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Freudestrahlend und mit breiter Brust kam Rene Adler aus dem Besprechungszimmer des Düsseldorfer Hilton-Hotels und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt.

Soeben hatte Bundestrainer Joachim Löw dem 23-Jährigen mitgeteilt, dass er am Samstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland erstmals im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stehen wird.

"Ich fiebere dem Spiel in Dortmund entgegen. Das ist der bisherige Höhepunkt meiner jungen Karriere", sagte der Überflieger von Bayer Leverkusen, nachdem er den Vorzug vor Tim Wiese erhalten hatte. Der Bremer hatte sich nach der schweren Hand-Verletzung von Robert Enke ebenfalls Hoffnungen auf seinen ersten Einsatz im DFB-Trikot gemacht.

Ironie des Schicksals

Dass Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Freitagmittag aber Adler der Öffentlichkeit präsentierte, war keine große Überraschung, schließlich war der gebürtige Leipziger bereits nach der EURO als legitimer Nachfolger von Jens Lehmann gehandelt worden.

Eine Schulterverletzung hatte aber verhindert, dass Adler bereits in den ersten drei Länderspielen dieser Saison zum Einsatz kam. Dass er nun ausgerechnet von der Verletzung seines guten Kumpels Enke profitierte, ist Ironie des Schicksals.

Wie damals…

"Nervosität nein, Anspannung ja", beschrieb der gebürtige Leipziger seinen Gemütszustand vor dem Kräftemessen mit den Russen und verglich die Situation mit der vor seinem ersten Bundesligaspiel für Bayer Leverkusen im Februar 2007, als er von einer Rot-Sperre der etatmäßigen Nummer eins Jörg Butt profitierte.

"Damals war es ähnlich, da habe ich auch einen Tag vor dem Spiel erfahren, dass ich spiele. Ich war auch angespannt, aber dann überwog immer mehr die Vorfreude und ich habe nur noch versucht, das Spiel auf Schalke zu genießen." Damals siegte Bayer nicht zuletzt wegen vieler großartiger Paraden des Bundesliga-Neulings 1: 0.

Nachfolger steht noch nicht fest

Köpke ist davon überzeugt, dass Adler auch in seinem ersten Match für Deutschland seine Qualitäten bestätigt. "Rene wird ein Super-Spiel machen, dann erledigen sich weitere Fragen", meinte der Europameister von 1996, der maßgeblich an der Entscheidung pro Adler beteiligt war.

"Er hat nach seiner Verletzung direkt wieder da angeknüpft, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat. Zudem hat er keine Schmerzen mehr", erklärte Köpke, der den Kampf um die Lehmann-Nachfolge durch die jüngste Personalie aber noch nicht als beendet erklärte: "Wenn wir uns im Trainerstab entschieden haben, werden wir das mitteilen."

Zunächst einmal ist aber Adler, der der bei der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz noch hinter Lehmann und Enke die Nummer drei war, im Vorteil.

Vertrauen von Ballack

"Die EM war für meine Entwicklung unheimlich wichtig, ich konnte von Jens und Robbie unheimlich viel lernen. Ich war mir auch nicht zu schade, außerhalb des Rasens Fragen zu stellen. Zudem steht das Training bei der Nationalmannschaft auf einer anderen Stufe als im Verein", berichtete Adler über die EM-Tage, in denen er sich auch schon Respekt bei seinen Mitspielern verschaffte.

"Rene hat trotz seiner jungen Jahre eine tolle Ausstrahlung. Wir haben hundertprozentiges Vertrauen zu ihm", sagte Kapitän Michael Ballack über den Blondschopf, der vom früheren Bundesliga-Torwart Rüdiger Vollborn entdeckt wurde.

"Rüdiger war schon damals Trainer und Freund in einem. Zu ihm habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Er war für meine Karriere schon eine treibende Kraft", erklärte Adler, der von seinem 15. Lebensjahr an bis 2004 sogar bei der Familie seines Entdeckers lebte, der ihn heute noch unter dem Bayer-Kreuz trainiert.