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Istanbul - Nach dem 3:1-Erfolg in der Türkei und seinem 50. Sieg als Bundestrainer zieht Joachim Löw im Interview nach Spielende ein durchweg positives Fazit. Dennoch soll das DFB-Team die Zügel auch zum Abschluss der EM-Qualifikation am Dienstag gegen Belgien nicht schleifen lassen.

Frage: Joachim Löw, gegen die Türkei gelang der deutschen Nationalmannschaft in der laufenden EM-Qualifikation der neunte Sieg im neunten Spiel. Ein Rekord. Zudem haben Sie ihren 50. Sieg als Nationaltrainer gefeiert. Wie bewerten Sie das Spiel in Istanbul?

Joachim Löw: Der neunte Sieg nötigt mir wirklich Respekt ab. Kompliment an die Mannschaft, dass sie dieses Spiel in der Türkei so angenommen hat. Denn wir mussten nicht unbedingt gewinnen, die Türken schon.

Frage: Zu Beginn sah es jedoch nicht nach einem deutlichen Sieg aus...

Löw: In der ersten Halbzeit haben wir nicht die Dominanz im Spiel gehabt und auch einige Chancen zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann an Souveränität gewonnen, auch wenn wir die Türken mit dem Gegentreffer nochmal ins Spiel gebracht haben. In der zweiten Halbzeit hätten wir aber auch das ein oder andere Tor mehr erzielen müssen.

Frage: Kurz vor dem 1:0 haben sie sich an der Außenlinie sehr aufgeregt. Was war der Grund?

Löw: Manchmal werde ich emotional während eines Spiels. Nach der Partie weiß ich dann gar nicht mehr, warum das so war. Unser Pressing hat in der ersten Halbzeit nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgenommen haben. Wir waren zu weit weg vom Gegner. Und wenn die Türken Platz haben, dann ist das schon eine klasse Mannschaft. Das wollten wir schon zu Beginn unterbinden, es ist uns aber nicht so gelungen wie gegen Brasilien und Österreich."

Frage: Wer war für Sie der herausragende Spieler? Wie haben Sie insbesondere Manuel Neuer gesehen, der die erste Chance von Hamit Altintop nach fünf Minuten in Weltklasse-Manier pariert und zudem zwei Treffer eingeleitet hat?

Löw: Manuel hat zwei Tore vorbereitet, das auch ganz bewusst gemacht. Das ist sein Spiel. Er leitet einfach sehr schnell Konter ein. Ansonsten hat auch Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld eine große Dominanz gezeigt, zudem war Thomas Müller an allen Toren beteiligt, sogar am Gegentor. Es war eine sehr gute Manschaftsleistung. Und das hat gegen die Türkei gereicht.

Frage: Planen Sie beim Spiel gegen Belgien am Dienstag nun viele Wechsel?

Löw: Es gebietet die Fairness, dass wir das Spiel gegen Belgien seriös angehen. Das ist unsere Pflicht. Wir wollen ja auch zehn Siege feiern und einen neuen Rekord aufstellen. Mesut Özil wird möglicherweise spielen können, Miroslav Klose eher nicht. Ich plane mit Toni Kroos und Ilkay Gündogan wird wohl auch kommen. Vielleicht werde ich Mario Götze schonen, wenn Özil fit werden sollte. Aber ich kann nicht die ganze Mannschaft austauschen, wir wollen ja den Rhythmus nicht verlieren.

Frage: Haben Sie zu Beginn der EM-Qualifikation gedacht, dass Ihr Team die Gruppe so dominiert?

Löw: Dass wir die Gruppe so leicht gewinnen, hätte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Nach der WM hätte ich schon gedacht, dass wir im Alltag das ein oder andere Problem mehr haben werden und die Gruppe punktemäßige enger zusammenliegt.

Frage: Die umstrittenste Position ist derzeit die des Rechtsverteidigers. Wie bewerten Sie die Leistung von Jerome Boateng?

Löw: Die Entscheidung für Jerome ist gefallen, weil er das zuletzt auch bei den Bayern gut gespielt hat. Er hat nach vorne eine große Wucht. Er muss zwar noch Dinge verbessern, hat die Aufgabe in der Türkei aber gut erledigt.

Frage: Deutschland ist momentan eines der besten Teams der Welt, hat viele junge Spielern in seinen Reihen. Wird Deutschland bald ähnlich dominant wie in den vergangenen Jahren Spanien?

Löw: Spanien hat in den letzten drei Jahren alle Titel gewonnen und auch Barcelona hat die Clubwettbewerbe dominiert. Zudem waren die Niederländer und wir die konstantesten Teams. Seit 2008 habe ich bewusst auf junge Spieler gesetzt. Sie haben eine große Dynamik. Und für mich kommen technische Qualität vor Routine und Erfahrung, weil der Fußball immer schneller wird. Und schnell spielen wollen unsere jungen Spieler immer gerne. Deshalb war es ein logischer Schritt, die Mannschaft zu verjüngen.