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Jürgen Klinsmann jubelte wie in Ekstase, Ralf Rangnick konnte es nicht fassen, in der Allianz Arena tobten die Emotionen.

Nach dem 2:1 (0:0)-Sieg des deutschen Rekordmeisters Bayern München gegen den zur ernsthaften Bedrohung aufgestiegenen Emporkömmling 1899 Hoffenheim unterstrichen die Gefühlsregungen, warum beide Seiten ihre erste Begegnung zu einem berauschenden Beginn einer Rivalität erklärten.

"Werden hart fighten müssen"

"Das ist ein Konkurrent, den wir absolut respektvoll behandeln müssen, auch in der Rückrunde. Wir werden hart fighten müssen, um uns am Ende gegen Hoffenheim durchzusetzen und Deutscher Meister zu sein", sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern zieht im Interview auch ein erstes Fazit der Jahres.

Frage: Karl-Heinz Rummenigge, der FC Bayern schlägt praktisch mit dem Schlusspfiff 1899 Hoffenheim. Was sind Ihre Eindrücke vom Spiel Tabellenführer gegen Rekordmeister?

Karl-Heinz Rummenigge: Es war ein klasse Spiel von zwei klasse Mannschaften. Es ist nicht oft so, dass die Spitzenspiele die Erwartungen erfüllen, diese Begegnung hat die Erwartungen meines Erachtens übererfüllt. Klar, gehen wir mit dem Tor in der Nachspielzeit glücklicher aus der Sache heraus.

Frage: Hoffenheim hätte heute mit einem Sieg die Herbstmeisterschaft perfekt machen können. Nun kam es ganz anders. Was hat der Sieg für eine Bedeutung mit Hinblick auf die Tabelle?

Rummenigge: Es war ein Sieg, der uns gut zu Gesicht steht. Wir haben jetzt Punktegleichheit mit Hoffenheim und das war natürlich unser großes Ziel.

Frage: Wie groß ist Ihre Erleichterung?

Rummenigge: Wir wollten unbedingt punktgleich in den letzten Spieltag mit 1899 Hoffenheim gehen. Jetzt müssen wir abwarten. Beide haben kein einfaches Spiel zum Abschluss: Hoffenheim zuhause gegen Schalke, wir auswärts in Stuttgart. Wir haben aber das erreicht, was wir uns vor dem Spiel ausgerechnet haben und deswegen sind wir zufrieden.

Frage: Haben Sie 1899 Hoffenheim so stark erwartet?

Rummenigge: Man steht nie zu unrecht da, wo Hoffenheim jetzt steht. Das ist kein Zufall, wenn man nach 16 Spielen auf dem Spitzenplatz rangiert. Man kann sich durch eine Hinrunde nicht nach oben mogeln. Deshalb war es richtig, dass wir Hoffenheim auch mit großem Respekt begegnet sind. Nach dem 0:1 sah es auch erst einmal nicht gut für uns aus, bis unsere Mannschaft ein fulminantes Comeback gefeiert hat.

Frage: Uli Hoeneß meint, man müsse mit Hoffenheim bis zum Ende rechnen. Wie schätzen Sie die Mannschaft von Ralf Rangnick ein?

Rummenigge: Sie haben gezeigt, dass sie sehr große Qualität haben. Das ist eine Mannschaft mit hoher Laufbereitschaft, sie haben einen sehr guten Offensivgeist und sie spielen auch taktisch sehr, sehr gut. Hoffenheim wird uns im Kampf um die Meisterschaft Paroli bieten.

Frage: Nochmals auf das Spiel einzugehen: War es das spannendste Spiel des Jahres in der Allianz Arena?

Rummenigge: Ja, ohne Frage! Hoffenheim war die stärkste Mannschaft, die in der Allianz Arena aufgetreten ist, weil die uns alles abverlangt haben. Das muss einer Mannschaft erst einmal gelingen, die gerade erst aufgestiegen ist.

Frage: Die Rute zum Nikolaustag konnte also drin bleiben?

Rummenigge: Ja, wir sind sehr zufrieden. Wir haben noch zwei Spiele in Lyon und dann in Stuttgart, die wir positiv gestalten wollen. Ich denke, das, was die Mannschaft in den letzten Monaten gezeigt hat, war Extraklasse. Das hat auch gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nichtsdestotrotz müssen wir weiter hart arbeiten.

Frage: Die Hinrunde neigt sich dem Ende zu. Wie bewerten Sie die Arbeit von Jürgen Klinsmann?

Rummenigge: Wir sind hochzufrieden. Wir hatten die Geduld, als zwischendurch das ein oder andere Ergebnis nicht so gestimmt hat. Jetzt sieht man, dass sich diese Geduld ausgezahlt hat. Die Mannschaft ist topfit, sonst kann man, wie es gegen Hoffenheim war, nicht in den letzten 20 Minuten so fighten und so zurückkommen. Der Jürgen macht einen sehr guten Job!

Frage: Manche Experten meinten, dass vielleicht ein Machtwechsel im deutschen Fußball sichtbar ist. Ist Hoffenheim soweit?

Rummenigge: Hoffenheim ist im Kommen, keine Frage. Für einen Machtwechsel braucht man aber ein paar Jahre und nicht ein paar Spiele. Hoffenheim wird bei den Voraussetzungen, die sie haben, eine Rolle oben mitspielen – und keine schlechte. Davon kann man ausgehen.

Aufgezeichnet von Fatih Demireli