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München - Welt- und Europameister Spanien, Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo und dazu noch Frankreich mit Franck Ribery - doch Joachim Löw bringt selbst die drohende Hammergruppe bei der EURO 2012 nicht aus der Ruhe.

"Ich habe weder Wunschgegner noch Angstgegner. Wir wissen, dass alles möglich ist. Wir nehmen die Auslosung so, wie sie kommt", sagte der Bundestrainer vor der mit Spannung erwarteten Zeremonie am Freitag (ab 18 Uhr im Live-Ticker) im Kunstpalast "Ukraina" von Kiew mit großer Gelassenheit.

"Leichte Spiele wird es nicht geben"

Nach einer glänzenden EM-Qualifikation und den beeindruckenden Siegen gegen die Niederlande (3:0) und Rekordweltmeister Brasilien (3:2) fliegt Löw am Freitagmorgen zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff und Assistent Hansi Flick entsprechend entspannt von Frankfurt/Main in die ukrainische Hauptstadt. Längst gilt sein Team neben Spanien als der Topfavorit auf den Titel bei der Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli).

Dennoch warnte Löw einmal mehr vor zu viel Euphorie: "Die EM-Endrunde wird ein hochkarätig besetztes und attraktives Turnier mit allen Topteams der UEFA-Setzliste: Leichte Spiele wird es deswegen sowohl in der Vorrunde als auch später in den K.o.-Spielen nicht geben."

Konkurrenz mit viel Respekt

Angst haben jedoch längst die anderen Nationen vor einem Duell mit dem jungen deutschen Team - etwa die Franzosen, wie die renommierte Sportzeitung L'Eqiupe zuletzt verdeutlichte. Nationaltrainer Laurent Blanc müsse eine Kerze aufstellen, "um das Schicksal anzuflehen, dass Frankreich bei der EM-Auslosung nicht in dieselbe Gruppe wie Deutschland kommt".

Auch Vicente del Bosque, spanischer Nationalcoach, wünscht sich nicht unbedingt ein vorzeitiges Aufeinandertreffen mit dem DFB-Team. "Deutschland hat seinen ureigenen Charakteristiken wie 'Wettkampfhärte' und 'Turniermannschaft' nun auch die spielerische Qualität beigefügt", lobte er jüngst den Konkurrenten ebenso wie der Niederländer Bert van Marwjick: Die Deutschen könnten "jetzt auch Fußballspielen. Das ist eine sehr starke Mannschaft, sie haben viel mehr Potenzial als wir."

"Wir müssen jeden schlagen"

Neben dem Vize-Weltmeister und Spanien, das gegen Deutschland zuletzt im WM-Halbfinale 2010 (1:0) und im EM-Endspiel 2008 (1:0) die Oberhand behalten hatte, könnten der DFB-Auswahl aus Lostopf 1 noch die beiden Gastgeber Polen und Ukraine zugelost werden. Diese vier Teams bilden auch die Gruppenköpfe. Aus dem 3. Topf drohen neben Portugal noch Kroatien, Griechenland und Schweden. Aus Topf 4 sind Frankreich, Dänemark, Irland und Tschechien mögliche Gegner der DFB-Elf. Lediglich England, Italien und Russland bleiben Löw in der Vorrunde erspart, sie befinden sich neben der deutschen Mannschaft in Lostopf 2.

"Natürlich wünscht man sich eine gute Auslosung. Aber es kann auch ein Vorteil sein, wenn man von Beginn an gleich voll gefordert wird", meinte Bierhoff. Auch bei den Spielern geht nicht gerade die Angst um, wie auch Philipp Lahm unlängst betonte: "Wir wollen Europameister werden. Da müssen wir jeden schlagen."

Die Einteilung der insgesamt vier Lostöpfe richtet sich nach einem UEFA-Koeffizienten - in diesen fließen die Resultate der EM 2008 (Qualifikation und Turnier/20 Prozent), der WM 2010 (Qualifikation und Turnier/40 Prozent) sowie der Qualifikation für die EURO 2012 (40 Prozent) ein.

Neben Löw, Flick und Bierhoff werden Georg Behlau, der Leiter des Büros Nationalmannschaft, Pressesprecher Harald Stenger und dessen DFB-TV-Kollege Uli Voigt sowie Wolfgang Wirthmann, Geschäftsführer des Euro Lloyd DFB-Reisebüros, vor Ort in Kiew sein. Nach der Auslosung wird die deutsche Delegation am offiziellen Abendessen im Kunstpalast Kiew teilnehmen, am Samstagmittag steht dann noch eine UEFA-Besprechung mit den Gruppengegnern der EM-Vorrunde an. Für Nachmittag ist der Rückflug nach Frankfurt geplant.

Die Lostöpfe für die Auslosung der vier EURO-Vorrundengruppen in Kiew im Überblick:

Topf 1: Polen, Ukraine, Spanien, Niederlande

Topf 2: Deutschland, England, Italien, Russland

Topf 3: Portugal, Griechenland, Schweden, Kroatien

Topf 4: Dänemark, Frankreich, Irland, Tschechien