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Da stand Patrick Owomoyela nach dem Sieg über Bochum und schüttelte schmunzelnd den Kopf: "Eigentlich bin ich mit 29 Jahren ja noch gar nicht alt. Aber in dieser Mannschaft komme ich mir fast schon vor wie ein Opa."

Schon am Freitag beim Spiel in Leverkusen könnte den Verteidiger von Borussia Dortmund dieses Gefühl erneut beschleichen. Denn tatsächlich treibt Owomoyela, auf der Homepage des Vereins prompt in "Opa-Moyela" umgetauft, den Altersschnitt bei der Borussia derzeit gewaltig in die Höhe.

Jugend ist Trumpf

Die Dortmunder haben nach holprigem Saisonstart mit einem blutjungen Team zurück in die Erfolgsspur gefunden. Beim Abpfiff des Revierderbys gegen Bochum stand eine Mannschaft mit einem Altersschnitt von 23 Jahren auf dem Platz - frei nach dem Motto: Was der Reviernachbar kann, das können wir schon lange.

Denn wie in Gelsenkirchen bilden auch beim BVB Youngster von 20 und 21 Jahren den Kern der Mannschaft. Das allerdings nicht erst seit Saisonbeginn. Schon im Vorjahr setzte Jürgen Klopp auf die Karte der Jugend, als er Neven Subotic und Mats Hummels, aktuell beide 20 Jahre alt, mit Erfolg als jüngstes Innenverteidiger-Duo der Liga installierte.

Zorc: "Mehr geht nicht"

Jetzt geht der Coach diesen Weg konsequent weiter. "Wir hatten gegen Bochum zwar eine Mannschaft mit wenig Erfahrung, aber das Spiel war leidenschaftlich und intensiv", sagte Klopp. Und Leidenschaft statt Erfahrung wird die Devise auch am Freitag heißen, wenn die Borussia beim Tabellenführer antreten muss.

Denn das "Jugend forscht"-Projekt ist nicht nur einem mutigen Weg geschuldet. Die langfristigen Ausfälle von Kehl und Hajnal zwingen Klopp zu Alternativen; gegen Bochum hatte zuletzt auch Tinga passen müssen.

Und so übernehmen auch vor der Abwehr zunehmend die Youngster das Kommando. Nuri Sahin (21) und Sven Bender (20) spielten von Beginn an. Später vervollständigten Damien Le Tallec (19), Kevin Großkreutz (21) und Marcel Schmelzer (21) das Mittelfeld zur Jugendzone. "Mehr geht nicht", lobte Sportdirektor Michael Zorc nicht ohne Stolz.

Größere defensive Stabilität

Außer Owomoyela standen mit Roman Weidenfeller (29) und Dede (31) am Ende überhaupt nur drei Spieler auf dem Rasen, die neben einem gewissen Alter auch über Bundesliga-Erfahrung jenseits von 100 Pflichtspielen verfügen.

Indem Klopp das Duo Sahin/Bender im defensiven Mittelfeld installierte, nahm er zugleich einen Systemwechsel vor - mit Erfolg. Mit den jungen Profis als "Doppel-Sechs" - Bender gewann dabei stolze 83 Prozent seiner Zweikämpfe - scheint der BVB zu defensiver Stabilität zurückzufinden. Gab es in den ersten Spielen teilweise eine Flut an Gegentoren, steht jetzt seit zwei Partien wieder die Null.

Ganz nebenbei nehmen die Abwehrspieler wieder Witterung in Richtung des gegnerischen Tores auf. Subotic, im Vorjahr sechs Mal erfolgreich und damit Top-Scorer unter den Abwehrrecken, erzielte gegen Bochum nach einer Standardsituation per Kopf sein erstes Saisontor.

Extralob für Zidan

Aber nicht nur aus diesem Grund zeigt die Dortmunder Formkurve auch offensiv wieder nach oben. Spielfreude und Laufbereitschaft waren gegen Bochum unverkennbar, zudem gelang dem BVB zum ersten Mal in dieser Saison in einer Partie mehr als nur ein Treffer. "Der Spielwitz ist zurück", lobt Klopp sein Team.

Vor allem Mohamed Zidan und Lucas Barrios scheinen dem Spiel der Borussia zunehmend ihren Stempel aufdrücken zu können. Während der Argentinier im zweiten Ligaspiel in Folge ins gegnerische Tor traf, verdiente sich Zidan - nicht nur aufgrund von vier Torschüssen und vier Vorlagen gegen den VfL auffälligster Spieler - ein Extralob seines Trainers: "Er ist unglaublich passsicher und für unser Spiel sehr wertvoll!"

Schwere Prüfung beim Tabellenfürher

Ob defensive Stabilität und offensive Effektivität des "schwarz-gelben" Jungunternehmens auch gegen die Spitzenteams der Liga Bestand haben, wird der BVB in den nächsten Wochen erfahren - erstmals am Freitag beim Tabellenführer.

Vielleicht hilft ja auch die Erinnerung: In der vergangenen Saison gewann Borussia ein packendes Spiel in der BayArena mit 3:2. Und auch diesmal verspricht Subotic, damals selbst Torschütze, den Gastgebern im Interview mit bundesliga.de einen ungemütlichen Abend: "Wenn wir in Sachen Zweikampfverhalten 100 Prozent geben, ist es auch für Bayer sehr schwer, gegen uns zu spielen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte