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Paderborn - Der SC Paderborn hat seine Torlos-Serie in der Bundesliga nach 598 Minuten beendet. Mit dem 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg sicherten sich die Ostwestfalen wichtige Punkte im Abstiegskampf und mit 27 Punkten ist das rettende Ufer wieder in Sichtweite.

Mit den Steinen, die beim SC Paderborn durch das 2:1 (0:0) gegen den FC Augsburg vom Herzen gefallen sind, ließe sich wahrscheinlich die gesamte Bundesstraße bis nach Bielefeld neu pflastern. Endlich der erste Heimsieg seit dem 3:1 gegen Hertha BSC Berlin am 2. November. Endlich das erste selbst erzielte Heimtor seit dem Treffer von Elias Kachunga zum 1:1 gegen den SC Freiburg am 6. Dezember. Endlich überhaupt wieder ein Tor nach 569 Spielminuten, als Alban Meha am 15. Februar für den 2:1-Erfolg bei Hannover 96 gesorgt hatte. Dies war der einzige Sieg in den vergangenen 17 Spielen, doch nun hat sich der selbternannt krasseste Außenseiter der Bundesliga-Geschichte im Abstiegskampf zurückgemeldet. "Das war der Befreiungsschlag, auf den wir so lange gewartet haben", sagte Innenverteidiger Christian Strohdiek.

Vrancic mit starker Vorstellung

Gegen die Fuggerstädter trafen mit Elias Kachunga (1:0/48.) und Srdjan Lakic (2:1/60.) zwei Stürmer. Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung", ließ Trainer André Breitenreiter im für den SC Paderborn eher ungewöhnlichen 4-2-2-2-System mit zwei Angreifern agieren. "Am Anfang hatten wir noch Pech. Aber wir waren uns sicher, dass wir treffen, wenn wir weiter so zielstrebig spielen würden", sagte Lakic zu der scheinbar fast schon symptomatischen Szene in der 32. Minute, als durch seinen Rücken der Ball nach einem Schuss von Bakalorz an die Latte abgelenkt wurde. Später traf der 31-jährige Kroate aus Dubrovnik zum entscheidenden 2:1. Ein Brustlöser, ein Lebenszeichen und vor allem drei Punkte. Punkte, die den Aufsteiger auf den Relegationsplatz katapultierten und die Druck auf die Konkurrenz ausüben. "Wir haben allen gezeigt, dass wir noch da sind", sagte Trainer André Breitenreiter.

Dabei überzeugten die Ostwestfalen durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit, ihren Einsatz und ihre Leidenschaft. Alles Tugenden, die im Kampf um den Klassenerhalt von elementarer Bedeutung sind und mit denen sie aktuell besonders dem Hamburger SV weit voraus sind. Dennoch stach gegen den FC Augsburg ein Akteur aus dem Kollektiv noch heraus, denn Mario Vrancic bot eine ganz starke Vorstellung. Der 25-Jährige stopfte auf der "Sechser"-Position Löcher und eroberte zudem viele Bälle. Überragend seine Übersicht, als er nach einem gewonnenen Zweikampf den rechts mitgelaufenen Außenverteidiger Michael Heinloth bediente, dessen Flanke Kachunga zur Führung einköpfte. "Mario war für unser Umschaltspiel heute von enormem Wert", lobte ihn Trainer Breitenreiter.

Eine Mannschaftsleistung

Vrancic selber blickte da lieber auf die Gesamtkonstellation. "Wir sind alle riesig erleichtert. Augsburg hat zu Beginn großen Druck ausgeübt und wir haben Fehler gemacht. Die aber haben wir in der Pause angesprochen und wenn wir als Mannschaft weiter so zusammenarbeiten, dann kann uns der Klassenerhalt gelingen." Der lässt sich mit den Worten von Uwe Hünemeier besonders im eigenen Stadion erreichen. "Zu Hause haben wir eigentlich fast immer bewiesen, dass wir konkurrenzfähig sind. Die Heimspiele müssen unser Faustpfand werden, hier darf sich keiner leicht tun", sagte der Kapitän.

Bremen, Wolfsburg und vielleicht zu einem echten Showdown am letzten Spieltag der VfB Stuttgart kommen noch nach Paderborn. Der SCP aber muss nun zunächst zu Borussia Dortmund. Zum Nachbarn werden den Neuling rund 8000 Fans begleiten, die sich dennoch 72 000 gegnerischen Anhängern gegenübersehen. Für Lakic kein Problem. "Wir sind Profis, da darf uns die Stimmung nicht verunsichern. Im Gegenteil - dort können wir beweisen, dass wir in die Bundesliga gehören." Mit einem Sieg wären die Blau-Schwarzen bis auf drei Punkte am BVB dran und könnten das neu kreierte Vereins-Motto weiter mit Leben füllen: "Lass mal erstklassig bleiben".

Von Thomas Schulz