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München - Der Meistertitel ist in der Tasche, nun steht der FC Bayern München vor der nächsten Prüfung. Am Dienstag trifft der Rekordmeister im Champions-League-Viertelfinale auf Manchester United (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). "Es gibt sicherlich härtere Brocken", sagt Sky-Experte Lothar Matthäus, der am Dienstag als Co-Kommentator von Wolff-Christoph Fuss fungieren wird, über den derzeit schwächelnden englischen Topclub.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Bayern-Profi und Rekordnationalspieler über den kommenden Gegner der Münchner in der Königsklasse, die Rückkehr von Leader Bastian Schweinsteiger und die Chancen auf eine Triple-Verteidigung.

bundesliga.de: Herr Matthäus, könnte es sein, dass die Bayern-Spieler mit der Meisterschaft in der Tasche ein wenig nachlassen?

LotharMatthäus: Das kann ich mir kaum vorstellen. Denn alle Spieler wollen schließlich auch in einem möglichen Finale in der Champions League und im DFB-Pokal zum Einsatz kommen. Und dafür will sich jeder in den kommenden Wochen im Training und im Spiel empfehlen.

bundesliga.de: Bastian Schweinsteiger spielt nach wochenlanger Pause wieder groß auf. Macht die Rückkehr des Leaders die Bayern noch stärker?

Matthäus: Beim FC Bayern ersetzt immer ein Weltklassespieler den anderen. Ich würde jetzt nicht zwingend sagen, dass es mit Schweinsteiger noch besser läuft. Aber Trainer Pep Guardiola hat jetzt wieder einen Spieler zur Verfügung, der das Bayern-Gen wie kaum ein anderer in sich trägt.

bundesliga.de: War Manchester United das leichteste Los im Topf?

Matthäus: Manchester United ist vielleicht nicht das leichteste Los, aber es gibt sicherlich härtere Brocken. Dieser Traditionsclub hat viel an Glanz verloren. In der Meisterschaft ist United chancenlos und in der Champions League haben sie sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Deren Gruppe mit Donezk, San Sebastian und Leverkusen war durchaus machbar und gegen Piräus, bei aller Hochachtung für die Griechen, ging Manchester im Achtelfinale auch als Favorit in die Begegnung. Auch wenn das 3:0 im Rückspiel wieder ein wenig an alte Zeiten erinnerte, läuft es einfach nicht rund. Es müsste deshalb schon sehr viel zusammenkommen und passieren, dass Manchester in zwei Spielen gegen den FC Bayern als Sieger hervorgeht und ins Halbfinale einzieht.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Engländer zu viel Respekt vor den Rekord-Bayern haben werden?

Matthäus: Es ist weniger der Respekt der Gegenspieler, der ausschlaggebend ist. Vielmehr ist es der Glaube an die eigene Stärke beim FC Bayern - so war es schon zu meiner Zeit. Das Selbstbewusstsein, das durch solche Rekorde, Leistungen und Erfolge aufgebaut wird, ist immens. Da fühlt man auch keine Last, sondern man fühlt Stärke. Und das zeigen die Spieler auf dem Platz. Der FC Bayern hat einfach eine Ausnahmemannschaft. Die Dominanz, die Pep Guardiola fordert, zeigen die Spieler. Das zermürbt den Gegner.

bundesliga.de: Hat Manchester denn eine Chance, gegen den FC Bayern zu bestehen? Und wenn ja, wie?

Matthäus: Man kann sie kitzeln, wenn man zum Beispiel so auftritt wie Mainz am vorvergangenen Wochenende. Die Mainzer haben die Bayern bearbeitet und schon im Spielaufbau aggressiv gestört. Das ist natürlich kräftezehrend. Aber wenn man nur verteidigt, dann kommen die Münchner automatisch zu ihren Chancen. Natürlich gehört auch eine große Portion Glück dazu. Generell sollte man mit großer Freude in solch eine Partie gehen. Denn schließlich hat man gegen den FC Bayern nichts zu verlieren.

bundesliga.de: Gewinnt der FC Bayern wie in der vergangenen Saison wieder das Triple?

Matthäus: Ja. Wenn man die Leistungen aktuell betrachtet, dann kann man davon ausgehen.

Das Gespräch führte Michael Reis