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Lebende Legende in Liverpool, größter finnischer Fußballer neben Jari Litmanen und absoluter Volltreffer bei Bayer Leverkusen: Sami Hyypiä ist einer der besten europäischen Abwehrspieler der letzten beiden Jahrzehnte.

Der 36-jährige Finne könnte zwar der Vater von potenziellen Gegenspielern im Länderspiel am Mittwoch (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) wie Marko Marin oder Mesut Özil (beide 20) sein, doch ein Ende seiner großen Karriere ist noch nicht absehbar.

Völler und Heynckes schwärmen

Beim FC Liverpool, wo der eisenharte Innenverteidiger auf der Homepage als "lebende Legende" gepriesen wird, gehörte Hyypiä nach zehn Jahren als Stammspieler im Vorjahr zwar nur noch selten zur ersten Elf, dafür hat er in Leverkusen gleich Spuren hinterlassen. Der Finne überzeugt als Anführer auf und neben dem Platz und ist als stabilisierendes Element in der Defensive einer der Hauptgründe für die Tabellenführung der Rheinländer.

"Er ist nicht nur der Fels in der Brandung, sondern auch fußballerisch richtig stark", meint Sportdirektor Rudi Völler. Und auch Trainer Jupp Heynckes, der in seiner Karriere schon unzählige Stars trainiert hat, schwärmt: "Er ist ein absoluter Profi, charakterlich einwandfrei, gewissenhaft."

Dies bewies Hyypiä seinem neuen Coach gleich zum Auftakt, als er einen Tag vor Ende seines Urlaubs schon auf dem Trainingsplatz erschien. Dass er dabei mit einem durchaus protzigen Ferrari 599 GTB Fiorano vorfuhr, verzeiht man einem wie ihm, dem sonst Allüren fremd sind, gerne.

Lange Liste der Erfolge

In Hamburg wird Hyypiä am Mittwoch sein 103. Länderspiel bestreiten. Als er am 7. November 1992 sein Debüt gab, war Marin beispielsweise gerade einmal drei Jahre alt. Als größter Fußballer des Landes gilt zwar der ehemalige Rostocker Jari Litmanen (38), Hyypiäs Erfolgsliste ist aber kaum kürzer.

Sieben Mal und damit zwei Mal seltener als Litmanen wurde er zu Finnlands Fußballer des Jahres gewählt. Beide waren sie einmal Sportler des Jahres in der Heimat. Beide gewannen je einmal die Champions League, dafür hat Hyypiä dem Offensivstar einen Gewinn des UEFA-Cups voraus.

Als ihn der Slowake Martin Skrtel in Liverpool verdrängte und sich Hyypiä zu jung fühlte fürs Altenteil, suchte er noch einmal eine neue Herausforderung. Die Wahl fiel nach eigenen Angaben auf Bayer, weil ihn die Stimmung in der BayArena im Jahr 2002 begeisterte. Damals besiegte eine Bayer-Elf um Michael Ballack, Ze Roberto und Ulf Kirsten "Pool" auf dem Weg ins Champions-League-Finale in einem begeisternden Spiel mit 4:2.

Freundschaft zu Campino

Und im Rheinland wohnt ein guter Freund, doch bei diesem sorgt er für wahre Gewissensbisse. "Ich muss nun Sympathien für Bayer Leverkusen aufbringen", sagt Campino, der Sänger der Rockband Die Toten Hosen: "Das ist normalerweise eigentlich nicht wirklich möglich als Düsseldorfer, aber da geht bei mir dann die Freundschaft vor."

Auf der Hochzeit Hyypiäs sang der 12 Jahre ältere Leadmann der Düsseldorfer Kultband den Liverpool-Klassiker "You'll never walk alone". Und auch als Leverkusener bleibt der Finne ein Freund des eingesfleischten Fortunen-Anhängers. "Ich halte zu Sami, egal für welchen Verein der spielen wird. Ich kann dem unmöglich wünschen, dass er Niederlagen kassiert", meint Campino.

Ein entsprechender Zwiespalt bleibt dem Punkrocker auch am Mittwoch erspart. Deutschland ist bereits qualifiziert, Finnland kann es nicht mehr schaffen. Der Traum einer WM-Teilnahme blieb für Hyypiä und den drei Jahre älteren Litmanen unerfüllt. Und so mancher Finne glaubt: Wenn es mit den beiden nicht geklappt hat, dann wird es wohl nie mehr was.