein Foto, das um die Welt ging

Die letzten Minuten nach dem Tor hat Götze sogar als "Highlight" empfunden. "Gerade dieser Freistoß von Messi. Wir sind einfach nur in der Mauer gestanden und haben gebetet, dass nichts mehr passiert. Das war einfach unglaublich", sagt der Bayern-Star. Umso größer war die Erleichterung, als Messi den Ball am Tor vorbei schoss.

Nach dem Finale kursierte dann ein Foto des WM-Heldens mit dem Weltstar vom FC Barcelona im Netz, das Götze auf seinem Instagram-Account postete. "Ich bin von der Pressekonferenz für den "Man of the Match Award" gekommen. Dann habe ich ihn gesehen, von hinten und bin ihm noch hinterhergerannt, um ein Bild zu kriegen. Nicht er wollte ein Bild von mir, sondern es war genau andersherum", erklärt Götze lachend. Das Foto der beiden ging um die Welt.

Nette Worte unter Freunden

Genauso wie das Foto von Götze auf dem Rasen, als er das Trikot von Marco Reus in die Kamera hält, der sich so kurz vor der Endrunde in Brasilien verletzte. "Als Fußballer weiß man, wie man sich in so einer Situation fühlt", erklärt Mario Götze, "dann wird man auch noch Weltmeister. Das ist schon eine bittere Erfahrung für ihn."

Das Foto war ein echter Freundesbeweis Götzes, der der festen Überzeugung ist, dass es für seinen Kollegen und den BVB bald wieder bergauf gehen wird. "Ich verstehe mich sehr, sehr gut mit Marco. Wir hatten ja auch ein super Jahr zusammen in Dortmund. Ich bin guter Dinge, dass Borussia Dortmund wieder in die Spur zurückfindet, dass sie wieder ihre Punkte holen werden. Davon bin ich fest überzeugt!"

WG-Leben? - Es hapert beim Kochen...

Nach der WM und dem gemeinsamen Urlaub mit der Freundin ist Götze übrigens wieder zurück in die WG mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Fabian (Verteidiger bei der SpVgg Unterhaching, Anm. d. Red.) in München gezogen. "Größtenteils läuft das Zusammenleben gut", verrät Götze. Was nicht so gut läuft? - "Das Kochen." Solange es dabei bleibt, und Mario Götze seine Leistung weiterhin so erstklassig auf den Platz bringt, wie in den ersten acht Saisonspielen, blickt Bayerns Nummer 19 in eine rosige Zukunft.

Dennis-Julian Gottschlich