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Die ganze Saison gipfelte in einem Spiel. Die Chronisten schrieben den 31. Spieltag der Saison 19988/89, es war ein sonniger Donnerstag mitten im Mai und ganz Fußball Deutschland blickte gebannt ins Müngersdorfer Stadion.

Auf dem Programm stand das Spiel 1. FC Köln gegen Bayern München, der Zweite gegen den Ersten, das ultimative Duell im Kampf um die Meisterschaft, alle Augen aber richteten sich auf den "Kampf der Häuptlinge": Christoph Daum gegen Jupp Heynckes. Zwei Trainer, die sich seit Wochen in tiefer Abneigung verbunden waren.

Jupp Heynckes triumphiert mit dem FCB

Bis zur Weißglut hatte Daum den Kontrahenten Heynckes damals mit immer neuen Sprüchen und Aktionen getrieben. Fünf Tage zuvor hatte bereits der verbale Boxkampf der beiden Rivalen im Aktuellen Sportstudio des ZDF Millionen am Bildschirm amüsiert.

Daum nahm die Hollywood-Ära, die kommen sollte, schon vorweg. Ende März hatte der FC Bayern noch beruhigende fünf Punkte Vorsprung vor dem 1. FC Köln, doch Daum griff schon an. Empfahl dem Kollegen Heynckes, "doch besser für Schlaftabletten Werbung zu machen", nagelte 1.000 Mark-Scheine an die Wand der Kabine, "um seine Spieler an der Siegprämie schnuppern zu lassen", und versprach den Fans Freibier, wenn sie nur ihre Mannschaft unterstützten.

Vorsprung der Bayern schmilzt

Der Vorsprung der Bayern schmolz, vor dem vorweggenommenen Endspiel am 25. Mai führten die Münchner nur noch mit zwei Punkten vor dem 1. FC Köln. "Wir haben die bessere Mannschaft und spielen den attraktiveren Fußball", tönte Daum: "Es wäre wirklich schade, wenn die Meister werden. In Bayern beginnt jetzt das große Zittern."

Kapitän Klaus Augenthaler schlug für seinen schweigsamen Trainer zurück: "Wir werden dem Dampfplauderer Daum schon noch zeigen, wo es langgeht."

Besagter Motivations-Künstler malte auf die Tafel mit der Aufstellung sogar Totenköpfe als "Symbol für Gift", seine Mannschaft aber, immerhin mit Größen wie Bodo Illgner, Jürgen Kohler, Thomas Häßler, Morten Olsen oder Pierre Littbarski besetzt, war dem Druck nicht gewachsen.

Köln unterlag den Bayern

Vor 60.000 Zuschauern im Müngersdorfer Stadion unterlag Köln den Bayern verdient mit 1:3 (1:1), Torjäger Roland Wohlfarth entschied das hochgespielte Duell mit drei Toren (25./85./89.) quasi im Alleingang. Entscheidend war aus Kölner Sicht der verletzungsbedingte Ausfall von Abwehr-Ass Kohler. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gab es das mit Spannung erwartete "Shakehands" der Trainer, das von einem Blitzlichtgewitter der Fotografen begleitet wurde.

Was am Ende blieb, war der erste Titel für Trainer Jupp Heynckes in seinem zweiten Jahr in München. Die Bayern feierten ihre elfte Meisterschaft mit einem 5:0 am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum, am Ende hatte der Rekordmeister fünf Punkte Vorsprung auf Köln.

Mit drei Toren im letzten Spiel sicherte sich Wohlfarth sogar noch die Torjäger-Krone zusammen mit Thomas Allofs (Köln). Viel Lärm um nichts also, und dennoch blieb sich der damals 35 Jahre alte Daum treu: "Ich würde alles wieder so machen. Es hat Riesenspaß gemacht."