Zusammenfassung

  • Jupp Heynckes hat bei der Rückkehr zum FC Bayern keine persönlichen Ambitionen

  • Der 72-Jährige fühlt sich körperlich noch topfit

  • Für Hoeneß und Rummenigge ist "Freund" Heynckes der ideale Mann

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München - Die Entscheidung, ein viertes Mal das Traineramt des FC Bayern München zu übernehmen, ist Jupp Heynckes nicht leicht gefallen. Schließlich gab auch sein Schäferhund seinen Segen. "Cando hat zwei Mal gebellt, dann war das Ding in trockenen Tüchern", sagte Heynckes. Bei seiner Vorstellung als neuer Bayern-Trainer erläuterte er die Gründe für seine Rückkehr aus dem Ruhestand und widerlegte die Bedenken.

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Pünktlich um 11:30 Uhr betrat Heynckes im maßgeschneiderten dunklen Anzug das Podium im prall gefüllte Pressesaal der Allianz Arena. "Für mich ist das kein Comeback", räumte Heynckes gleich zu Beginn eines über zehnminütigen Monologs ein. "Bei dieser Entscheidung geht es nicht um mich. Ich habe keine persönlichen Ambitionen. Es geht in erster Linie um den FC Bayern, da habe ich riesige Ambitionen und bin mit Leib und Herz dabei."

Rückkehr des "ziemlich besten Freunds"

Dass er nach 1987, 2009 und 2011 nun zum vierten Mal auf der Trainerbank des Rekordmeisters Platz nimmt, geschehe aus Dankbarkeit dem Club gegenüber und sei vielmehr seiner Freundschaft zu Bayern-Präsident Uli Hoeneß geschuldet. "Ich persönlich freue mich, dass jetzt mein ziemlich bester Freund wieder beim FC Bayern ist", sagte Hoeneß, der zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic auf dem Podium Platz nahm. "Wir waren uns einig, dass für diese Aufgabe Jupp Heynckes der ideale Mann ist."

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Er kenne den FC Bayern in- und auswendig, führte Rummenigge aus und verwies auf die großen gemeinsamen Erfolge: "Wir alle erinnern uns gerne an die Saison 2012/13 mit dem krönenden Abschluss." Mit dem Gewinn des Triples aus Meisterschaft, Pokal- und Champions-League-Sieg verewigte sich Heynckes in der Vereinshistorie und verabschiedete sich anschließend unter Tränen in den Ruhestand. "Es stand für mich fest, dass ich meine Trainerlaufbahn beende", sagte Heynckes rückblickend.

"Das Feuer lodert in Heynckes"

Aber je konkreter in den vergangenen Tagen seine Rückkehr zu den Münchnern wurde, umso mehr stieg auch bei Heynckes selbst die Vorfreude. "In den Gesprächen haben wir alle das Feuer gespürt, das noch in ihm lodert", sagte Rummenigge.

Sorgen um seine Gesundheit müsse man sich aber nicht machen. "Ich habe einen Ruhepuls von 60. Körperlich bin ich fit, der Geist macht mit", betonte Heynckes und bot allen Skeptikern entschieden die Stirn. "Das Alter ist nur eine Zahl, mehr nicht", sagte der 72-Jährige. "Einige sind mit 45 schon alt, andere sind mit 75 noch jung geblieben. So sehe ich das bei mir auch."

Heynckes: "Fußball wurde nicht neu erfunden"

Obwohl er seit viereinhalb Jahren raus ist aus dem Geschäft, hat das Interesse an seiner Leidenschaft nicht nachgelassen. "Ich habe den Fußball immer sehr aufmerksam verfolgt", sagte Heynckes. "Der Fußball hat sich verändert, aber er ist nicht neu erfunden worden." Dabei habe er auch die Bundesliga aufmerksam verfolgt. Von den Entwicklungen in Dortmund und Hoffenheim zeigte er sich beeindruckt: "Wir haben in der Bundesliga gute junge Trainer, deren Handschrift zu sehen ist."

Auch vor dem guten Saisonstart des BVB hat Heynckes großen Respekt. "Dortmund führt nach sieben Spieltagen mit fünf Punkten Vorsprung die Tabelle an. So wie sie Fußball spielen, wird es sehr schwierig, sie von da oben wegzuholen. Da bin ich Realist", sagte Heynckes. Über große Saisonziele zu philosophieren, bringe daher überhaupt nichts.

Stattdessen will Heynckes seinen Spielern das Vertrauen in ihre eigenen Stärken zurückgeben und den Teamgedanken wieder stärken. "Eine meiner Aufgaben ist es, die Situation beim FC Bayern zu entkrampfen und zu entschleunigen", sagte Heynckes, der an das große Potenzial der Mannschaft glaubt: "Dieses Potenzial muss ich wieder herauskitzeln und die Mannschaft wieder auf Vordermann bringen." Die Vorbereitung auf seinen ersten Einsatz in der Bundesliga gegen den SC Freiburg am Samstag will Heynckes daher intensiv nutzen, schließlich werden die kommenden englischen Wochen wegen der geringen Trainingszeiten zu einem "Balanceakt": "Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft wieder ein anderes Gesicht zeigen wird." Mithilfe eines altbekannten an der Seitenlinie.

Aus München berichtet Maximilian Lotz