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Köln - Die TSG 1899 Hoffenheim kann am Freitagabend einen großen Schritt in Richtung Champions League machen. Gewinnen die Kraichgauer das Verfolgerduell in Berlin, würden sie satte acht Punkte vor Hertha BSC liegen und Platz vier auf längere Sicht zementieren. Vor dem Hit im Olympiastadion spricht Hoffenheims zuletzt angeschlagener offensiver Mittelfeldspieler Kerem Demirbay im Interview mit bundesliga.de über die Chancen aufs internationale Geschäft und die Stärken der TSG.

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bundesliga.de: Kerem Demirbay, Sie hatten sich in der vergangenen Woche einen Haarriss im Nasenbein zugezogen. Ist die Blessur auskuriert? Wie geht es Ihnen?

Kerem Demirbay: Auskuriert ist der Haarriss noch nicht. Ich trainiere jetzt mit einer Maske, die das Nasenbein schützt. Das ist ungewohnt, aber ich kann mit der Mannschaft trainieren, und das ist das Wichtigste. Schmerzen habe ich keine mehr.

bundesliga.de: Sie sind erst 23 Jahre alt, haben aber schon Clubs wie FC Schalke 04, Borussia Dortmund, den Hamburger SV, den 1. FC Kaiserslautern und Fortuna Düsseldorf in Ihrer Vita stehen. Sie kennen sich also mit Traditionsvereinen bestens aus. Wie unterscheidet sich die TSG Hoffenheim von diesen Clubs? Erkennen Sie Unterschiede oder sind die Kraichgauer inzwischen ein ganz normaler Bundesliga-Club?

Demirbay: Für mich als Spieler ist die TSG ein Verein, der es geschafft hat, sich mit guter Arbeit in der Bundesliga zu etablieren. Natürlich gibt es ein paar Unterschiede, was das Fan-Aufkommen betrifft, aber das ist ja auch ganz normal. Bei Vereinen wie dem BVB oder dem HSV hat sich die Fanbasis schon vor Jahrzehnten aufgebaut. Bei der TSG ist sie noch in der Entwicklung - das passiert nicht von heute auf morgen. Aber die Unterstützung bei unseren Spielen ist hervorragend.

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bundesliga.de: Ist es für einen Spieler vielleicht sogar angenehmer für einen Club wie Hoffenheim zu spielen, weil man dort nicht ständig mit der ruhmreichen Vergangenheit konfrontiert wird, die möglicherweise auch Innovationen hemmt?

Demirbay: Ich beschäftige mich nicht damit, ob der Club, bei dem ich spiele, in der Vergangenheit viel erreicht hat oder nicht. Vereine entwickeln sich, das hört nie auf. Bei einigen geht die Entwicklung positiv weiter, bei anderen nicht. Ich halte aber viel mehr davon, sich auf das Aktuelle zu konzentrieren, das kann ich, das kann die Mannschaft beeinflussen. Wir tragen einen sehr großen Teil dazu bei, ob der Verein erfolgreich ist oder nicht. Und ich gebe natürlich alles dafür, jedes Spiel zu gewinnen und damit den größtmöglichen Erfolg zu haben.

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bundesliga.de: Zurück zur Gegenwart: Nach 25 Spieltagen liegt Hoffenheim auf Platz vier. Das internationale Geschäft in der kommenden Saison nimmt so langsam Konturen an. Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf?

Demirbay: Wir sind bisher sehr zufrieden. In fast allen Spielen konnten wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben uns zu einem starken Team entwickelt, das gemeinsam ein Ziel verfolgt. Und das ist, unseren Fußball auf den Platz zu bringen und die Spiele, wenn möglich, zu gewinnen. Das ist uns nicht immer gelungen, aber wir sind ja auch noch in einem Reifeprozess.

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bundesliga.de: Glauben Sie, dass die TSG die Qualifikation für Europa packt?

Demirbay: Über das Thema sprechen wir in der Kabine nicht. Natürlich wissen wir, wo wir stehen, und was der Platz am Ende der Saison bedeuten würde. Aber es sind auch noch neun Spiele zu absolvieren und in diesen warten auf uns noch schwere Gegner wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und am Freitag Berlin. Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir auch nach dem 34. Spieltag so weit oben stehen. Bis dahin geben wir unser Bestes auf dem Feld.

bundesliga.de: Sie selbst haben ein bisschen gebraucht, um in die Saison zu kommen, sind aber längst unumstrittener Stammspieler. Wie groß waren der Sprung in die Bundesliga und die Umstellung auf das System von Julian Nagelsmann?

Demirbay: Das System, das wir spielen, liegt mir sehr. Deshalb war es eher die Umstellung im Training, die zu Beginn nicht so einfach war. Das Training ist anspruchsvoll, der Coach zwingt einen mit seinen Übungen immer dazu, mitzudenken. Das ist gut. Natürlich geht es in der Bundesliga nochmal anders zur Sache, es wird schneller gespielt, aber Julian Nagelsmann bereitet uns und jeden einzelnen Spieler immer sehr gut auf die Spiele vor. Das macht es einfacher.

bundesliga.de: Wie erleben Sie den Trainer? Was zeichnet ihn in der täglichen Zusammenarbeit aus?

Demirbay: Julian Nagelsmann ist sehr kommunikativ, er ist locker, immer zu Späßen aufgelegt, aber zum richtigen Zeitpunkt ist auch die nötige Ernsthaftigkeit da. Wir haben im Training alle viel Spaß zusammen und dennoch bereiten wir uns konzentriert auf die Spiele vor. Wir werden sehr gut eingestellt und es finden immer wieder Einzelgespräche statt, die helfen, sich individuell zu verbessern.

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bundesliga.de: Am Freitag gastiert die TSG nun bei Hertha BSC, der besten Heimmannschaft der Bundesliga? Wie kann die Mannschaft dort bestehen? Wie stark sind die Berliner um Torjäger Vedad Ibisevic?

Demirbay: Im Gegensatz zu uns haben die Berliner zuhause ja schon mal verloren. Man kann sie im Olympiastadion also auch bezwingen. Ich denke, wir werden wieder einen guten Plan haben, mit dem wir sicher in der Lage sind, in Berlin zu gewinnen. Und wir wollen endlich unseren ersten Auswärtssieg in der Rückrunde feiern. Die Berliner spielen erneut eine gute Saison, sie haben sich ihren Tabellenplatz verdient. Ich persönlich werde mich auf dem Platz eher selten um Vedad Ibisevic kümmern, aber ich denke, er ist bei unserer Abwehr in guten Händen.

bundesliga.de: Am Samstag steigt dann das große Revierderby. Sie haben in der Jugend für Schalke und in der 3. Liga für den BVB gespielt. Wie sind in diesem Spiel Ihre Sympathien verteilt? Drücken Sie den Knappen aus Eigeninteresse mehr die Daumen, da die TSG im Falle einer Dortmunder Niederlage an den Westfalen vorbeiziehen könnte?

Demirbay: Das Revierderby ist immer etwas Besonderes. Die Stimmung im Stadion, das Drumherum – ein tolles Duell. Aber wir müssen in erster Linie auf uns gucken, denn wenn wir nicht punkten, ist es auch nicht so wichtig, wie das Revierderby ausgeht.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski