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Dortmund - Der gemeinsame sportliche Weg endet, die "echte Liebe" bleibt. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte sichtlich mit den Tränen zu kämpfen, als er den Rücktritt von Jürgen Klopp als Trainer von Borussia Dortmund zum Saisonende bekannt gab und anschließend anfügte: "Jürgen, du kannst sicher sein, dass dir der ewige Dank aller Borussen zuteil wird. Was mich tröstet, ist die Tatsache, dass unsere Freundschaft mit Sicherheit bestehen bleibt."

Noch bevor der scheidende Trainer selbst das Wort ergreifen konnte, herzte Watzke ihn mit einer innigen Umarmung. Klopp, sichtlich berührt, musste sich kurz sammeln, um dann im Blitzlichtgewitter seine Sicht der Dinge zu schildern (VIDEO: Klopps PK-Aussagen).

Zwei Dutzend Kamerateams, ebenso viele Fotografen und zahlreiche schreibende Medienvertreter hatten sich kurzfristig zur außerplanmäßigen Pressekonferenz im Presseraum des Signal Iduna Parks eingefunden, um die Nachricht zu dokumentieren, die zwar irgendwie in der Luft lag, dennoch aber nicht so recht vorstellbar war. Allen Beteiligten war deutlich anzumerken, wie emotional die Situation war.

"Bin nicht mehr der perfekte Trainer für den BVB"

Nach siebenjähriger Amtszeit (XL-Galerie: Klopps BVB-Zeit), in der Dortmund zwei Meistertitel (2011, 2012) und einmal den DFB-Pokal (2012) holte sowie ins Champions-League-Finale (2013) einzog, sah Klopp nun den Moment für gekommen, seinen Rückzug einzuleiten (INFOGRAFIK: Klopps Erfolge in Dortmund). "Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr der perfekte Trainer für den Verein bin, und der Verein hat es verdient vom einhundert Prozent richtigen Trainer trainiert zu werden", erklärte er die Gründe für seine Entscheidung. (VIDEO: Ende einer Ära)

"Es geht etwas zu Ende, von dem man gehofft hat, dass es das nicht tut", sagte er. Da der Club jedoch in seiner Entwicklung stagniere und künftig Veränderungen brauche, wolle er den Weg frei machen. Schließlich sei der BVB größer als jeder einzelne. Das zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Größe. "Als ich gekommen bin, war der Verein großartig, heute ist er noch viel großartiger." Großen Anteil daran hat er freilich selbst. Klopp hat mit seinem Spielsystem neue Maßstäbe gesetzt. 

Von Vertrauen und Freundschaft geprägt

Gute taktische Organisation, hohe Einsatz- und Laufbereitschaft und kollektives Gegenpressing haben den Gegnern bisweilen das Fürchten gelehrt. Bis zum Einbruch in dieser Saison, der den BVB zwischenzeitlich bis auf Platz 18 abrutschen ließ. Dennoch genoss der dienstälteste Trainer der Bundesliga und Rekordcoach des BVB, der noch einen Vertrag bis 2018 besaß, die volle Rückendeckung der Führungsetage.

Watzke hatte mehrfach betont, dass er es für ausgeschlossen hält, Klopp jemals zu entlassen. Logisch erscheint daher der Schritt, den Klopp nun gegangen ist.

"Wir haben eine ganz besondere Beziehung, die von extremem Vertrauen und Freundschaft prägt ist", sagte Watzke, der sich nun schweren Herzens um die bestmögliche Nachfolge für den Kult-Coach bemühen muss. Für Sportdirektor Michael Zorc, ebenso ergriffen, endet damit auch ein "modernes Fußballmärchen". "Du hast diesem Club viel Energie und Optimismus mitgegeben. Dafür sind wir dir sehr dankbar", sagte Zorc, der die Mannschaft nun in der Pflicht sieht, ihrem Übungsleiter den Abschied zu bereiten, den er verdient habe. Auch das Erreichen des internationalen Geschäfts sieht der Manager noch in Reichweite.

Auch aus Reihen des Teams kamen erste Danksagungen. Als Erste äußerten sich Ilkay Gündogan und Kevin Großkreutz über die sozialen Netzwerke. "Danke für die tollen Jahre", schrieben beide. Großkreutz betonte zudem: "Ohne dich wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin" (weitere Reaktionen).

Noch ein großer Traum

Nach der emotionalen Pressekonferenz wolle Klopp nun so schnell wie möglich wieder den Schalter umlegen. "Ab morgen zählt für mich nur das Spiel gegen Paderborn". Und der Traum von einem versöhnlichen Saisonabschluss mit der bestmöglichen Platzierung, am liebsten noch mit dem DFB-Pokaltriumpf zum Abschluss. Eine solche Situation könne laut Ex-Spieler Patrick Owomoyela schließlich auch "emotionalisieren und Energien freisetzen".

"Noch einmal mit gutem Grund auf einem Lastwagen um den Borsigplatz fahren. Das wäre ziemlich lässig", sagte Klopp, der sich für die kommende Saison bereits drei Dauerkarten gesichert habe. Kaum auszudenken, welche Emotionen und wie viele Tränen bei einem solchen Abschied freigesetzt würden. 

Aus Dortmund berichtet Markus Hoffmann

Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund
XL-Galerie: Sieben Jahre Jürgen Klopp beim BVBReaktionen zum Rücktritt von Jürgen Klopp
Infografik zu Jürgen Klopp in Dortmund
Video: Klopps PK-Aussagen
Video: Das Ende einer Ära