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Es war der 8. Spieltag in der Saison 2007/08. Ein Spieltag, an den sich Herthas Lucio wohl nur mit Schrecken erinnert. Der Brasilianer verletzte sich in der Partie bei Schalke 04 schwer.

Kreuzbandriss, Anriss der Patellasehne, Schaden am Innenband sowie am Meniskus lautete die niederschmetternde Diagnose. Ein Karriere-Ende drohte.

Doch Lucio arbeitete hart am Comeback. Nach 14 Monaten Leidenszeit feierte er am 18. Dezember 2008 ein Vier-Minuten-Comeback im UEFA-Cup-Rückspiel der Berliner bei Olympiakos Piräus.

Im Trainingslager in Marbella arbeitet Lucio nun weiter daran, schon bald wieder eine gewichtige Rolle in den Planungen von Trainer Lucien Favre zu spielen. bundesliga.de sprach mit Lucio über die lange Verletzungspause, seinen Leistungsstand und ein wichtiges Versprechen.

bundesliga.de: Lucio, die lange Leidenszeit ist jetzt endgültig vorbei. Gegen Freiburg und Osnabrück wurden Sie jeweils eingewechselt. Sind Sie schon wieder ganz der Alte?

Lucio: Nein, ich muss noch weiter sehr hart arbeiten. Für mich ist es wichtig, dass ich in Testspielen den Körperkontakt mit den Gegenspielern suche, damit die Angst vor einer Verletzung, die im Unterbewusstsein immer noch da ist, völlig verschwindet. Aber mit jedem Ballkontakt, mit jeder Aktion, in der ich den Ball unter Kontrolle habe, denke ich weniger an mein Knie. Ich muss einfach weiter viel Geduld haben.

bundesliga.de: Wie weit sind Sie noch von Ihrem alten Leistungsvermögen entfernt?

Lucio: Momentan würde ich meine Leistungsstärke bei 60 bis 70 Prozent einstufen.

bundesliga.de Heißt das, dass Sie auch schon bald wieder in der Bundesliga am Ball sind?

Lucio: Die endgültige Entscheidung trifft natürlich der Trainer. Aber ich trainiere wieder mit der Mannschaft, wurde wieder eingewechselt und befinde mich auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Woher haben Sie die Kraft und die Motivation genommen, einem möglichen Karriere-Ende zu trotzen?

Lucio: Der Glaube an Gott und meine Familie haben mich angetrieben, immer an meine Rückkehr auf den Fußballplatz zu glauben. Mein Bruder hat mich in den 14 Monaten auf dem schweren Weg zurück begleitet. Und meiner Tochter habe ich versprochen, dass ich mit ihr zu einem Spiel ins Stadion einlaufe. Auch die Fans haben mir immer wieder gut zugeredet und mich aufgemuntert. Ich möchte mich bei ihnen so schnell es geht mit guten Leistungen für diese Unterstützung bedanken.

Das Interview führte Michael Reis