ANZEIGE

Sinsheim - Ein Kopfball? "Ach", wiegelte Lukas Podolski ab, "ich habe auch schon in der Vergangenheit Tore mit dem Kopf erzielt." In dieser Saison aber traf der Nationalspieler nach 15 Treffern mit seinem starken linken Fuß am Sonntagabend bei 1899 Hoffenheim zu ersten Mal per Kopf.

Neun Minuten vor dem Abpfiff bedeutete dies den Ausgleich zum für den 1. FC Köln. Und wieder mal muss man fragen: Wo stünde der FC eigentlich ohne die Tore seines "Prinzen"?

Podolski erzielte 16 von 31 Kölner Treffern in dieser Runde, der Ausgleich gegen Hoffenheim war psychologisch wahrscheinlich eines der wichtigsten Jubelerlebnisse beim FC. Eine Niederlage wäre die siebte im achten Spiel gewesen und der Abstand zu Relegationsplatz 16 noch kleiner geworden. Er ist mit drei Punkten Abstand auf den FC Augsburg ohnehin nicht gerade ein Ruhekissen.

"Druck macht mir nichts"

"Wir haben Moral gezeigt, das war wichtig. Früher sind wir schon oft nach Rückständen eingebrochen", freute sich Podolski, der gar vermutete: "Wenn die Partie noch zehn Minuten gegangen wäre, hätten wir noch gewonnen."

Zufrieden zeigte sich auch Kölns Trainer Stale Solbakken mit seinem Star. Man dürfe ja nicht vergessen, dass Podolski in dieser Saison zwei Mal drei Wochen wegen Verletzung ausgefallen sei. Und: "Das beste", so Solbakken, "ist, dass Podolski nach seiner überstandenen Verletzung in Hoffenheim 90 Minuten durchgehalten und in den letzten 30 Minuten stärker gespielt hat als in den ersten 30 Minuten."

In Köln sind auch die Mitspieler froh, einen Ausnahmespieler wie Podolski im Abstiegskampf in ihren Reihen zu wissen. "Von mir aus laufe ich die ganze Nacht für ihn bei der wahnsinnigen Qualität, die er hat und die man jeden Tag im Training sieht", lobte Christian Eichner den "absoluten Weltklassespieler". Podolski hingegen sagte locker und trocken in Bezug auf den Trubel um seine Person: "Ich kann mit Druck umgehen, Druck macht mir nichts."

Taktische Umstellung bringt Erfolg

Für Trainer Solbakken war es wichtig, dass seine Spieler und die Fans Nordbaden mit "einem guten Gefühl" wieder verlassen. Nach dem Rückstand durch Marvin Comppers Kopfballtor in der 33. Minute stellte Solbakken die Taktik um: Statt mit einer Viererkette agierte der FC in der zweiten Halbzeit mit einer Dreierkette in der Abwehr, die Außenverteidiger schoben sich weiter nach vorne.

Lohn war nicht nur, dass die Kölner das Spiel in der Folge ausgeglichener gestalten konnten. Der rechte Außenverteidiger Miso Brecko war es auch, der mit einem energischen Vorstoss und einer präzisen Flanke Podolskis Ausgleichstor vorbereitete.

"Sechs-Punkte-Spiel" gegen die Hertha

"Es ist ein wichtiges Gefühl für die Truppe mal wieder so zurückzukommen", meinte Eichner, bei seiner Rückkehr in seine Heimat und seinen ehemaligen Club. Doch der Verteidiger warnt auch: "Wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben." Glück hatten die Kölner nämlich auch ein bisschen: Wieder einmal konnten die Hoffenheimer Konterchancen für eine Vorentscheidung nicht nutzen.

Jetzt kommt Hertha BSC am kommenden Wochenende zum FC, die Berliner stehen nur zwei Punkte schlechter da in der Tabelle als die Kölner. "Wenn das kein Sechs-Punkte-Spiel ist, das diese Bezeichnung verdient, dann weiß ich auch nicht", sagt Eichner. Alleine mit Ausblick auf das Spiel gegen "König Otto" und sein Team war der Treffer des "Prinzen" wichtig für das Selbstvertrauen einer ganzen Mannschaft. Und Podolski macht klar: "Jedes Spiel ist für uns ein Endspiel."

Tobias Schächter