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Der 1. FC Köln entwickelt sich immer mehr zum Minimalisten der Liga. Nach dem 0:0 in Mönchengladbach sind die Rheinländer nun schon seit drei Spielen ungeschlagen und ohne Gegentor. In der Tabelle kletterte der Verein auf Platz 13.

Wer das fußballerische Spektakel liebt und viele Tore sehen will, muss sich bei Spielen des 1. FC Köln in Geduld üben. Denn die Mannschaft von Trainer Zvonimir Soldo brennt beileibe kein Offensivfeuerwerk ab, sondern glänzt vielmehr durch vorbildliche Abwehrarbeit.

Wie sie die Räume eng macht, wie sie verschiebt, wie das gegnerische Aufbauspiel gestört wird - das alles zeugt von hoher Defensivqualität.

"Nova" prüft und lobt "Mondy"

So haben die Kölner auch in einem allenfalls durchschnittlichen Derby im ausverkauften Borussia-Park die gastgebende "Fohlenelf" zur Verzweiflung gebracht. Zum fünften Mal blieb FC-Keeper Faryd Mondragon bereits ohne Gegentor, gerade einmal zehn Treffer kassierte der 1. FC Köln in dieser Saison, darunter sogar noch zwei Eigentore.

Bezeichnenderweise zeigte Mondragon seine stärkste Parade auch gegen einen Kopfball seines eigenen Mannschaftskapitäns Milivoje Novakovic, der um ein Haar ein spektakuläres Eigentor erzielt hätte. "Unser Torwart hat ein überragendes Spiel gemacht und nicht nur meine Chance abgewehrt. Er war der Matchwinner", war Novakovic nach dem Schlusspfiff sichtlich erleichtert.

Soldo erwartet keine spielerische Klasse

So haben die "Geißböcke" einen weiteren eminent wichtigen Punkt im Nachbarschaftsduell geholt, die Borussia auf Distanz gehalten und die eigene kleine Serie ausgebaut. Die Minimalisten aus der Domstadt haben mit gerade einmal sechs selbst erzielten Treffern (Minisrekord der Liga) immerhin schon neun Zähler erhamstert. Schön anzusehen ist das nicht immer. Doch nach dem Fehlstart mussten Punkte her, egal wie.

"Ich hatte im Vorfeld schon gesagt, dass das kein schönes Spiel werden würde", meinte FC-Trainer Soldo: "Dafür stehen beide Mannschaften zu weit unten in der Tabelle und zu sehr unter Druck. Wir haben uns diesen Punkt verdient, und jeder Zähler ist wichtig, damit wir uns Selbstvertrauen holen."

Meier vermisst "absoluten Siegeswillen"

Mit einem Erfolg am kommenden Samstag gegen Hannover 96 könnten die Kölner sich erst einmal von den Abstiegsrängen absetzen und so langsam in die gesicherten Regionen vordringen, die als Saisonziel ausgerufen wurden. "Mit dem Punkt bin ich zufrieden, mit der Art und Weise, wie wir in der 2. Halbzeit gespielt haben, nicht", bilanzierte FC-Manager Michael Meier die 90 Minuten im Borussia-Park.

"Wichtig war der Punktgewinn, um in den ruhigeren Gewässern weiter segeln zu können", fuhr Meier fort: "Wir vermissen bei unserer Mannschaft letztendlich nur noch eines: den absoluten Willen, ein Spiel wie gegen Mönchengladbach auch gewinnen zu wollen. Den haben wir im Pokalspiel gegen Wolfsburg gezeigt. Da haben wir den Gegner niedergekämpft. Das war auch bei der Borussia möglich. Wenn wir daran anknüpfen, denke ich, dass wir in der Halbserie die Punkte erreichen werden, die wir brauchen, um unsere Ziele zu realisieren."

FC-Manager mitten im Fanblock

Michael Meier war übrigens bis zum Schlusspfiff einmal ganz in die Rolle eines "normalen Fans" geschlüpft, war mit den FC-Anhängern im Sonderzug nach Mönchengladbach gereist, hatte den Bustransfer ins Stadion miterlebt und die 90 Minuten über dann im Fanblock gestanden.

"Das Spiel mit den Fans zu sehen, war eine schöne Sache", sagte der Manager: "Es war natürlich für einen fast 60-Jährigen ein Kraftakt, das über sich ergehen zu lassen. Es war ein Fußballspiel von gefühlten 180 Minuten. Ich habe auf der Fahrt keine aggressive Stimmung erlebt, abgesehen von ein paar Verbalinjurien. Es war eine tolle Veranstaltung. Ich bin nun reicher an Erfahrung."

Weitere Konkurrenten auf Augenhöhe warten

Reicher an Erfahrung und mit der Erkenntnis, dass der 1. FC Köln nach dem Sieg gegen Mainz nun auch in Mönchengladbach gegen einen Gegner punktete, mit dem man sich auf Augenhöhe sieht, können die Domstädter mit einigem Optimismus die kommenden Herausforderungen angehen.

Nach der Partie gegen Hannover 96 geht es nach Berlin und bis Ende der Hinserie auch noch gegen die direkten Konkurrenten aus Bochum, Freiburg und Nürnberg. Es sieht also wieder ganz gut aus für den 1. FC Köln.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski