ANZEIGE

München - Vom zu Saisonbeginn noch alles überstrahlenden Traum, dem Finale in der heimischen Allianz Arena, sprechen sie derzeit nicht beim FC Bayern. Zu dünn ist der Faden, an dem dieses Ziel hängt. Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Basel (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) müssen die Münchner erst einmal einen 0:1-Rückstand aufholen, damit der Traum überhaupt am Leben bleibt.

Die Bedeutung der Partie hingegen ist allgegenwärtig. "Das ist ein sehr wichtiges Spiel für den Lauf der Saison. Wenn wir ausscheiden, dann ist es schwierig, diese Saison noch gut zu machen", warnte Präsident Uli Hoeneß, sagte aber auch: "Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen."

Trainer und Mannschaft sind sich der Lage ebenfalls bewusst, ihre Aussagen sind geprägt von einer Mischung aus Vorsicht und Selbstbewusstsein. "Die Atmosphäre innerhalb des Teams ist sehr gut und positiv. Die Jungs wissen, was auf dem Spiel steht. Natürlich haben wir Druck", sagte Chefcoach Jupp Heynckes, der sich aber optimistisch zeigte: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was das Spiel angeht. Wir müssen angreifen, aber auch eine gute Balance wahren, was bedeutet, dass wir auch aufpassen und in der Abwehr konzentriert zu Werke gehen müssen."

"Wir wissen, dass wir gewinnen müssen - aber nicht mit Hauruck-Fußball", erklärte Mittelfeldspieler Toni Kroos die Strategie: "Wir werden aus einer kontrollierten Defensive heraus spielen. Wir können nicht von Anfang an nur nach vorne laufen, um dann womöglich Gegentore zu bekommen."

Denn die Schweizer wollen im "Jahrhundertspiel" (Marco Streller) mutig ihre Chance suchen. "Wir dürfen uns nicht verstecken. Wir haben in unseren Reihen genug lucky puncher, die ein Tor erzielen können", sagte Trainer Heiko Vogel, der als Jugendcoach an der Säbener Straße einige der aktuellen Bayern-Stars ausbildete.

bundesliga.de präsentiert vor dem Kracher FCB gegen FCB die wichtigsten Fakten im Überblick:

Personal:



Für die nötige Stabilität im Spiel der Bayern soll idealerweise wieder Bastian Schweinsteiger sorgen. "Natürlich bin ich heiß und will spielen", sagte der Mittelfeldspieler, der nach überstandenem Außenbandriss am vergangenen Samstag sein Comeback gegeben hatte. Heynckes ist heilfroh, dass er in dieser enorm wichtigen Partie auf seinen Denker und Lenker im defensiven Mittelfeld zurückgreifen kann: "Es ist ganz wichtig, dass er wieder im Mannschaftskreis ist. Er kann auf und außerhalb des Spielfelds Impulse geben."

Mario Gomez, der bereits sechs Treffer im laufenden Wettbewerb erzielte, verpasste wegen einer Fleischwunde das Abschlusstraining, hofft aber auch einen Einsatz. Fraglich ist, ob Rafinha nach seiner Grippe wieder im Kader steht. Wahrscheinlich wird Heynckes Schweinsteiger für Luiz Gustavo bringen und ansonsten der beim 7:1 über 1899 Hoffenheim so furios aufspielenden Truppe sein Vertrauen schenken. Vor Manuel Neuer würden dann Philipp Lahm auf rechts, Jerome Boateng und Holger Badstuber in der Zentrale sowie David Alaba hinten links agieren. Kroos gäbe den zweiten "Sechser". Und in der Offfensive sollen Franck Ribery, Thomas Müller, Arjen Robben und Gomez wirbeln.

Die Gäste aus Basel sind ohne Personalprobleme angereist. Trainer Vogel, der erst seit dem Weggang von Thorsten Fink zum Hamburger SV im Oktober 2011 als Chef verantwortlich ist, kann aus dem Vollen schöpfen. Im Fokus werden natürlich die früheren Bundesligaspieler Streller, Frei, Benjamin Huggel und Markus Steinhöfer stehen. Noch ein bisschen mehr Interesse wird aber wohl Xherdan Shaqiri auf sich ziehen, der bekanntlich im Sommer von Basel nach München wechselt.

Form:



Beim tankten die Münchner viel Selbstbewusstsein. Heynckes lobte den Auftritt als "sehr homogene Leistung". Seine Mannschaft sei jetzt wieder hungrig und geschlossen, auch im Leistungsgedanken. Weil Spitzenreiter Dortmund nur zu einem 0:0 in Augsburg kam, verkürzten die Bayern den Rückstand auf fünf Punkte und wittern wieder Morgenluft in Sachen Meisterschaft.

Basel hingegen steht in der Schweizer Super League mit zwölf Zählern Vorsprung auf Platz 1. Zuletzt feierte der FCB einen 2:0-Erfolg bei den Grashoppers Zürich und ist damit seit 17 Partien ungeschlagen. Von den vergangenen 27 Begegnungen hat Basel sogar nur ein einziges verloren - vor fast fünf Monaten beim 0:2 gegen Lissabon in der "Königsklasse".

Statistik:



Die Bayern stehen zum vierten Mal in Folge im Achtelfinale, während Basel erst zum zweiten Mal überhaupt in dieser Runde der Champions League vertreten ist.

Bayern hat von den vergangenen zwölf Heimspielen in der "Königsklasse" elf gewonnen - alleine in der laufenden Saison gab es vier Siege, unter anderem in den Playoffs mit 2:0 gegen den FC Zürich.

Basel blieb in der Gruppenphase auswärts ungeschlagen. Bei Manchester United und Benfica Lissabon gab es Unentschieden, beim FC Otelul Galati einen Sieg. Die Bilanz in Deutschland ist weniger positiv, sie steht bei einem Sieg, zwei Remis und drei Niederlagen.

Die Schweizer haben in UEFA-Vereinswettbewerben bislang 17 Mal ein Hinspiel zuhause gewonnen und anschließend 13 Mal die nächste Runde erreicht. Nach 1:0-Heimsiegen konnten sie drei von vier Duellen für sich entscheiden.

Jupp Heynckes war auch der Trainer, als Bayern in der Saison 1987/88 in der 2. Runde des Pokals der europäischen Meister auf Neuchatel Xamax FC traf. Nach der 1:2-Hinspielniederlage folgte im Rückspiel in München ein 2:0-Sieg.

Dies war eines von acht Malen in UEFA-Wettbewerben, in denen die Bayern trotz einer Auswärtsniederlage im Hinspiel doch noch in die nächste Runde einzogen; zehn Mal mussten sie sich geschlagen geben, unter anderem in sieben der vergangenen acht Auseinandersetzungen.

Bayern hat vier von fünf Duellen nach einer 0:1-Auswärtsniederlage im Hinspiel für sich entschieden. Das einzige Aus gab es beim letzten Mal, als der AC Mailand im Europapokal-Halbfinale 1989/90 mit 1:2 in München unterlag, aber aufgrund der Auswärtstorregel weiterkam.

Stimmen:



Jupp Heynckes: "Ich habe es schon zuvor gesagt: Basel ist ein sehr gutes Team. Sie haben einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern. Im ersten Spiel haben sie gezeigt, was sie drauf haben. Nichtsdestotrotz wird morgen ein anderes Spiel sein. Wir haben so viele erfahrene Spieler, und ich bin zuversichtlich, dass wir weiterkommen. Gegen Hoffenheim waren wir exzellent."

Mario Gomez: "Wir müssen mit dieser Entschlossenheit, mit diesem Willen, mit diesem Engagement wie gegen Hoffenheim in das Spiel und in die Zweikämpfe gehen - dann werden wir sicherlich ein gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen."

Bastian Schweinsteiger: "Ich empfinde Vorfreude. Natürlich hat man Druck, dass man weiterkommen muss. Aber als Spieler ist das eher ein Schub."

Heiko Vogel: "Wir freuen uns auf das Spiel. Ich erwarte eine sehr interessante Partie. Wir befinden uns nach dem Hinspiel in einer guten Position, aber wir haben natürlich großen Respekt und wissen, dass es sehr schwer wird. Die Bayern werden angreifen und viel Druck entfachen. Wir müssen die Anfangsminuten überstehen, aber ich bin zuversichtlich, da wir viele gute Spieler haben. Wenn wir treffen, wird es für München noch schwieriger."

Alexander Frei: "Wir sind ein Verein, der nicht unter Realitätsverlust leidet. Zum Weiterkommen ist ganz, ganz viel Schwein und ein nächstes Wunder nötig."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:



Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Schweinsteiger (Luiz Gustavo), Kroos - Robben, Müller, Ribery - Gomez

Basel: Sommer - Park, Dragovic, Abraham, Steinhöfer - Shaqiri, Huggel, Xhaka, Stocker - A. Frei, Streller

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)