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Berlin - Der DFB-Pokal-Fluch von Borussia Dortmund ist beendet. Nach drei verlorenen Endspielen hintereinander gewannen die Schwarz-Gelben gegen Eintracht Frankfurt am Samstagabend in Berlin mit 2:1 (>>> Zum Spielbericht). Besonders für Marco Reus endete seine persönliche Leidenszeit.

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Für einen kurzen Sprint hatte es für Marco Reus dann doch noch gereicht. Dick am Knie bandagiert, lief er wenige Sekunden nach dem finalen Pfiff von Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Rasen des Berliner Olympiastadions und feierte mit seinen Teamkollegen. Es war vollbracht. Nach dem Double 2012 nahmen die Schwarz-Gelben am Sonntagnachmittag mit den Fans auf ihrem legendären Borsigplatz wieder eine Trophäe in Augenschein.

Nach einem Happyend hatte es für Marco Reus zunächst überhaupt nicht ausgesehen. Der 27-Jährige verletzte sich nach knapp einer halben Stunde bei einem Zweikampf mit dem Frankfurter Timothy Chandler am Knie und musste am Spielfeldrand behandelt. Es schien wieder einmal ein tragisches Ende mit dem deutschen Nationalspieler zu nehmen, der zuvor mit dem BVB drei Pokal-Endspiele in Folge in Berlin verloren hatte und aufgrund von Verletzungen schon die Weltmeisterschaft 2014 und die Europameisterschaft 2016 in Frankreich verpasste. Reus konnte zur zweiten Halbzeit nicht weitermachen und blieb in der Kabine - genau wie Kapitän Marcel Schmelzer.

Tuchel wechselt perfekt

Trainer Thomas Tuchel war zum Umdenken gezwungen und brachte Christian Pulisic und Gonzalo Castro. Zwei Glücksgriffe, wie sich herausstellte. Pulisic holte den entscheidenden Strafstoß heraus, den Pierre-Emerick Aubameyang in Panenka-Manier verwandelte. Castro war im zweiten Spielabschnitt Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Der knappe 2:1-Sieg war am Ende dann auch verdient, auch wenn die Eintracht vor allem nach dem Ausgleich durch Ante Rebic drauf und dran war, in Führung zu gehen.

"Ohne Frage, es war kein Glanzspiel. Das ist in einem Finale aber komplett egal. Wir haben gezeigt, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Am Ende haben wir den Pokal gewonnen, damit haben wir die ganze Saison gekrönt, darauf können wir als Mannschaft unglaublich stolz sein“, sagte BVB-Kapitän Schmelzer, der den Pokal dann als Erster aus den Händen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier entgegennahm und in den Berliner Nachthimmel recken durfte. Wenig später nahm auch Reus den goldenen DFB-Pokal freudestrahlend in Empfang. "Wir haben den Titel auch für Marco gewonnen“, ergänzte Schmelzer.

Viele Sieger-Souvenirs

"Jeder Fußballer will Titel gewinnen. Deshalb freue ich mich unmenschlich, dass es endlich geklappt hat. Es war ein langer Anlauf“, gestand Reus erleichtert. Wie schwerwiegend seine Verletzung ist, konnte er noch nicht sagen. Erst nach der Rückkehr nach Dortmund wird es dazu Näheres geben.

Bei den Feierlichkeiten nach dem Spiel übernahm dann Matchwinner Pierre-Emerick Aubameyang im wahrsten Sinne des Wortes die Regie. Auf dem Spielfeld war das Tornetz hinter der BVB-Kurve nicht vor ihm sicher. Der Gabuner, der in den kommenden Woche über seine nähere Zukunft Auskunft geben will, zerschnitt das Tornetz und behielt es als Sieger-Souvenir. In der Kabine filmte Aubameyang dann mit seinem Smartphone und einem Selfiestick minutenlang die Feierlichkeiten. Die Zuschauer im Netz konnten verfolgen, wie ausgelassen es in der BVB-Kabine zuging.

Empfang am Borsigplatz

Die aufregende Saison des BVB endet also doch noch mit einem Happyend. "Es war eine Saison mit vielen Aufs und Abs. Wir sind immer wieder aufgestanden, sind zusammengewachsen – das ist einfach unglaublich. Alle haben diesen Titel verdient, einfach alle. Angefangen beim Zeugwart. Wir hatten das ganze Jahr über viele Verletzungen, aber wir haben uns dagegen aufgebäumt. Das Finale war ein Spiegelbild der Saison. Jetzt genießen wir den Moment, die Nacht. In solchen Moment fühlt man einzig pure Freude“, erklärte Reus, nachdem er aus der Kabine kam.

Anschließend ging es für den Dortmunder Partytross ins Teamhotel. Am Sonntagmittag ging es per Flugzeug zurück nach Dortmund, wo zehntausende Fans sehnsüchtig die Mannschaft in Empfang nahmen. Auf dem legendären Borsigplatz und in der Innenstadt wurde dann der vierte DFB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte gefeiert.

Aus Berlin berichtet Alexander Barklage