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Der Trainer verärgert, der Sportdirektor ernüchtert, die Mannschaft verunsichert: die Gefühlslage an der Weser nach dem Auftakt in der Champions League.

Selbst gegen den krassen Außenseiter Anorthosis Famagusta verpasste es Werder Bremen auch im sechsten Anlauf, mit einem Sieg in die Champions League zu starten.

Mangelnde Qualität

"Die Qualität war absolut nicht ausreichend, so kann man international nicht spielen und braucht in Athen und Mailand gar nicht erst anzutreten", zürnte Sportdirektor Klaus Allofs und auch Coach Thomas Schaaf vermisste bei seinen Schützlingen Zielstrebigkeit und Entschlossenheit: "Wir hatten genau besprochen, was auf die Mannschaft zukommt. Vielleicht haben wir uns zu sehr darauf verlassen, dass wie gegen Cottbus irgendwann das Tor fällt."

In der Tat: Der Champions-League-Neuling agierte vor 34.690 Zuschauern genau so, wie man es an der Weser vorausgesehen hatte. Grundsätzlich ähnlich defensiv wie die Lausitzer, aber technisch stärker und mit gelegentlichen Entlastungangriffen - trotzdem wirkten die Gastgeber oft hilf- oder ideenlos, man konnte wirklich nicht sagen, dass ein Bremer Torerfolg permanent in der Luft lag.

Kritik vom Trainer

Schaaf war auch deshalb außerordentlich erbost, weil seine Truppe genau das vermissen ließ, was das Spiel des langjährigen Werder-Verteidigers einst ausgezeichnet hatte: "Da gibt es nur eine Devise: richtig hingehen, richtig marschieren, richtig draufgehen."

Doch dass man sich einzig und allein mit diesen fußballerischen Primärtugenden ausgerechnet beim ersten Auswärtsspiel am 1. Oktober (20.45 Uhr/live bei Premiere und Sat.1) beim italienischen Meister Inter Mailand behaupten kann, erscheint derzeit mehr als fraglich.

"Noch ist da gar nichts entschieden", argumentiert Nationalspieler Torsten Frings. Teamkollege Clemens Fritz meint: "Wir haben dort nicht viel zu verlieren, sind aber in der Lage, etwas zu holen."

Aber nur dann, wenn man in der lombardischen Metropole taktisch ebenso diszipliniert auftrifft wie der Meister Zyperns in der Hansestadt.

Selbstbewusster Gegner

Technisch zweifellos limitiert, störten und zerstörten die Gäste mit geschickter Raumaufteilung und klugem Stellungsspiel die Bremer Aktionen, ohne es mit dem eigenen destruktiven Spiel allzu sehr zu übertreiben. Um dieser Spielweise von Bremer Seite her wirkungsvoll zu begegnen, "dafür fehlten Leidenschaft und Tempowechsel", wie Marco Bode, Ex-Nationalspieler und Premiere-Experte monierte.

Famagusta-Trainer Temuri Ketsbaja war derart angetan vom Debüt seines Teams, dass er überschwänglich sogar davon sprach, "froh über diesen Sieg zu sein". Mehr von Sachlichkeit denn von Gefühlen geprägt war die anschließende Fachanalyse des ehemaligen georgischen Nationalspieler: "Es ist wirklich kein Zufall, dass wir in der Gruppenphase dabei sind. Ich denke, das konnten wir jetzt in Bremen beweisen."