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Vor dem Start sollen offenbar keine Fragen offen bleiben. Am Montag wurde der Sportartikelhersteller "Kappa" als künftiger Ausrüster von Borussia Dortmund vorgestellt. Und möglicherweise wird der unzufriedene Robert Kovac noch an Dinamo Zagreb abgegeben.

"Es ist richtig, dass wir eine entsprechende Anfrage vorliegen haben", erklärte Sportdirektor Michael Zorc am Montagnachmittag und fügte hinzu: "Wir prüfen diese Anfrage."

Zorc hat gut zu tun in diesen Tagen. Im ausführlichen Interview mit bundesliga.de spricht er über die Neuzugänge, die Perspektiven und seine eigene veränderte Situation.

bundesliga.de: Wenn ein guter Freund mit Ihnen wetten würde, dass der BVB unter die ersten Fünf kommt - was würden Sie sagen?

Michael Zorc: Zum Glück fragt mich niemand! Nein, im Ernst: Wir sind gut damit gefahren, keine öffentlichen Zielsetzungen bezüglich eines Tabellenplatzes auszugeben. Daran werden wir uns auch weiterhin halten. Wir wollen besser sein als im letzten Jahr - das ist deutlich gelungen. Und wir wollen attraktiven Fußball spielen, der die Fans zufrieden stellt - das ist auch in vielen Fällen gelungen. Diesen Weg wollen wir weitergehen, dann kommen die Ergebnisse automatisch. Jetzt eine konkrete Platzierung als Ziel auszugeben, bringt nichts.

bundesliga.de: In welchem Bereich hat sich die Mannschaft bisher am meisten weiterentwickelt unter Jürgen Klopp?

Zorc: Wir haben mehr Ordnung in unserem Spiel, gepaart mit einer großen Bereitschaft, für das Team zu spielen und zu arbeiten. Das wird von den Fans honoriert, was der Zuschauerzuwachs belegt. Trotz der Ausfälle wichtiger Spieler haben wir es in den meisten Fällen geschafft, kompakt auf dem Platz zu stehen. Wir sind endlich wieder eine Einheit!

bundesliga.de: Fehlt es dem Kader vielleicht noch an individueller Qualität, um einen UEFA-Cup-Platz zu erreichen?

Zorc: Es gibt Clubs, die ganz andere Mittel zur Verfügung haben, um einen UEFA-Cup-Platz zu erreichen. Wer über Jahre immer zehn, zwanzig Millionen mehr für eine Mannschaft ausgeben kann, wird in den meisten Fällen am Ende auch besser platziert sein. Wir müssen eben immer am Limit spielen, um am Ende auf einem Platz zu stehen, der uns international qualifiziert. Das ist sicher eine große Herausforderung.

bundesliga.de: Im Mittelfeld hat der BVB nachgelegt und Kevin-Prince Boateng verpflichtet. Was versprechen Sie sich von ihm?

Zorc: Mit Kevin Boateng fühlen wir uns im Mittelfeld komplettiert, weil er hier auf fast jeder Position spielen und uns weiterhelfen kann. Er ist hungrig, hat ein Jahr quasi auf dem Trockenen gesessen und will jetzt Fußball-Deutschland zeigen, dass er ein richtig Guter ist. Das ist eine Konstellation, von der beide Seiten profitieren können.

bundesliga.de: Seine Verpflichtung wurde von einer gewissen Skepsis begleitet.

Zorc: Boateng weiß genau, dass er nicht mehr so viele Chancen bekommen wird, bei einem Klub wie Borussia Dortmund Fußball zu spielen. Außerdem haben wir mit Jürgen Klopp einen Trainer, der auch mit etwas schwierigeren Charakteren umgehen kann - wobei ich unsere Mannschaft im Umgang nicht als übermäßig schwierig empfinde. Ich setze auch in diesem Fall auf die Eigendynamik bei Kevin: Er weiß, dass das jetzt und hier seine Chance ist!

bundesliga.de: Eine Verstärkung für die nächste Saison gibt es auch schon. Kevin Großkreutz von RW Ahlen wird dann den Sturm verstärken. Was versprechen Sie sich von ihm?

Zorc: Er ist ein interessantes junges Talent, bringt eine hohe Fußball-Intelligenz mit und ist trotz seiner Größe technisch sehr stark. Er hat in Ahlen eine gute Entwicklung genommen, befindet sich aber noch in einem Lernprozess. Wir wollen ihn bei uns weiterentwickeln. Und was auch für ihn spricht: Er ist ein Dortmunder Junge!

bundesliga.de: Auch mit Mats Hummels planen Sie längerfristig...

Zorc: Wir wollen ihn haben, er möchte gerne bleiben. Aber wir können nicht jeden Preis bezahlen. Darum werden wir die Gespräche mit dem FC Bayern in einem vernünftigen, unaufgeregten Rahmen führen. Aber es wird nicht einfach sein, eine Lösung zu finden. Und es gibt definitiv noch keine Einigung oder gar einen Vertrag, wie es teilweise berichtet wurde.

bundesliga.de: Ein letztes Wort zu Ihnen selbst: Vor einem Jahr standen Sie in der Kritik, jetzt wurden Sie unlängst zu einem "Top-Manager der Liga" gekürt...

Zorc: Ach, das bewerte ich nicht so hoch. Man muss sich der Kritik und Verantwortung auch stellen, wenn es nicht läuft. Ärgerlich wird es nur dann, wenn diese Kritik in den persönlichen Bereich abgleitet. Aber natürlich fühle auch ich mich zurzeit sehr wohl. Jürgen Klopp führt die Mannschaft sehr gut und hat die Jungs richtig zum Laufen gebracht. Wir stecken in einer guten Entwicklung - und wir sind damit noch nicht am Ende!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte