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München - Philipp Lahm ist rund zwei Monate nach seinem Karriereende bei Meister FC Bayern München erstmals zu Deutschlands Fußballer des Jahres 2017 gewählt worden. Der 33 Jahre alte Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 2014 erhielt bei der vom Fachmagazin kicker organisierten Wahl durch Deutschlands Sportjournalisten die meisten Stimmen und trat durch seinen ersten Erfolg in dieser Abstimmung die Nachfolge seines Münchner Weltmeister-Kollegen Jerome Boateng an.

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Philipp Lahm kam bei den Männern auf 242 Stimmen. Münchens langjähriger Kapitän verwies damit Nationalspieler Toni Kroos vom spanischen Champions-League-Sieger und Meister Real Madrid (192 Stimmen) auf den zweiten Platz. Rang drei ging an Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang (120) von DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund.

Lahms Erfolg ist der zweite Erfolg eines Abwehrspielers nacheinander. Der kicker wertete die Wahl des 113-maligen Nationalspielers jedoch als "auch ein Stück" Würdigung der erfolgreichen Laufbahn des gebürtigen Münchners.

Kopf der Saison: Philipp Lahm

Zum achten Mal stemmte er die Meisterschale in die Höhe - und es war das letzte Mal: Philipp Lahm beendete nach 652 Pflichtspielen in 15 Jahren als Profi beim FC Bayern München und dem VfB Stuttgart seine beeindruckende Laufbahn und verlässt die Bundesliga. Für seinen letzten schweren Gang als Fußball-Profi holte sich Philipp Lahm die Unterstützung von Söhnchen Julian. Mit dem Vierjährigen stapfte der scheidende Bayern-Kapitän durch rot-weißes Konfetti ein letztes Mal zur Südkurve, wo er sich von den treuesten Fans verabschiedete. Dann noch ein Foto mit Meisterschale, Julian und Ehefrau Claudia - und weg war er.

"Es ist sehr, sehr emotional, alles das letzte Mal. Mit den Jungs in der Kabine, in der Kurve ... Ich bin so dankbar für das, was ich erleben durfte", sagte Lahm wenig später, als er mit den Kollegen ein letztes Mal auf dem Weg zur Münchner Meister-Sause vor rund 15.000 Fans auf dem Marienplatz war.

Video: Best of Philipp Lahm

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Es sind die letzten Momente einer großen Karriere gewesen, die vor 28 Jahren ihren Ursprung hat. Genauer gesagt im Jahr 1989, als Mama und Papa Lahm ihren Philipp bei der kleinen FT Gern in München anmeldeten. 1995 wechselte der damals Elfjährige zum FC Bayern und legte dort über den Umweg VfB Stuttgart eine Weltkarriere hin. Bis auf den EM-Titel gewann der heute 33-Jährige alles.

Der Höhepunkt waren der WM-Titel 2014 und das Triple mit den Bayern 2013 - beides als Kapitän. Mehr geht kaum. "Es war mein Leben, hier auf dem Platz zu stehen. Heute war es das letzte Mal in der Gemeinschaft. Ich habe Fußball immer als große Gemeinschaft gesehen. Dass man Ziele verfolgt mit den Fans und mit allen Mitarbeitern. Das werde ich später am meisten vermissen“, sagte Lahm durchaus wehmütig.

Video: Wer ersetzt Lahm in Zukunft?

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Wen man auch fragt: Es sind wahre Elogen auf den kleinen Lahm, der im deutschen Fußball längst ein ganz Großer ist. Er ist eine Legende wie "Kaiser" Franz Beckenbauer, 54er-Held Fritz Walter und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, die allesamt wie Lahm die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum WM-Triumph geführt haben. 

Ihm würde "nichts einfallen", sagt Karl-Heinz Rummenigge, was Lahm "nicht richtig gemacht hätte - auf dem Platz, neben dem Platz". Er gehöre "zu den besten Fußballern überhaupt", sagt Bundestrainer Joachim Löw über den Defensivspieler, der sowohl als Außenverteidiger wie auch im Mittelfeld weltklasse war.

Video: Lahm hat alles richtig gemacht

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Pep Guardiola stellte ihn einst gar über Lionel Messi. Lahm sei der "intelligenteste Fußballer, den ich je in meiner Karriere trainiert habe. Er ist eine absolute Legende." Ein "herausragender Repräsentant für Deutschland" (DFB-Präsident Reinhard Grindel), "einer der außergewöhnlichsten Spieler des deutschen Fußballs", wie Jupp Heynckes seinen Kapitän würdigt, mit dem er 2013 das Triple gewonnen hatte.

Ein, so sein Förderer Hermann Gerland, "perfekter Spieler" eben. Einer, der aber auch außerhalb des Platzes perfekt funktionierte. Wegen seiner Größe und seiner diplomatischen Art wurde Lahm zwar oft unterschätzt, er agierte mitunter jedoch knallhart, wenn er Missstände erkannte oder eigene Interessen verfolgte.

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Doch was kommt nun? Das Amt des Sportdirektors bei den Münchnern nach seinem Karriereende hatte er frühzeitig abgelehnt. Und so ist Lahms künftiger Werdegang offen. "Erst einmal Urlaub, dann ist alles möglich", sagte er. Verstärkt will sich der 33-Jährige um seine Stiftung kümmern und um die Unternehmen, an denen er beteiligt ist - und natürlich um seine Familie. Lahm wird bald zum zweiten Mal Vater.

Karl-Heinz Rummenigge orakelte mit einem Schmunzeln, wie es dem Fußball-Rentner ergehen könnte. "Die ersten drei Monate sind super, nach sechs Monaten wird's langweilig und nach acht Monaten überlegt man sich, was man tun kann. So wird es bei ihm auch kommen." Und sollte er doch zu den Bayern zurückkommen wollen, werde die Tür für ihn "immer offen" sein, ergänzte Uli Hoeneß.