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München - Die 1:4-Heimpleite des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Nürnberg war wohl Serdar Tascis sportlicher und auch emotionaler Tiefpunkt der abgelaufenen Saison: Zuerst war er bei Julian Schiebers Kopfball-Torpedo zum 0:2 nur andächtiger Zuschauer, dann ließ er erneut Schieber an der Außenlinie vorbeispazieren und das 1:3 vorbereiten.

Doch damit nicht genug: Zu allem Überfluss wurde Tasci bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Dass sich der Frust der VfB-Anhänger an diesem Nachmittag fast ausschließlich an ihm entladen hat, hat den Profi mit türkischen Wurzeln tief getroffen. "Dass es Pfiffe hagelt, ist in unserer Situation normal. Wenn man so lange in diesem Verein gespielt hat, ist das umso bitterer."

Eine schwierige Saison

Wenigstens stellte sich Manager Fredi Bobic schützend vor den 24-Jährigen: "Serdar war für mich in Mönchengladbach der überragende Mann. Ihn jetzt herauszupicken ist nicht gerecht." Die 1:4-Heimpleite gegen den "Club" war aber nur einer von vielen Rückschlägen, die Tasci in der vergangenen Saison zu meistern hatte.

Der junge Innenverteidiger, der aus der eigenen Jugend des VfB stammt, blickt auf die schwierigste der fünf Spielzeiten bei den Schwaben zurück. Er hatte mit vielen kleinen Verletzungen zu kämpfen, stand bei Trainer Christian Gross zu Beginn der Runde unter keinem guten Stern und fand sich sogar teilweise auf der Ersatzbank wieder. Tasci stabilisierte sich erst mit zunehmender Dauer der Saison.

"Serdar kann noch stärker werden"

Seine Leistungssteigerung ist seinem aktuellen Trainer Bruno Labbadia nicht entgangen: "Wir wollen ihn nicht abgeben! Serdar kann noch stärker werden. In den letzten sechs Monaten waren seine Leistungen konstant gut, wir haben ein Vertrauensverhältnis aufgebaut", sagt der 47-Jährige und fügt sogar hinzu: "Ich traue ihm auch wieder den Sprung in die Nationalmannschaft zu."

Diverse Wechselgerüchte und Spekulationen um seine Person kommentierte Tasci, der beim VfB einen Vertrag bis 2014 hat, nicht. Statdessen stellte er klar: "Ich konzentriere mich nur auf den VfB".

Labbadias Vertrauensbekundung kommt nicht von ungefähr. Allen Widrigkeiten zum Trotz ist der Nationalspieler auf dem Papier einer der besten Zweikämpfer der Bundesliga. Mit 69,4 Prozent gewonnener Duelle war Tasci in der abgelaufenen Saison der drittbeste Bundesliga-Spieler in dieser Kategorie. Damit verbesserte er seine Quote aus der Spielzeit 2009/10 (61,4 Prozent) deutlich.

Geduldig sein

Statistisch gesehen unter den Top 3 der Bundesliga - und trotzdem muss sich Tasci mit einer erneuten Nominierung für die Nationalmannschaft gedulden. Sein Berater Uli Ferber gibt sich bei "bild.de" jedoch optimistisch: "Die Statistik zeigt, dass Serdar auf einem guten Weg ist. Er muss diese Leistung in der kommenden Saison bestätigen und auf die Chance warten, dass er wieder eingeladen wird. Wenn Serdar die Möglichkeit bekommt, bin ich überzeugt davon, dass er sie nutzen wird."

Vor zehn Monaten wurde Tasci das letzte Mal von Bundestrainer Joachim Löw berücksichtigt und spielte beim 2:2 gegen Dänemark auch die vollen 90 Minuten. Für die folgenden elf Länderspiele wurde er nicht nominiert. Das Thema Nationalmannschaft ist für ihn aber noch nicht durch, wie Ferber versichert: "Serdar gehört nach wie vor zum Kreis der Nationalmannschaft. Ich bin sicher, dass wenn er seine Leistung bestätigt, auch wieder zurückkehrt."

David Schmidt


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