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Mainz - Nach dem Schlusspfiff war im Mainzer Stadion eine Euphorie zu spüren wie einst nach Siegen mit Jürgen "Kloppo“ Klopp, dem alten Trainer, der beim FSV Mainz 05 seine Karriere startete und am Samstagabend mit einer 0:2-Niederlage als Trainer von Borussia Dortmund aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gehen musste.

"Ein großer Abend für Mainz 05“ sei das, sagte der neue Mainzer Trainer Kasper Hjulmand. Der Däne feierte einen großen Sieg gegen eine Spitzenmannschaft und steht nach vier Spieltagen plötzlich selbst mit seiner Mannschaft in der Spitzengruppe der Bundesliga.

Für Hjulmand war dieser Sieg so wichtig, nach all dem Krisengerede in den ersten Wochen seiner Amtszeit. "Wir haben wie eine Mannschaft gespielt, gegen einen großen Gegner“, betonte Hjulmand. Es scheint, als wachsen in Mainz Trainer und Spieler enger zusammen. Das ist aber nicht wirklich eine Sensation, denn: Der FSV Mainz 05 vor dem 1. September war noch eine ganz andere Mannschaft als der FSV Mainz 05 nach dem 1. September.

Karnevalsstimmung statt Aschermittwoch

Vor dem Ende der Transferfrist war die Stimmung aschermittwochsmäßig, der Einstand des neuen Trainers Kasper Hjulmand nach dem Ausscheiden aus Europa-League und DFB-Pokal misslungen und dem Kader fehlte nach den Weggängen von Nicolai Müller und Eric Choupo-Moting Witz und Tempo auf den Außenbahnen sowie Alternativen im Angriff. Doch fünf Neuverpflichtungen und zwei Siege später ist der FSV quasi über Nacht Tabellenzweiter und statt Krisengerede herrschte am Samstagabend eine Karnevalsstimmung wie einst nach Siegen mit dem „Kloppo“.

Auch Vereine wie Mainz 05 oder der FC Augsburg achten darauf, ihre Kader von Runde zu Runde breiter aufzustellen, um Ausfälle gleichwertig zu kompensieren. Das ist wichtig, in Mainz fielen kurzfristig drei Stammspieler aus, in einem kuriosen Abschlusstraining verletzten sich Niko Bungert, Philipp Wollscheid und Ja-Cheol Koo. Da auch Kapitän Nikolce Noveski langfristig ausfällt, musste der chilenische WM-Fahrer Gonzalo Jara statt auf der rechten Außenbahn neben Stefan Bell in der Innenverteidigung spielen - und machte seine Sache gut.

Viele kleine Mainzer Heldengeschichten

Aber die Geschichte von Jara ist ja nur eine Geschichte von vielen, die dieser Samstag in Mainz schrieb. Es gibt da die Geschichte von FSV-Torwart Loris Karius, der beim Stand von 1:0 einen Elfmeter gehalten hatte und damit einen Moment prägte, der vielleicht die Richtung der Mainzer in dieser Saison vorgeben könnte.

Oder da gibt es die Geschichte von "Jairo“, dem jungen Spanier, der ebenso wie der ganz starke Jonas Hofmann erst vor zwei Wochen gekommen war, und beide Treffer nach seiner Einwechslung vorbereitet hatte. "Besser kann es nicht laufen“, ließ der ehemalige U 21-Nationalspieler Spaniens "Jairo“ mitteilen: "Mit diesen beiden Aktionen kann ich das Vertrauen, das der Verein in mich gesteckt hat, zurückzahlen.“ "Jairo“, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel sei ein Spieler, der noch viel mehr könne.

Am Dienstag tritt Nullfünf in Frankfurt beim Rhein-Main-Derby gegen die Eintracht an. Trainer Hjulmand hat inzwischen einen großen Kader zur Verfügung und kündigt an: "Wir werden auf jeden Fall eine frische Mannschaft  auf dem Platz haben.“ In Mainz ist die Hoffnung auf eine gute Saison dem Frust über den verpatzten Saisonstart gewichen.

Tobias Schächter