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Frankfurt - Seit 1990 ist Werner Möglich für die Lizenzierung zuständig - zunächst in Diensten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), anschließend als Direktor der DFL Deutsche Fußball Liga.

Mit bundesliga.de spricht er über die Entwicklung des Lizenzierungsverfahrens, Vorteile für Clubs und Bundesliga sowie Unterschiede zu Verfahren in anderen Ländern.

bundesliga.de: Herr Möglich, seit wann gibt es das Lizenzierungsverfahren der Bundesliga?

Werner Möglich: Grundsätzlich schon seit fast 50 Jahren. Als die Bundesliga 1963 gestartet wurde, haben die handelnden Personen schnell gemerkt, dass ausschließlich die sportliche Qualifikation als Voraussetzung für die Teilnahme am Spielbetrieb nicht ausreicht. Ende der 1960er-Jahre haben die Bundesligisten damit begonnen, erste wirtschaftliche Kriterien festzulegen, deren Erfüllung jährlich nachzuweisen war. Relativ schnell kamen weitere Kriterien hinzu, beispielsweise hinsichtlich der Stadien in Sachen Größe und Ausstattung. Aus diesen Anfängen hat sich ein heute sehr umfangreiches Verfahren entwickelt, in dem die Clubs zahlreiche Kriterien erfüllen müssen.

"Das Verfahren wird ständig weiterentwickelt"

bundesliga.de: Sie selbst sind seit über 25 Jahren mit dem Lizenzierungsverfahren vertraut. Ist der heutige Ablauf noch mit dem in Ihrer Anfangszeit vergleichbar?

Möglich: Als ich beim DFB angefangen habe, gab es noch immer nur relativ wenige Kriterien. Mit dem heutigen Verfahren ist das nicht mehr zu vergleichen. Der Prüfungsumfang ist viel intensiver und detaillierter als damals. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Bundesliga in allen Bereichen enorm entwickelt hat. Man kann davon ausgehen, dass in der Lizenzierungsordnung jedes Jahr einige Änderungen und Anpassungen vorgenommen werden. Das Verfahren wird ständig weiterentwickelt. Heute werden die Clubs beim Lizenzierungsverfahren nach sportlichen, finanziellen, rechtlichen, personellen und administrativen, infrastrukturellen sowie medientechnischen Kriterien überprüft.

bundesliga.de: Stehen diese Kriterien alle gleichberechtigt nebeneinander?

Möglich: Alle Kriterien, die in der Lizenzierungsordnung festgelegt sind, müssen erfüllt werden. Wenn ein Kriterium absolut nicht erfüllt wird, gibt es keine Lizenz – unabhängig davon, welches das ist. Bevor es dazu kommt, erhalten die Clubs allerdings in der Regel durch die Erfüllung von Bedingungen  bzw. die Einhaltung von Auflagen die Möglichkeit, eine Lizenz zu erhalten.

bundesliga.de: Sie sprechen Bedingungen und Auflagen an: Wo liegt da der Unterschied?

Möglich: Bedingungen werden zum Beispiel festgelegt, wenn die Überprüfung der Lizenzierungsunterlagen ergibt, dass die Liquidität des Vereins nicht gesichert ist. Dieses wirtschaftliche Kriterium muss zwingend vor der Saison erfüllt werden. Da liegt die Messlatte sehr hoch. Sind dort Lücken vorhanden, werden Bedingungen festgelegt, die der Club bis zu einem Stichtag erfüllen muss. Gelingt das nicht, kann die Lizenz nicht erteilt werden. Darüber hinaus gibt es Kriterien, die möglicherweise zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht in der vorgeschriebenen Form erfüllt sind, an denen die Lizenzerteilung aber nicht unmittelbar scheitert. In einem solchen Fall wird die Lizenz unter Auflagen erteilt, die während der Saison  eingehalten werden müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Verein aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga aufsteigt, sein Stadion aber noch nicht den vereinbarten Anforderungen entspricht.

"Clubs, Fans, Partner, Medien - alle profitieren"

bundesliga.de: Welche Vorteile bringt das Lizenzierungsverfahren den Vereinen?

Möglich: Es sorgt im Sinne aller Clubs und damit der gesamten Bundesliga dafür, den Spielbetrieb zu sichern, die Stabilität zu gewährleisten, die Integrität des Wettbewerbs zu erhöhen und die Qualität und damit auch die Vermarktung zu fördern. Darüber hinaus ist es wichtig zu betonen, dass sich die Clubs dieses Verfahren selbst auferlegt haben. Was von der DFL kontrolliert wird und wie die Überprüfung abläuft, ist von der Mitgliederversammlung durch die Statuten festgelegt worden. Die Clubs sind immer daran interessiert, das Verfahren zu optimieren, um so die eigene Entwicklung voranzutreiben und die Bundesliga insgesamt weiter nach vorne zu bringen.

bundesliga.de: Gibt es in anderen Ländern ein vergleichbares Lizenzierungsverfahren?

Möglich: Es gibt viele Länder und auch andere Sportarten, die unser Vorgehen als Vorbild betrachten und ebenfalls anwenden wollen. Es gibt allerdings auch Länder, die auf nationaler Ebene kein Lizenzierungsverfahren durchführen, darunter die englische Premier League und die spanische Primera Division. Andere Nationen, zum Beispiel Italien, haben zwar ein Lizenzierungsverfahren, aber offensichtlich kein werthaltiges, was aktuell das Beispiel des vor dem Konkurs stehenden AC Parma zeigt. Ein Verdienst des Lizenzierungsverfahrens in Deutschland ist es dagegen, dass noch nie ein Bundesligist innerhalb einer laufenden Saison aus finanziellen Gründen den Spielbetrieb einstellen musste.

bundesliga.de: Würden Sie das Lizenzierungsverfahren als Gütesiegel der Bundesliga bezeichnen?

Möglich: Clubs, Fans, Partner, Medien - alle profitieren vom Lizenzierungsverfahren. Es bringt für die Clubs und die Bundesliga nur Vorteile: Die Clubs sind  wirtschaftlich stabil, die Stadien in einem sehr guten Zustand, jeder Verein betreibt Nachwuchsförderung, die Medienvertreter finden gute Arbeitsbedingungen vor und die Vereine sind personell und verwaltungstechnisch hervorragend aufgestellt. Das alles führt zu diesem hohen Standard, den wir heute haben.

Das Gespräch führte Stefan Schinken