Dortmund - Reden wollte Marco Reus nach seinem Traum-Comeback nicht. Dafür hatte der Nationalspieler beim 3:1-Sieg von Borussia Dortmund über Eintracht Frankfurt Taten sprechen lassen: Hackentor nach zwei Minuten, Tempoläufe und Dribblings - rechtzeitig im Saisonendspurt hat die Borussia einen neuen Hoffnungsträger für Spiel und Stimmung, der schon am Mittwoch in Monaco den Unterschied machen soll.

>>> Hol Dir jetzt Marco Reus im offiziellen Bundesliga Fantasy Manager

"Wir vermissen ihn unendlich und brauchen ihn. Wir vermissen seine Ausstrahlung, seine Intensität. Er macht alle Spieler um sich herum besser." Thomas Tuchel hatte in den letzten Tagen auch nicht den Hauch eines Zweifels gelassen, wie sehr er ein Comeback von Marco Reus herbeigesehnt hat. "Es kann sich niemand vorstellen, wie sehr wir ihn vermissen. Seine Rückkehr in die Startelf würde viel Energie freisetzen."

Der Mann für das wichtige 1:0

Gesagt, getan – gegen Eintracht Frankfurt stand der Gelobte nach sechswöchiger Verletzungspause wieder auf dem Platz und bestätigte seinen Trainer im Schnellverfahren. Keine drei Minuten waren gespielt, als der BVB sich schnell und direkt in den Frankfurter Strafraum kombinierte und Reus mit einem herrlichen Tor vollendete. Aus vier Metern schob er den Ball mit der Hacke über die Linie – das Traum-Comeback war perfekt.

Und Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch: Auch Ende Januar schrieb man gerade die dritte Spielminute, als Marco Reus die Dortmunder in Mainz mit einem Blitztor in Führung gebracht hatte. Der Nationalspieler ist bei der Borussia immer wieder der Mann für das wichtige 1:0 – über ein Drittel seiner 83 Pflichtspieltore brachten die Schwarz-Gelben in Front.

Ohne Anlaufzeit durchgestartet

Aber das ist nur ein Grund, warum der Nationalspieler so schmerzlich vermisst wurde. Sein Tempo, seine Dribblings, sein Auge für die Mitspieler, seine Präsenz auf dem Platz – all das macht ihn so wertvoll für das explosive Offensivspiel des BVB. Anfang März hatte sich der 27-Jährige im Spiel gegen Leverkusen (>>> Zum Matchcenter der Partie #BVBB04) einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und seitdem gefehlt. Für Reus schon die zweite, langwierige Verletzung in dieser Spielzeit. Die ersten elf Bundesligaspiele hatte er mit einer Schambeinentzündung verpasst, ein weiteres Kapitel in seiner umfangreichen Krankenakte. Die Partie gegen Frankfurt war erst sein 16. Pflichtspiel in dieser Saison.

>>> Melde Dich jetzt beim offiziellen Bundesliga Tippspiel an

Umso eindrucksvoller liest sich die Ausbeute von Reus, die auch Ausdruck seines Wertes für die Mannschaft ist. Sieben Treffer selbst gemacht, weitere sieben Tore aufgelegt – das ist seine Bilanz der 16 Partien. Entsprechend erleichtert dürfte Thomas Tuchel zur Kenntnis genommen haben, dass seine Nummer elf gegen Frankfurt ohne große Anlaufzeit gleich wieder voll durchgestartet ist. Für die heiße Phase der Saison soll er das Spiel des BVB noch einmal auf ein anderes Niveau heben, soll Impulse geben und den Glauben der Mannschaft an die eigene Stärke bekräftigen.

Reus und die gewisse Leichtigkeit

Seine Mitspieler wissen ebenso wie der Trainer um den Wert ihres Offensivspielers. Kapitän Marcel Schmelzer geriet nach dem Reus-Comeback gegen Frankfurt nahezu ins Schwärmen: "Wir sind sehr glücklich, dass Marco wieder da ist. Er ist ein absoluter Führungsspieler." Und auch persönlich freut es den Linksaußen, dass Kumpel Marco wieder mit von der Partie ist: "Es macht riesig Spaß, mit ihm zu spielen. Wir haben uns über Jahre hinweg Automatismen erarbeitet und brauchen nur wenige Worte, um miteinander klar zu kommen."

Nach 45 starken Minuten gegen die Hessen war das Comeback von Marco Reus absprachegemäß beendet, weil Tuchel seinen Vize-Kapitän bloß nicht überlasten will. Schon am Mittwoch in Monaco wird er gebraucht, wenn der BVB die 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel drehen und doch noch ins Halbfinale der Champions League einziehen will.  Schon 24 Mal traf Reus bislang in 42 Partien der Königsklasse. Eine Woche später geht es im DFB-Pokalhalbfinale zu den Bayern. Und dann kündigt sich ja auch noch in der Bundesliga Anfang Mai ein Showdown um Platz drei im direkten Vergleich mit der TSG Hoffenheim an. Da steht es der Borussia gut zu Gesicht, wenn Marco Reus mit seinem Spielwitz auch eine gewisse Leichtigkeit auf den Platz zaubern kann – gerade in diesen schweren Tagen, in denen für den Fußball in Dortmund zuletzt nur eine Nebenrolle reserviert war.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

VIDEO: Kathedralen der Bundesliga - Signal Iduna Park