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Zugegeben: Der Wechsel von Sinan Kaloglu von Bursaspor zum VfL Bochum hat die Sportwelt in Deutschland nicht in große Aufruhr versetzt.

Den Scouts, den Fußball-Liebhabern und den Verantwortlichen des VfL war bekannt, wer die Bochumer zur Saison 2008/09 verstärken sollte. Der normale Freund des Leders in Deutschland machte erst viel später Bekanntschaft mit dem Türken.

Doch bevor er begann in Deutschland Eigenwerbung zu betreiben, löste der neue Angestellte des VfL durch seinen Abschied aus der Türkei Jubelstürme bei den Fans des türkischen Top-Clubs Fenerbahce aus. Fenerbahce? Was hatte Sinan mit dem Club von Roberto Carlos zu tun?

Zwei Spiele für die Geschichte

Ein Blick in die Vergangenheit verschafft Aufklärung: Am 15. April 2006 tritt "Fener" beim Aufsteiger Vestel Manisaspor an. Die Elf des damaligen Trainers Christoph Daum verliert 3:5, ein gewisser Sinan Kaloglu, Leihgabe von Besiktas, trifft drei Mal für Manisa. Wenige Wochen später verliert Fenerbahce die Meisterschaft an den Erzrivalen Galatasaray.

Am 23. Februar 2008 gastiert Bursaspor bei Titelanwärter Fenerbahce, das drei Tage zuvor 3:2 gegen den FC Sevilla gewann und so den Grundstein für das Erreichen des Viertelfinals in der Champions League legte. Die Dauer-Party des siegestrunkenen Spitzenclubs beendet ein Stürmer, der gerade erst ablösefrei zu Bursaspor gewechselt war: 2:0-Sieg für die Gäste, Doppeltorschütze? - Richtig geraten: Sinan! - Der Schrecken den Fener-Fans, zumal wenige Wochen später der Titel erneut futsch war.

Was zählt, ist der Erfolg des Teams..

Der Trubel um den Angreifer war groß, doch Sinan, der wie fast alle türkischen Fußballer mit dem Vornamen gerufen wird, sieht das eher nüchtern: "Tore gegen große Mannschaften sind natürlich etwas ganz besonderes, aber für mich zählt am Ende nur der Erfolg des Teams", sagt der Stürmer zu bundesliga.de.

Auf Erfolgs- und Torejagd geht Sinan, der am 10. Juli 1981 in Tunceli geboren wurde, nun für den VfL Bochum. Für ihn ging mit der Vertragsunterzeichnung im Juni ein Traum in Erfüllung, in einer ausländischen Top-Liga zu spielen. Doch die Umstellung erwies sich zunächst schwerer als gedacht. Der körperliche Zustand des Stürmers, der nach einer Verletzung wochenlang nicht trainiert hatte, entsprach nicht den Vorstellungen von Trainer Marcel Koller.

"Zeigen, was in mir steckt"

Fortan hieß es für den Neuzugang: üben, üben, üben! Die zahlreichen Zuschatzschichten an der Castroper Straße haben sich inzwischen bezahlt gemacht. Nach Kurzeinsätzen zu Beginn der Sasion feierte der 27-Jährige gegen Bayer Leverkusen sein Debüt in der Startelf und traf prompt zum 2:3. Bochum verlor, doch Sinan galt als großer Gewinner des Spiels. Gegen den FC Bayern begann dann die erwähnte Werbung in eigener Sache.

Seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 ließ er die sehenswerten Torvorlagen für Christoph Dabrowski und Dennis Grote folgen und schaffte den Sprung in die offizielle Wahl zum Spieler des Spieltags bei bundesliga.de.

Die Bayern und die Bundesliga machten endgültig Bekannschaft mit dem Fenerbahce-Alptraum, der sich anschickt auch der Schrecken der Abwehrreihen der Bundesliga zu werden. "Zu Beginn hatte ich etwas Probleme, mich umzustellen und hatte Nachholbedarf", so Sinan, "jetzt bin ich soweit, und kann zeigen, was in mir steckt."

"Prima!"

Lob gibt es auch vom anfangs kritischen Trainer Koller: "Ein guter Kopfballspieler, schnell, hält vorne die Bälle gut". Sportdirektor Thomas Ernst benötigte für die Beschreibung der Vorstellung Sinans in München nicht viele Worte: "Prima!" So soll es nun weitergehen. Sinan will wieder durchstarten. An die Zeit anknüpfen, als er mit 22 zum türkischen Spitzenclub Besiktas wechselte und dort zum Publikumsliebling avancierte, später sogar Nationalspieler wurde.

Beim VfL Bochum sieht er gute Chancen seine Karriere wieder in die richtige Bahn zu lenken. Vergleiche mit Theofanis Gekas und Stanislav Sestak, auch Spieler, die in der Bundesliga zunächst unbekannt waren und beim VfL zu Top-Stürmern aufstiegen, lehnt er nicht ab: "Der VfL hat viele große Torjäger gehabt und wenn ich in vielen Jahren zurückblicke, möchte ich gern dazugehören."

Freude auf dem Platz, Freude auch außerhalb des Fußballs: Im Mai heiratete Sinan seine langjährige Freundin Daria. Die Fahrt zu den Schwiegereltern zum Sonntagsbrunch ist aus distanztechnischen Gründen zu meistern: Seine Herzensdame ist Deutsche und gebürtige Düsseldorferin...

Fatih Demireli

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