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Köln - Nach dem bitteren Aus im Viertelfinale des DFB-Pokals nach Elfmeterschießen gegen die Bayern herrscht bei Bayer 04 LeverkusenEnttäuschung. Dennoch ist die Werkself in der Bundesliga das Team der Stunde! Fünf Siege ohne Gegentor fuhren die Rheinländer zuletzt ein und stellten damit einen neuen Clubrekord auf (Formtabelle). Der Weg in die Champions League scheint für die Werkself frei zu sein.

Roger Schmidt kann trotz der beiden Elfmeterdramen in DFB-Pokal und Champions League zufrieden sein. Seine Mannschaft scheint sein System, das der Trainer im Sommer eingeführt hatte, endgültig verstanden zu haben und setzt es in der Liga aktuell perfekt um. Vor allem in der Defensive haben sich die Rheinländer dabei zuletzt enorm verbessert - auch, weil Schmidt ein paar entscheidende Korrekturen vorgenommen hat.

Mit Atletico kam die Wende

Zum Start der Rückrunde lief unterm Bayer-Kreuz noch recht wenig zusammen. Schmidts Offensiv-System, für das er zum Saisonstart viel Lob ob der attraktiven Spielweise eingeheimst hatte, hakte. In den ersten fünf Spielen 2015 gab es nur einen Sieg bei je zwei Niederlagen und Remis. Leverkusen fiel auf Platz sechs zurück.

Dann kam Atletico Madrid und damit die Wende. Denn gegen den spanischen Meister überzeugte die Werkself im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim 1:0 auf ganzer Linie. Die Mannschaft scheint sich seitdem gefunden zu haben, vor allem defensiv. Inklusive der beiden CL-Begegnungen gegen Atletico und zweimal DFB-Pokal hat Bayer in den vergangenen neun Pflichtspielen nur ein Gegentor kassiert (ohne Elfmeterschießen).

Clubrekord aufgestellt

In der Bundesliga spielte Bayer 04 zuletzt sogar fünf Spiele in Folge zu null, kam auf ein Torverhältnis von 13:0. Fünf Zu-Null-Siege in Serie sind Clubrekord. Nun liegt eine weitere  Bestmarke in der Luft: Bayer blieb in der Bundesliga noch nie sechs Mal in Folge ohne Gegentreffer. Keeper Bernd Leno kann also gegen den 1. FSV Mainz 05 am Samstag (ab 15 Uhr im Liveticker) Clubgeschichte schreiben. Dank des starken Laufs hat Bayer nun schon acht Punkte Vorsprung auf den Fünften FC Schalke 04.

Die Wende hat Schmidt auch erreicht, indem er seine Mannschaft kompakter verteidigen ließ. Beim 1:0 gegen den Sport-Club Freiburg etwa standen durchschnittlich 8,3 Spieler hinter dem Ball, so viele wie in keinem anderen Spiel. Selbst beim deutlichen 4:0 gegen den Hamburger SV waren es 8,0 Spieler, die sich zumeist hinter dem Ball aufhielten.

Defensive steht deutlich kompakter

Zudem rückten die Mannschaftsteile enger zusammen. Zwar verteidigt Bayer nach wie vor relativ hoch (über die Saison gesehen war der Abstand zwischen Torauslinie und Viererkette im Schnitt nur bei Bayern und Dortmund höher), allerdings wurden die Entfernungen zwischen Viererkette und Mittelfeldreihe zuletzt deutlich geringer. Beim 2:2-Unentschieden gegen Augsburg am 22. Spieltag etwa lag dieser Abstand noch bei 17,8 Metern, in den jüngsten fünf so erfolgreichen Partien dann im Schnitt nur noch bei 15,6 Metern.

Während Bayer früher wegen seiner Offensivspielweise häufig ins offene Messer lief, ließ die Schmidt-Mannschaft in diesen fünf Begegnungen nur einen einzigen Kontertorschuss zu!

Leno gibt der Abwehr wieder Sicherheit

Und letztlich hat auch Keeper Bernd Leno seinen Anteil am Bayer-Aufschwung. Über lange Strecken dieser Saison war Leno ein Unsicherheitsfaktor für sein Team. Er verschuldete zwei der vier Strafstöße gegen Bayer und patzte vor Gegentreffern drei Mal schwer. Der junge Keeper hatte mit sich selbst zu kämpfen und war kein großer Rückhalt für seine Mannschaft.

Das hat sich zuletzt kolossal geändert. In den jüngsten fünf Bundesliga-Partien bekam Leno 15 Torschüsse auf das Tor, alle parierte er sicher. Im Europapokal zeigte er zudem überragende Leistungen. Leno gibt seiner Abwehr mit seiner aktuell großen Präsenz enorme Sicherheit - und seine Vorderleute danken es ihm mit deutlich besserer Defensiv-Stabilität. In den vergangenen fünf Spielen ließ Bayer nur eine Großchancen zu und diese wurde auf Schalke dann von Keeper Leno vereitelt.

Wenn die Bayer-Elf in der Bundesliga so weiter marschiert, ist auch Platzt 3 und damit die direkte Qualifikation zur Champions League noch drin.

Tobias Schild und Tobias Anding