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München - Am Ende wurde es noch einmal knapp. Nach dem Anschlusstreffer Aserbaidschans sah sich die junge DFB-Auswahl wütend anstürmenden Hausherren ausgesetzt. Doch die "Bubi-Truppe" ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und sorgte mit dem Treffer von Andre Schürrle endgültig für das i-Tüpfelchen auf einer lange, anstrengende Saison.

Mit sieben Siegen in sieben Spielen weist Deutschland in der EURO-Qualifikationsgruppe A eine makellose Bilanz auf. Kein Wunder, dass der Bundestrainer nach dem 3:1 in Baku voll des Lobes war. "Man muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen. Ich denke, wir haben in dieser Saison Großartiges geleistet", meinte Joachim Löw.

Dabei musste er vor der Partie im fernen Aserbaidschan mit allerlei Unwägbarkeiten rechnen. Die weite Anreise und die Zeitverschiebung waren nur das geringste Problem. Gleich acht Spieler des Stammkaders waren verletzungsbedingt nicht mit dabei.

Lahm als Ältester mit "komischem Gefühl"

Löw machte aus der Not eine Tugend und baute seine Defensivabteilung komplett um. Philipp Lahm rückte neben Toni Kroos auf die Sechser-Position. Und die Viererkette hatte mit Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Holger Badstuber und Denis Aogo etwas von einer U-21-Auswahl.

Insgesamt hatte die Startelf ein Durchschnittsalter von knapp über 23 Jahren - das gab es in einem Pflichtspiel noch nie. "Unser Ziel war es immer, junge Spieler in das Team einzubauen. Das gelingt uns ganz ordentlich. Und mit diesen Spielern kann man auch sehr gut arbeiten", freute sich Löw.

Kapitän Lahm, mit 27 Jahren an diesem Abend der älteste, deutsche Spieler auf dem Feld, stimmte mit seinem "Chef" überein: "Es war ein komisches Gefühl, als Ältester auf dem Platz zu stehen. Aber das zeigt, wie viel Qualität wir in Deutschland haben." Und Thomas Müller stellte fest: "Es ist sehr positiv für den deutschen Fußball, dass wir so viele junge Spieler haben. Das kann uns nur glücklich machen."

EM-Ticket praktisch gelöst

Aserbaidschan war zwar nicht unbedingt ein Gegner der Spitzenklasse. Aber die "jungen Wilden" haben auch schon zuvor in Österreich und im Test gegen Uruguay gezeigt, dass mit ihnen in der Zukunft zu rechnen ist. Einige Arrivierte müssen für die EURO 2012 um ihren Stammplatz bangen.

Das Ticket für das Turnier in Polen und der Ukraine ist der deutschen Nationalmannschaft derweil nur noch theoretisch zu nehmen - die Türkei müsste alle vier Spiele gewinnen, Deutschland seine drei verlieren. Davon geht beim DFB-Tross aber keiner mehr aus. "Normal ist die Sache jetzt gegessen. Eigentlich darf nichts mehr passieren. Wir sind uns sehr sicher", erklärte Lahm.

Löw: "Weiter vorwärts bewegen"

Für den Bundestrainer ging der Blick nach dem Schlusspfiff sowieso schon viel weiter voraus. "Wir wissen, wo wir stehen. Jetzt haben wir ein paar Tage Ruhe. Aber wir müssen uns Gedanken machen und für die Zukunft planen. Schließlich wollen wir uns ja weiter vorwärts bewegen", so Löw.

Die nächste Partie dürfte dabei wieder eine gute Gelegenheit sein, dem Nachwuchs unter erschwerten Bedingungen eine Chance zu geben. Nach dem Sommerurlaub kommt es am 10. August in einem Freundschaftsspiel in Stuttgart zum Klassiker gegen Brasilien.

Michael Reis