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Seine Bundesliga-Karriere begann 1968 und endete 1988. In 20 Jahren auf höchstem Niveau hat Klaus Fischer 535 Spiele bestritten und 268 Tore geschossen, geköpft oder mit seinem berühmten Fallrückzieher erzielt - die meisten für Schalke 04. Nur Gerd Müller (365) steht in der Ewigen Bundesliga-Torjägerliste vor Fischer.

20 Jahre hat Fischer mit oder gegen die besten Stürmer der anderen Clubs gespielt. Der heute 60-Jährige hat mit bundesliga.de über die verschiedenen Typen und Generationen der Torjäger gesprochen. Im Fall Kuranyi hat Fischer eine klare Meinung.

bundesliga.de: Herr Fischer, wer war in Ihren 20 Bundesliga-Jahren der beste Stürmer?

Klaus Fischer: Das ist schwer zu sagen. Gerd Müller hat natürlich die meisten Tore gemacht. Er war ein Toremacher, das kann man nicht lernen, so was hat man. Er war ein Strafraumstürmer und immer zur Stelle, wenn ein Ball abgeprallt wurde vom Torwart, von Latte oder Pfosten.

Ich war ein anderer Stürmer als Gerd Müller: Ich war ein guter Kopfballspieler, ich war schnell und beidbeinig. Unser System war damals bei Schalke mit zwei Außenstürmern, von denen ich die Flanken brauchte. Bei den Bayern ist auch Franz Beckenbauer nach vorne gekommen und hat Doppelpässe in die Spitze gespielt, das war genial.

bundesliga.de: Hatte es Gerd Müller leichter als andere Stürmer?

Fischer: Der Gerd hat bei Bayern in einer super Mannschaft gespielt und das Spiel war über Jahre auf ihn zugeschnitten. Uwe Seeler war ein anderer toller Stürmer, seine Spielweise war schon eher so wie meine. Oder Karl-Heinz Rummenigge, der wieder ein ganz anderer Stürmertyp war, mit dem ich lange in der Nationalmannschaft zusammengespielt habe. Es gab so viele gute Stürmer, die alle diese Qualität hatten: schnell, kopfballstark, beidbeinig und dribbelstark.

bundesliga.de: Sie haben eben die Qualitäten genannt, die ein kompletter Stürmer haben sollte. Sehen Sie heute so einen deutschen Stürmer?

Fischer: Im Moment sehe ich keinen, bei dem ich sagen würde: Der hat alles, was ein Klasse-Stürmer braucht. Es spielen natürlich auch viel weniger deutsche Spieler als früher. An einem normalen Bundesligaspieltag fangen vielleicht noch 70 bis 80 deutsche Spieler von insgesamt über 190 Spielern an. Zu unserer Zeit waren es 170 deutsche Spieler. Das macht natürlich auch was aus, da war die Auswahl viel größer.

bundesliga.de: Arjen Robben und Franck Ribery sind heute überrangende Offensivspieler in der Bundesliga. Hätten diese Spieler auch zu Ihrer Zeit so herausgeragt?

Fischer: Ja, bei ihrer Klasse gar keine Frage. Aber dann hätte ich nicht Mittelstürmer spielen können. Die flanken ja nicht. Der eine geht von links nach innen, der andere von rechts nach innen. Deshalb ist der Stürmer in der Mitte bei den Bayern manchmal ein armer Hund, denn es kommen keine Flanken.

bundesliga.de: Ist der Mittelstürmer alter Prägung quasi ausgestorben?

Fischer: Den klassischen Mittelstürmer gibt es nicht mehr. Er muss sich bewegen, er muss in die Lücken der Viererkette stoßen und auch über außen kommen. Das musste ich später auch machen und mich umstellen.

bundesliga.de: Wie sehen Sie das Thema Kevin Kuranyi und Nationalmannschaft?

Fischer: Ich habe schon länger gesagt, er müsste eigentlich mitgenommen werden. Kevin hat einen Fehler gemacht, einen großen Fehler. Aber er hat sich entschuldigt. Und Jogi Löw verliert nicht an Ansehen, wenn er sagt: Ich habe zwar nie wieder gesagt, aber Kevin hat sich entschuldigt und er bringt gute Leistungen. Also sollte er ihn mitnehmen.

Das Gespräch führte Stefan Kusche