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Freiburg - Trotz teilweise überzeugenden Leistungen ist der SC Freiburg in dieser Saison noch sieglos. Dennoch wird im Breisgau weiter ruhig gearbeitet. Im Interview mit bundesliga.de erklärt Kapitän Julian Schuster, woran es derzeit hakt, warum er nicht in Panik ausbricht und analysiert, wie sich der Club in den letzten sechs Jahren entwickelt hat.

bundesliga.de: Ein Viertel der Saison ist gespielt, der SC ist noch sieglos. Dennoch liest man nirgendwo das Wort "Krise". Es scheint, als gälten die Branchenmechanismen überall - außer in Freiburg, oder?

Julian Schuster: Freiburg ist sicher ein Standort, an dem du als Spieler nicht jeden Morgen in der Zeitung liest, wie schlecht es um den Verein angeblich steht. Aber man darf sich unseren Alltag auch nicht so vorstellen, als ob wir hier unabhängig von den Ergebnissen arbeiten würden. Vor dem Bremen-Spiel haben wir uns schon sehr klargemacht, dass das ein richtungsweisendes Spiel wird, von dem viel abhängt. Wir sprechen unsere Fehler intern knallhart an. Dazu kommt natürlich, dass wir in den vergangenen Jahren immer mal wieder brenzlige Situationen hatten. Da haben wir am Ende gemerkt, dass es sich gelohnt hat, Ruhe zu bewahren, weil den Verantwortlichen Lösungen einfallen.

bundesliga.de: Beim SC Freiburg gehören schlechtere Saisonstarts ja auch schon fast dazu...

Schuster: Das stimmt leider. Aber wenn man sich den bisherigen Saisonverlauf anschaut, war doch einiges anders als in der Vergangenheit. Zuletzt haben wir in Bremen und gegen Leverkusen nicht gut gespielt, aber trotzdem gepunktet. Mit Ausnahme des Dortmund-Spiels waren wir sonst in allen anderen Partien eher die bessere Mannschaft. Das konnte man in der vergangenen Saison nicht wirklich sagen.

bundesliga.de: Ist die Chancenverwertung die größte Schwäche im Freiburger Spiel?

Schuster: Wenn das so wäre, dürfte man das aber nicht als Kritik an den Offensivspielern sehen. Wir sind da alle gefordert - jeder von uns kann mehr Torgefahr ausstrahlen. In der Vergangenheit war genau das beispielsweise unsere große Stärke. Kaum ein Club hatte so viele verschiedene Torschützen wie wir. Und ganz nebenbei: Drei Tore schießt in Hoffenheim halt auch nicht jede Mannschaft. Umso ärgerlicher, dass selbst drei Tore nicht zu einem Sieg gereicht haben.

bundesliga.de: Auch vor dieser Saison sind mit Oliver Baumann, Gelson Fernandes und Matthias Ginter drei wichtige Spieler gegangen. Fühlen Sie sich manchmal wie Sisyphos, der einen Stein den Berg hochwälzt, nur damit der von dort wieder herunterrollt..

Schuster: Es stimmt schon, dass man gegen Ende einer Saison manchmal denkt: "Eigentlich macht es gerade sehr viel Spaß, so könnte es weitergehen". Andererseits ist es auch immer wieder spannend, mitanzusehen, wie eine Mannschaft entsteht und sich Woche für Woche weiterentwickelt. In dieser Saison war ja nicht der ganz große Umbruch, auch wenn wir wieder drei wichtige Spieler abgegeben haben. Ich merke schon im Training, dass wir viele Dinge auch einfach weiterentwickeln können, während im Sommer 2013 in vielerlei Hinsicht ein kompletter Neustart nötig war. 

bundesliga.de: Sie selbst sind seit 2008 beim SC und haben nur in der ersten Saison in der 2. Bundesliga gespielt.

Schuster: Eben, der SC spielt gerade das sechste Bundesliga-Jahr in Folge. Und ich habe in den letzten Jahren schon gemerkt, dass sich vieles weiterentwickelt hat. Außerdem hat der Verein in einzelnen Bereichen immer wieder Wege beschritten, in denen man gegenüber der Konkurrenz einen kleinen Vorteil hatte. Denken Sie an die Fußballschule oder auch das ein oder andere taktische Element.

bundesliga.de: Der Freiburger Standortnachteil ist also nicht in Stein gemeißelt?

Schuster: Zumindest geht es aufwärts. Der Verein hat solide Finanzen, plant ein neues Stadion und steht nicht unter dem Zwang, seine Ausgaben jedes Jahr weiter reduzieren zu müssen. Es geht Stück für Stück voran, langsam, aber die Richtung stimmt.

Das Gespräch führte Christoph Ruf