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München - Publikumsliebling, Entertainer, Trainer - Jürgen Klopp ist nicht nur beim BVB längst zur Kult-Figur geworden. Mit seiner authentischen Art und den trockenen Sprüchen begeistert der 46-Jährige die ganze Bundesliga.

Manchmal überdreht der Trainer dabei auch etwas, wie er selbst zugibt. Dennoch sei er ein "bisschen stolz auf meine erste Rote Karte als Trainer. Ich bin zum Schiedsrichter-Assistenten gegangen und habe gesagt: 'Ich wollte nur fragen, wie viele Fehlentscheidungen eigentlich erlaubt sind. Weil, wenn es 15 sind, dann hast du noch eine frei.'"

Seit seinem Amtsantritt 2008 lebt "Kloppo" an der Seitenlinie die Emotionen, tobt, gestikuliert und feiert ausgelassen. Auch am Samstag gegen Frankfurt (ab 15 Uhr im Live-Ticker), wo er mit seinem 111. Sieg als BVB-Coach mit Trainer-Ikone Ottmar Hitzfeld gleichziehen kann, könnte Klopp wieder etwas zu feiern haben.

Vom Tabellenkeller zum Double-Sieger

Der heutige Schweizer Nationaltrainer Hitzfeld ist der aktuelle Rekordhalter, saß allerdings bei 208 Partien auf der Borussen-Bank. Klopp steht am Samstag erst das 191. Mal an der Seitenlinie.

Die jüngere Geschichte von Borussia Dortmund ist auch die Geschichte von Klopp. 2008 kam der damals 41-Jährige vom 1. FSV Mainz 05 ins Ruhrgebiet zum Tabellendreizehnten der Vorsaison. In seiner ersten Saison 2008/09 führte er den Verein auf den 6. Platz, in der darauf folgenden qualifizierte er sich mit dem 5. Rang für die Europa League. Nur ein Jahr später feierte Klopp mit der Borussia die Deutsche Meisterschaft und toppte diesen Triumph beim Double-Sieg 2011/12 sogar noch. 

Auch international machte sich der BVB unter Klopp wieder einen Namen. Als erster Trainer nach Hitzfeld erreichte er mit Dortmund ein Champions-League-Finale. Im Gegensatz zum Schweizer 1997 unterlag er dort dem FC Bayern München. "Es war alles gut. Die Stadt, das Stadion, sogar das Wetter. Nur das Ergebnis finde ich weiterhin scheiße", erklärte Klopp nach der Niederlage ganz offen. Dennoch begeisterte die Borussia in Europa mit ihrem offensiven Hochgeschwindigkeitsfußball und dem schnellen Umschaltspiel. Ein Fußball, den Klopp formte, verfeinerte und den er zur Philosophie der Dortmunder machte.

"Ich würde niemals Jürgen Klopp entlassen"

Dortmund und Klopp, das passt einfach. Im Ruhrpott hat der gebürtige Stuttgarter eine zweite Heimat gefunden. Mit seiner Art, nicht drum herum zu reden, sondern zu sagen, was er denkt, trifft Klopp das Lebensgefühl der Westfalen. Er kommt wie einer von ihnen daher, einer der an der Seitenlinie ausrastet und seinen Emotionen freien Lauf lässt. Auch deshalb schwärmt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vom Coach: "Ich würde niemals Jürgen Klopp entlassen. Niemals. Nie."

Schon zu Mainzer Zeiten beeindruckte den Schwaben die Kulisse im Signal Iduna Park, wie er nach einem Auswärtsspiel sagte: "Auch auf die Gefahr hin, dass ich der 60.000. bin. Die Stimmung in diesem Stadion ist einfach geil." Die "Gelbe Wand" symbolisiert die Wesensart der Arbeiter und Malocher in Dortmund, die Wesensart, zu der auch der Coach ideal passt, was er mit seiner "Pöhler"-Kappe zeigt.

"Bei uns gibt es gewisse Freiheiten"

Bekannt ist Klopp auch für seine lockeren Sprüche, mit denen er regelmäßig für Lacher bei Kollegen, Journalisten und Fans sorgt. "Wenn er so verrückt wäre, wie die Klamotten, die er trägt, dann wäre das schlimm", meinte der Dortmunder Übungsleiter nach dem DFB-Pokalspiel gegen Frankfurt (1:0) über Pierre-Emerick Aubameyang. "Bei der Frisur, die er sich vor dem Spiel gemacht hat, habe ich mich schon gefragt: Warum? Aber bei uns gibt es gewisse Freiheiten", erklärte Klopp grinsend. Dazu hatte er auch allen Grund, immerhin hatte der extravagante Flügelflitzer das Siegtor und den BVB so ins Halbfinale geschossen (Interview: Aubameyang).

Mit welchem Spruch er beim nächsten Duell mit der Eintracht in Dortmund seinen Rekord feiert, das werden die BVB-Fans möglicherweise am Samstag erleben.

Sebastian Blome