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Seit Montag ist Ricardo Moniz für die Profis des Hamburger SV als Interimstrainer verantwortlich. "Es ist ein dramatischer Tag", hatte der bisherige Techniktrainer nach seiner vorübergehenden Beförderung und der Beurlaubung seines bisherigen Chefs Bruno Labbadia erklärt.

"Ich bin emotional sehr verbunden mit Bruno Labbadia und Eddy Sözer", gab Moniz zu bedenken, blickte aber direkt voraus: "Als Profi muss man das trennen."

Mindestens ein Tor muss her

Denn für ihn und den HSV geht es nun darum, trotz der enttäuschend verlaufenen Rückrunde die Saison doch noch zu retten. Der wichtigste Schritt auf diesem Weg ist ein Erfolg im Halbfinalrückspiel der Europa League beim FC Fulham (Do., ab 20:50 Uhr im Live-Ticker), dass machte schon Vorstandsboss Bernd Hoffmann bei der Begründung für Labbadias Demission klar.

"Es war der letzte Zeitpunkt, zu reagieren und das Ziel Europa League nicht zu gefährden", sagt er und erklärte, die Führungsebene sei nach der Analyse des 1:5 in Hoffenheim am Sonntag der Meinung gewesen, "dass wir in der jetzigen Konstellation nicht erwarten konnten, das Spiel beim FC Fulham erfolgreich zu bestehen."

In London müssen die Hamburger nach dem 0:0 im Hinspiel mindestens ein 1:1 oder ein höheres Unentschieden einfahren, um das Finale der Europa League am 12. Mai in der heimischen HSH Nordbank Arena zu erreichen.

"Ich weiß wie Fulham agiert"

Um diese Vorgabe zu erfüllen, stürzte sich Moniz mit der Mannschaft am Dienstag kopfüber in die Arbeit. "Es ist eine historische Chance. Das muss jedem einzelnen bewusst sein. Wir müssen laufen, als wenn es unser letztes Spiel ist", forderte der Coach und ließ seine Spieler im Training gleich einmal elf gegen elf die Partie gegen Fulham simulieren.

Zwei Jahre arbeitete Moniz als Assistent des ehemaligen HSV-Trainers Martin Jol bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League, kennt die "Cottagers" deshalb noch gut. "Ich weiß wie Fulham agiert und werde es euch genau zeigen", verkündete Moniz.

Ze Roberto, van Nistelrooy und Demel dabei

24 Spieler (vier Mann der zweiten Mannnschaft der "Rothosen" halfen aus) jagte der 45-Jährige über den Rasen. Zu den Trainingsteilnehmern gehörten auch die zuletzt angeschlagenen Ze Roberto (Wadenzerrung), Ruud van Nistelrooy (Probleme am Hüftbeuger) und Guy Demel (Knieverletzung). Das Trio absolvierte das volle Trainingspensum.

Dem HSV fehlt somit beim FC Fulham neben den Langzeitverletzten nur der gelbgesperrte Piotr Trochowski. Der Nationalspieler will, ebenso wie Bastian Reinhardt, trotzdem mit dem Team nach England reisen, um die Kollegen anzufeuern. Bei denen steigt die Spannung ohnehin minütlich an. "Wir werden alles geben, die Chancen stehen 50:50", versichert Dennis Aogo.

Damit spricht er seinem Vorstandschef nach den turbulenten vergangenen Tagen aus der Seele. Bernd Hoffmann will sich nämlich einfach nur noch auf den Sport konzentrieren: "Wir haben immer noch die Möglichkeit, Europapokalsieger zu werden. Darauf sollten wir jetzt den Fokus legen."

Matthias Becker

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