Dortmund - Auch wenn das 1:1 gegen den FC Augsburg für Borussia Dortmund ernüchternd war – Julian Weigl glaubt weiter an das Potenzial der jungen Mannschaft. Für den Nationalspieler war dies auch ein entscheidender Faktor, seinen Vertrag in Dortmund vorzeitig bis 2021 zu verlängern, wie er nach der Partie verriet. Im Interview spart Weigl aber auch nicht mit Kritik an der Leistung in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen.

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Frage: Julian Weigl, für den BVB war das 1:1 gegen Augsburg schon das vierte Unentschieden hintereinander. Warum tritt der BVB so auf der Stelle?

Julian Weigl: Wir wollten gegen Augsburg alle gewinnen, das ist unser Anspruch. Wir haben gut begonnen, hatten ein paar offensive Aktionen, sind gut reingekommen in die Partie. Aber dann haben wir den Gegner einfach zu oft eingeladen. Wir haben hinten heraus zu viele Fehlpässe gespielt und hatten zur Pause selbst ein schlechtes Gefühl über die erste Halbzeit. Dann sind wir so wieder rausgekommen, wie wir es uns eigentlich auch vorgenommen hatten. Wir hatten genügend Chancen, das Spiel zu gewinnen – aber wir haben sie leider nicht genutzt.

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"Wir haben uns teilweise einschläfern lassen"

Frage: Aber auch in der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel nach einem starken Auftakt nach rund 15 Minuten wieder.

Weigl: Wir haben es verpasst, nach dem Ausgleich noch ein Tor nachzulegen. Trotzdem fand ich, dass wir in der zweiten Hälfte unglaublich dominant waren, viel mehr Ballbesitz hatten, und besser nach vorne gekommen sind. Wir hatten einige gefährliche Situationen, hatten ein paar Ecken. Wir waren schon am Drücker, aber wir haben es dann verpasst, die Tore zu machen.

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Frage: Haben Sie eine Erklärung für die Unsicherheiten und Fehler in der ersten Halbzeit, die Sie selbst angesprochen haben?

Weigl: Es ist schwer zu erklären. Zum einen ist Mikel Merino ein sehr, sehr junger Spieler, der noch nicht oft gespielt hat. Ihm steht es auch zu, mal einen Fehler zu machen. Aber wir haben uns generell hinten ein bisschen einschläfern lassen. Wir hatten den Ball und haben gemerkt, dass Augsburg uns spielen lässt. Und dann sind wir unruhig geworden, weil wir dachten, wir müssten eine Lösung finden. Eigentlich wussten wir, dass wir Geduld haben müssen und sich dann die Räume ergeben werden. Aber wir haben teilweise versucht, den Ball zu erzwingen.

"In dieser Mannschaft schlummert großes Potenzial"

Frage: Wie fällt nach diesem Spiel Ihr Fazit für die Hinrunde aus, die neben einigen Höhepunkten auch einige Tiefschläge für den BVB gebracht hat?

Weigl: Jetzt bin ich erstmal noch sauer nach diesem Spiel, das ich mir ganz anders vorgestellt habe. Wir wollten die Vorrunde natürlich anders abschließen und weiter vorne stehen. Aber uns war auch klar, dass wir im Sommer einen großen Umbruch hatten und dass es immer mal wieder Dellen geben kann. Die hatten wir auch ganz klar in dieser Vorrunde. Trotzdem bin ich guter Dinge für die Rückrunde. Wir stehen nicht aussichtslos da, wir haben noch alle Möglichkeiten. Ich weiß, dass großes Potenzial in unserer Mannschaft schlummert und die jungen Spieler immer mehr dazu lernen. Vielleicht kommen sie in der Rückrunde auch besser mit der Drei-Tage-Belastung klar. Ich stecke jedenfalls nicht den Kopf in den Sand.

Frage: Sie selbst haben vor dem Spiel Ihren Vertrag beim BVB bis 2021 vorzeitig verlängert. Was sind Ihre Beweggründe, sich so lange an die Borussia zu binden?

Weigl: Ich glaube einfach an das Potenzial in der Mannschaft, das ich gerade angesprochen habe. Ich merke, dass hier etwas heranwächst. Und ich spüre, dass ich dabei ein wichtiger Bestandteil bin in einem so großen Verein wie Borussia Dortmund. Ich bin auch unheimlich dankbar, die Chance bekommen zu haben, aus der 2. Bundesliga hier durchzustarten. Ich bin glücklich in Dortmund. Die Gespräche waren auch sehr gut. Ich weiß, dass der Verein hinter mir steht, sowohl der Trainer als auch die Vereinsführung. Das ist für mich das größte Gut.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte