ANZEIGE

Mainz - Und dann auch noch ausgerechnet der Shinji. Endlich! Und dann noch in so einem Spiel! Shinji Okazaki hatte acht Spiele kein Tor mehr erzielt für Mainz 05 und auch am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach (Spielbericht) schien dem Japaner das Pech treu zu bleiben: Sein Kopfball in der 30.Minute nach einer Freistossflanke von Johannes Geis traf beim Stand von 0:1 nur die Latte.

Und als Raffael für Gladbach in der 67. Minute mit seinem zweiten Treffer das 2:0 erzielte, schienen die Nullfünfer geschlagen. Doch dann drosch Geis den Ball per Freistoss aus 30 Metern zum 1:2 Anschlusstreffer ins Tor und nur vier Minuten später fielen die Mainzer Fans in Ekstase: Shinji Okazaki erzielte seinen neunten Saisontreffer (Torjägerliste). Endlich! Und weil das Tor nach einem 0:2-Rückstand den Mainzern am Ende noch das verdiente 2:2 sicherte, wird das auch dem Japaner wieder Auftrieb geben (Interview mit Okazaki). So wie der ganzen Mannschaft, die am Ende von ihren Anhängern wie ein Sieger gefeiert wurde.

"Ein Punkt für das Zusammenfinden im Team"

"Das war auf jeden Fall ein moralischer Gewinn für die Mannschaft für die nächsten Wochen. Wir haben uns nach dem 0:2 nicht ergeben", jubelte FSV-Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger. Und Trainer Martin Schmidt sagte: "Wichtig ist, dass unser Mut, unser Vertrauen, unsere Stabilität und unsere Moral weiter wachsen durch dieses Spiel. Der Punkt ist ein Sieg für‘s Selbstbewusstsein, für das Zusammenfinden im Team, aber auch für das Miteinander zwischen Team und Trainer."

Seit drei Wochen trainiert Schmidt diese Elf als Nachfolger des Dänen Kasper Hjulmand. Der Schweizer hat dabei in drei Spielen alle möglichen Ergebnisse erlebt: Erst der emotionale Derby-Sieg gegen Frankfurt (Spielbericht) beim Debüt, dann die unglückliche Niederlage in Hoffenheim (Spielbericht) und nun schließlich dieses mitreißende 2:2 gegen Gladbach. Die Dramaturgie des Spiels zeigt, Mainz 05 spielt wieder wie Mainz 05 – die Mannschaft und der Trainer mit seiner emotionalen Art nehmen das Publikum wieder mit. Am Ende war sogar ein Sieg drin, auch wenn Manager Christian Heidel hinterher zugab, beim Stand von 0:2 mit "noch Schlimmerem gerechnet" zu haben.

Schmidt stellt spielentscheidend um

Doch Schmidt traf die richtigen Maßnahmen schon in der Halbzeit: Mit der Einwechslung von Jonas Hofmann für Christian Clemens kam neuer Schwung und mehr Energie auf den Platz. Und im Mittelfeld zog er Julian Baumgartlinger im zentralen Mittelfeld etwas weiter zurück und dafür Passgeber Johannes Geis etwas weiter nach vorne. Geis war in der ersten Halbzeit von den Gladbachern zugestellt, etwas offensiver kam er besser ins Spiel.

Ohnehin traut Schmidt seiner Mannschaft eine Menge zu. Gegen Gladbach ließ er zunächst die Gegenspieler erst ab der Mittellinie anlaufen, in den zwei Spielen zuvor trieb er seine Spieler weiter vorne schon zur Balljagd. Schmidt traut der Mannschaft verschiedene Herangehensweisen je nach Gegner auch im Abstiegskampf zu, er vertraut dabei auf einen Kern von 13, 14 Spielern. Und er baut natürlich auf Shinji Okazaki.

Der Mittelstürmer habe gegen Gladbach so gespielt wie er trainiert habe, analysierte Schmidt, deshalb habe er immer an einen Treffer des Japaners geglaubt. Unter der Woche habe Okazaki schon zwei Trainingsspiele mit seinen Toren entschieden, erzählte der Trainer. Am Samstag hat es dann also endlich wieder im Pflichtspiel geklappt für Okazaki. Zwar stecken die Mainzer mit 26 Punkten weiter in der gefährdeten Zone (Tabelle) – aber manchmal ist so ein Unentschieden mehr wert als nur einen Punkt. Am nächsten Wochenende beim Auswärtsspiel in Augsburg können die Mainzer beweisen, dass sie nun tatsächlich beflügelt in die nächsten Spiele gehen.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter