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Für Joachim Löw ist es inzwischen angeblich "ein unwichtiger Aspekt" - doch um das große Thema Kunstrasen kommt auch der Bundestrainer vor dem Spiel des Jahres der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht herum.

Beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel am Samstag (ab 16:45 Uhr im Live-Ticker) in Moskau gegen Russland tritt die DFB-Auswahl erstmals in ihrer 101-jährigen Länderspiel-Historie auf einem synthetischen Untergrund an.

Entsprechend ist vor dem Gruppen-Finale darauf auch die komplette Vorbereitung ausgerichtet. Der dreimalige Welt- und Europameister wird ab Dienstag in Mainz alle fünf geplanten Trainingseinheiten auf Kunstrasen abhalten. Die DFB-Auswahl traf sich erstmals in Mainz, nachdem Löw dort einen Platz fand, dessen Gegebenheiten "praktisch identisch" mit den Verhältnissen im Moskauer Luschniki-Stadion sind.

"Auf die ungewohnte Situation in kurzer Zeit einstellen"

"Im Grunde genommen entsteht auf Kunstrasen ein komplett anderes Spiel. Die Bälle springen anders. Es erfordert eine Umstellung, besonders dann, wenn der Kunstrasen feucht ist und der Ball dadurch schneller wird. Dann muss man ihn in den Fuß statt in die Räume spielen", erklärte Löw. Auf die "ungewohnte Situation" müssten sich seine Spieler "nun eben in der kurzen Zeit einstellen".

Kunstrasen-Experte Andre Kastigen, verantwortlich für den Platz in Mainz, spricht von "vielen Tücken, wenn man diesen Untergrund nicht gewohnt ist". Auch der Ex-Münchner Alexander Zickler, Profi bei RB Salzburg und mit dem Kunstrasen bestens vertraut, prohezeit dem Vize-Europameister "ein ganz anderes Spiel".

Wettbewerbsvorteil nicht rückgängig zu machen

Der Mainzer Bundesliga-Coach Thomas Tuchel rät Löw, im Training viel Wert "auf die Ballannahme und die Richtungsänderung bei der Ballannahme" zu legen. Insgesamt sei es jedoch schwer, "die Defensive auf dem Platz zu schulen, weil wahnsinnig schnell gepasst werden kann".

Der Kunstrasen soll nach dem Showdown am Samstag trotz der zu erwartenden Probleme aber nicht als Ausrede herhalten müssen. "Das darf kein Alibi sein. Das ist inzwischen ein unwichtiger Aspekt. Wir kennen die Situation, und es gibt keine Möglichkeit, den Wettbewerbsvorteil rückgängig zu machen. Und diese Situation bedeutet ja nicht, dass wir das Spiel nicht gewinnen können", meinte der Bundestrainer.

Kunstrasen darf keine Ausrede sein

Teammanager Oliver Bierhoff verdeutlichte ebenso, "dass wir daraus kein Thema machen und uns ein Alibi verschaffen wollen. Es darf für uns keine Entschuldigung sein, sich dort schwächer zu fühlen als auf Naturrasen".

Auch Ballack stellte bereits unmissverständlich klar: "Der Kunstrasen darf keine Ausrede sein." Torjäger Miroslav Klose pflichtete Ballack bei. "Wir bereiten uns intensiv auf das Spiel vor. Das darf kein Problem sein. Das Spiel ist ein bisschen schneller. Darauf müssen und werden wir uns einstellen", sagte der Münchner.

"Im Oktober kann es hier schon schneien"

Sogar Russlands Coach Guss Hiddink glaubt nicht, dass sein Team durch den Kunstrasen einen großen Vorsprung haben wird. "Die Deutschen trainieren ja in Mainz auch auf Kunstrasen. So groß ist der Heimvorteil gar nicht", sagte der Niederländer. Warum die Russen das Spiel überhaupt auf Kunstrasen austragen, begründete Hiddink mit dem Wetter: "Im Oktober kann es hier schon schneien. Deswegen spielen wir auf Kunstrasen."

Ob nun Schnee der einzige Grund für die Wahl des Kunstrasens ist, werden wir wohl nie erfahren. Sicherlich sind die Russen aber nicht böse darüber, dass sie einen kleinen Vorteil am Samstag genießen. Die Spieler der Nationalmannschaft müssen allerdings Profi genug sein, um auch mit dieser Situation klar zu kommen. Wir dürfen also gespannt sein, auf ein schnelles, passbetontes Spiel ohne Ausreden.