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Marseille - Noch lange nach Spielschluss feierten die Fans von Borussia Dortmund im Stade Velodrome ihre Mannschaft. Und das eigentlich zu Recht, hatte der BVB bei Olympique Marseille doch wieder einmal bewiesen, dass er spielerisch zu den Top-Teams in Europa gehört. Alleine Punkte gibt es für schönen Fußball bislang nicht.

"Wir hätten dieses Spiel nicht verlieren dürfen. Wir waren in Marseille die bessere Mannschaft. Das ist aller Ehren wert. Doch das interessiert nach dem Spiel keinen Menschen mehr. Wir fahren mit einer 0:3-Klatsche nach Hause und haben nichts in den Händen", analysierte Mats Hummels die Partie an der Cote d Azur.

Götze der Unglücksrabe

Die Statistik sprach ebenfalls klar für die Gäste. 16:8 Torschüsse, 11:4 Ecken - und hätte der BVB in den letzten zehn Minuten nicht völlig aufgemacht, wäre der Ballbesitz von 53 Prozent auch noch höher ausgefallen. Nach dem zweiten Spieltag in der Gruppe F liegen die Dortmunder nun mit lediglich einem Zähler auf Rang drei. In der Geschichte der Champions League ist es nur jedem vierten Team gelungen, sich in der Folge noch für die K.o.-Runde zu qualifizieren.

Dabei hätte die Ausgangsposition vor dem nächsten Auswärtsspiel bei Olympiacos Piräus deutlich besser sein können. Mario Götze hatte der Partie in Marseille gleich drei Mal die entscheidende Richtung geben können. Vor allem sein Fehlschuss in der 50. Minute, als er aus fünf Metern nur den Pfosten und nicht das leere Tor traf, sorgte für einen Aufschrei bei Fans sowie Mitspielern. Trainer Jürgen Klopp nahm seinen Super-Star aber in Schutz.

"Dafür habe ich keine Erklärung"

"Mario kam nach dem Spiel zu mir und sagte:  Ich muss den einfach nur reinschießen . Und da hatte er Recht. Aber ich bewerte seine Leistung nicht nur anhand der vergebenen Torchancen", sagte Klopp. Zumal es letztlich ja auch drei katastrophale, individuelle Fehler waren, die zu den Gegentoren geführt haben. Neven Subotic legte sich vor dem Pass zum 0:1 lang, Mats Hummels köpfte Loic Remy vor dessen 2:0 den Ball in den Lauf und Lukasz Piszczek sorgte mit einer groben Nachlässigkeit gegen Mathieu Valbuena dafür, dass die Hausherren überhaupt erst den Elfmeter zum 0:3 "erzwingen" konnten.

Die Schwarz-Gelben Protagonisten gingen hart mit sich ins Gericht. "Ich habe für meinen Ausrutscher keine Erklärung. Ich bin eigentlich topfit. Ich war mit den Gedanken schon in einer anderen Bewegung als meine Füße. Das darf einfach nicht passieren. Da kann ich noch so viele Zweikämpfe gewinnen", meinte Subotic.

Trübsal blasen verboten

Und Mats Hummels fühlte sich gleich für die gesamten 90 Minuten verantwortlich. "Als Remy denn Ball mit der Brust runter nahm, da wusste ich schon: Das geht böse aus. Die Niederlage muss ich auf meine Kappe nehmen, denn zu diesem Zeitpunkt waren wir deutlich überlegen und der Ausgleich wäre sicherlich über kurz oder lang gefallen."

Doch Trübsal wird bei den Dortmundern nach der verpassten Chance nicht geblasen. Im Gegenteil. Sie blicken positiv auf die anstehende Aufgabe. "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Keine Frage. Wichtig ist aber, dass wir den Kopf oben halten und nicht verzweifeln. Wir werden in der Bundesliga gegen Augsburg die richtige Antwort geben und in der Spur bleiben", erklärte Kapitän Sebastian Kehl.

Auch Trainer Klopp ließ sich keinerlei Krise einreden. "An der Psyche kratzt das alles nicht. Besonders förderlich war das für unser Selbstvertrauen aber natürlich auch nicht. Doch wir haben uns schon immer das Recht herausgenommen, nicht unter der Niederlage zu leiden. Denn es reicht ja schon, dass wir keine Punkte bekommen haben. Diesen Ballast wollen wir nicht mit rumschleppen."

Aus Marseille berichtet Michael Reis