London - Es war eine historische Nacht für Bayer 04 Leverkusen. Der deutsche Champions League-Vertreter wird lange an diesen Mittwochabend zurückdenken. Durch einen Treffer von Kevin Kampl besiegte Leverkusen im Wembley-Stadion vor über 85.000 Zuschauern den Gastgeber Tottenham Hotspurs und hat nun sehr gute Chance auf den Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

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Im Interview spricht der Torschütze über den wichtigen Sieg auf internationalem Parkett und warum ein Erfolg gegen Darmstadt in der Bundesliga jetzt noch wichtiger wäre.

Frage: Kevin Kampl, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Ihnen? Sie wurden fünf Minuten vor Schluss angeschlagen ausgewechselt. Was ist passiert?

Kevin Kampl: Im Moment kann ich noch gar nicht auftreten, wir werden am Donnerstag mal schauen, wie es aussieht. Der Knochen hat schon etwas gelitten, einer hat mich von oben und der andere von unten getroffen. Jetzt fühlt es sich schlimm an, aber am Donnerstag wird es sicherlich schon besser gehen.

Frage: Jetzt die zweitwichtigste Frage. Was ist das für ein Gefühl, vor 85.000 Zuschauern das entscheidende Tor zu schießen? Träumt man davon als kleines Kind?

Kampl: Ich werde heute Nacht sicherlich kein Augen zu machen. Das ist unglaublich, schon alleine vor so einer Kulisse zu spielen und dann auch noch zu gewinnen und das entscheidende Tor zu schießen. Unglaublich. Ich freue, dass es mir endlich gelungen ist, mein erstes Saisontor zu schießen. Es wurde auch Zeit, das hat mich persönlich auch schon genervt. Vor so einem Spiel malt man es sich auch mal aus, wie es sein könnte, hier ein Tor zu schießen und das dann auch selbst zu machen, ist einfach unfassbar.

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Frage: Können Sie die Situation zum 1:0-Sieg noch einmal in eigene Worte fassen?

Kampl: Das war ein guter Spielzug von uns. Es kommt ein langer Ball, Chicharito hält den Ball und spielt auf Julian Brandt, der spielt mich an und ich leite weiter auf Charles Aranguiz. Er schießt auf das Tor, der Ball wird abgefälscht und landet dann glücklich bei mir, aber das Glück muss man sich dann auch mal erarbeiten. Wir haben dann meines Erachtens auch verdient das Tor gemacht, denn wir hatten zuvor schon ein paar gute Möglichkeiten.

Frage: Bei Ihrem Jubel schien es so, als wollten Sie gleich alle Leverkusen-Fans auf einmal umarmen.

Kampl: Ich fand es einfach klasse von unseren Fans, dass so viele mitgekommen sind. Der ganze Block war ja voll. Die Fans haben uns die ganze Zeit nach vorne getrieben. Auch für unsere Fans war es zuletzt eine schwere Zeit, aber wir sind aus diesem Tief in den letzten beiden Spielen gemeinsam wieder herausgekommen. Jetzt wollen wir am Samstag im Heimspiel gegen Darmstadt daran anknüpfen. Klar ist bei dem Tor eine Last abgefallen und das wollte ich mit den Fans teilen.

Frage: Nun liegt der Fokus wieder auf der Bundesliga. Was erwarten Sie vom Spiel gegen den SV Darmstadt 98?

Kampl: Wir dürfen uns über diesen Erfolg an historischer Stätte kurz freuen, aber sobald wir am Freitag zum Abschlusstraining in die Kabine kommen, muss das vergessen sein. Es darf als Erinnerung im Kopf bleiben, aber mehr auch nicht. Wir müssen uns voll auf die Bundesliga konzentrieren. Wenn wir gegen Darmstadt gewinnen, sind wir wieder einigermaßen in der Spur. Am Samstag zählt nur ein Sieg. Wir müssen jetzt schnell regenerieren, denn das Spiel hat sehr viel Kraft gekostet. Wir müssen am Samstag hellwach sein und dürfen Darmstadt nicht unterschätzen.

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Frage: In dieser Saison hat Leverkusen vor allem in der Champions League immer wieder späte Gegentore kassiert. Hatten Sie Angst, dass in der Schlussphase noch der Ausgleich fällt?

Kampl: Ja, natürlich habe ich gedacht, dass wir hoffentlich dieses Mal kein Gegentor mehr kassieren. Wir haben uns aber dieses Mal sehr gut behauptet, vor allem auch in der Nachspielzeit. Wir haben es abgeklärt nach Hause gespielt und haben Tottenham gar keine Chance mehr gelassen. Die Mannschaft kann extrem stolz auf sich sein. Mit so einer jungen Mannschaft, mit so jungen Spielern, die wir haben, vor so einer Kulisse zu spielen und zu gewinnen, da kann man sich auch einfach mal freuen.

Frage: Wenn man die vergangene Woche Revue passieren lässt, ist es sicherlich umso ärgerlicher, dass Bayer Leverkusen beim Drittligisten SF Lotte im DFB-Pokal ausgeschieden ist, oder?

Kampl: Klar, das Aus hat uns extrem gewurmt, aber wir müssen das jetzt vergessen. Es ist nicht selbstverständlich, das eine Mannschaft nach so einer kleinen Krise, wie wir sie hatten, zurückkommt und hier gegen eine Top-Mannschaft gewinnt. Da muss das Team schon einen starken Charakter haben. Und den haben wir, wir sind schon oft aus brenzligen Situation als Mannschaft herausgekommen. Ich hatte da auch gar keine Bedenken, dass wir aus der Krise wieder herauskommen. Wir dürfen nur nicht denken, dass jetzt alles von alleine läuft.

Aus London berichtet Alexander Barklage