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London - Als die Mannschaft von Werder Bremen den Rasen des Stadions an der White Hart Lane zum Warmlaufen betrat, machten die mitgereisten Anhänger der "Grün-Weißen" deutlich, was sie von ihnen erwarteten. "Wir wollen euch kämpfen sehen", skandierten die Fans.

An einer mangelnden Einstellung lag es dann aber sicherlich nicht, dass Werder seine Talfahrt fortsetzte und sich den Hausherren deutlich mit 0:3 geschlagen geben musste.

"Die Mannschaft, die heute auf dem Platz stand, hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine ordentliche Leistung gezeigt. Aber das reicht letztlich nicht aus, um in der Champions League eine bessere Rolle zu spielen", stellte Geschäftsführer Klaus Allofs nach der Partie fest.

Ernüchternde Bilanz

Ohne die elf verletzten oder gesperrten Profis musste Trainer Thomas Schaaf auf Spieler aus der U 23 zurückgreifen - mit Dominik Schmidt und Felix Kroos standen zwei sogar in der Startelf.

"Den jungen Spielern kann man heute absolut keinen Vorwurf machen. Sie haben gut dagegengehalten und gekämpft", meinte Kapitän Torsten Frings, der trotz seiner Rot-Sperre in London zur moralischen Unterstützung dabei war.

Am Ende steht für Werder aber eine ernüchternde Bilanz. Die Bremer sind nicht nur aus der Champions League ausgeschieden. Schon vor dem letzten Gruppenspieltag steht fest, dass sie als Tabellenletzter auch nicht für die Europa League qualifiziert sind.

Seit fünf Pflichtspielen ohne Treffer

"Wir sind unter ungünstigen Voraussetzungen hier angetreten. Die Reise stand unter keinem glücklichen Stern. Wir haben auf das kleine Wunder gehofft, es aber leider nicht geschafft", befand Allofs.

"Die Chancen standen schon im Vorfeld nicht so gut. Jetzt zählt es in der Liga. Wir müssen Punkte gut machen, um auch in der kommenden Saison wieder im europäischen Geschäft dabeizusein", forderte Nationalspieler Marko Marin.

Für die große Aufholjagd müssen die Bremer aber vor allem in der Offensive den Schalter umlegen. Seit fünf Pflichtspielen sind sie nun ohne eigenen Treffer. Das gab es in der Ära Schaaf noch nie. Zuletzt passierte das 1997 unter dem damaligen Trainer Wolfgang Sidka.

"Wissen, welchen Weg wir einschlagen müssen"

Aaron Hunt, der sich mühte, das Spiel der Gäste anzukurbeln, fand im bundesliga.de-Interview kritische Worte: "Wir haben einfach nicht auf dem Niveau von Tottenham gespielt. Wir hatten kaum eine richtige Torchance und waren in der Offensive nicht durchschlagkräftig genug."

Das soll sich schon am nächsten Bundesliga-Spieltag wieder ändern. "Wir wissen, welchen Weg wir einschlagen müssen und wollen damit gegen St. Pauli anfangen", sagte Innenverteidiger Sebastian Prödl.

Ausschlaggebend könnte aber wieder die Personalnot sein. "Wir müssen ja erst einmal schauen, ob wir eine vollständige Mannschaft zusammenbekommen. Daher ist für uns jede Partie derzeit ein schwieriges Spiel. Wir müssen uns aber mit kleinen Erfolgserlebnissen aus der Misere befreien", erklärte Hunt.

Und Per Mertesacker sprach das aus, was sich wohl alle Anhänger der "Grün-Weißen" wünschen. "Sonntag gegen St. Pauli müssen wir den Fans zeigen, dass wir mehr draufhaben als nur zu verlieren."

Aus London berichtet Michael Reis