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Ausgelassen feierten Michael Ballack und Co. mit den Fans einen wichtigen Schritt in Richtung Südafrika - doch nur kurze Zeit später erhielt die Euphorie über den wichtigen 2:1 (2:0)-Erfolg gegen Russland einen Dämpfer.

Bundestrainer Joachim Löw wird Kevin Kuranyi nach dessen vorzeitiger Abreise "nicht mehr nominieren" .

Entschuldigung bei Löw

Der Schalker Stürmer, der für die Begegnung am Samstagabend in Dortmund von Löw nicht in den 18er-Kader berufen worden war, war nicht zur Rückfahrt ins Quartier in Düsseldorf erschienen.

Am Sonntagabend entschuldigte sich Kuranyi in einem Telefonat mit dem Bundestrainer für sein Verhalten am Vortag. Löw nahm die Entschuldigung an und teilte ihm gleichzeitig mit, dass sich dadurch an der grundsätzlichen Entscheidung nichts ändert.

Rückendeckung für Kuranyi von Müller

Schalkes Manager Andreas Müller wirbt um Verständnis für seinen Schützling. Er sagt: "Seine persönliche Enttäuschung war einfach zu groß. Da hat er es nicht mehr ausgehalten. Man sollte vielmehr über die Beweggründe nachdenken."

Immerhin habe Kuranyi nun schon zum dritten Mal eine Enttäuschung im DFB-Team erlebt: die Nichtnominierung für die WM 2006, kaum Einsatzzeit bei der EM 2008 und nun die Nichtberücksichtigung für das wichtige WM-Qualifikationsspiel gegen Russland.

Müller hofft nun auf einen positiven Schub für Kuranyi hinsichtlich seiner Leistung im Verein: "Kevin hat eine klare Entscheidung getroffen, die Schalke zu Gute kommen wird. Es werden viel Druck und Belastung von ihm weichen. In der Nationalmannschaft hat er in der letzten Zeit viele negative Erlebnisse verdauen müssen."

"Unsere Mannschaft hat mir imponiert"

So konnte sich Löw alles andere als unbeschwert über den wichtigen Sieg gegen den ärgsten Konkurrenten um Platz 1 in der Europagruppe 4 freuen.

Die Mannschaft habe "viel Aggressivität, Laufarbeit und Emotionalität eingebracht" und zudem "hervorragend kombiniert", lobte der Bundestrainer, der vor allem mit Neuling Rene Adler und seinen beiden Torschützen Lukas Podolski (9.) und Michael Ballack (28.) zufrieden sein konnte. Podolski präsentierte sich einmal mehr im DFB-Trikot selbstbewusst und treffsicher.

DFB-Präsident Theo Zwanziger schwärmte: "Das war ein unglaublich intensives Spiel, im dem mir unsere Mannschaft imponiert hat." In der Tat: Vor allem in der ersten Hälfte zeigte die deutsche Elf ihre Schokoladenseite und bot den 65.607 begeisterten Zuschauern in Dortmund eine Galavorstellung.

Ballack mit starker Leistung

Kapitän Ballack untermauerte bei seiner Rückkehr nach den jüngsten Diskussionen eindrucksvoll seinen Führungsanspruch.

Als Zeichen seiner Genugtuung legte Ballack nach seinem 39. Treffer im 88. Länderspiel den rechten Zeigefinger auf den Mund. "Jeder weiß, was die Geste zu bedeuten hatte. Ich bin 32 und habe oft genug bewiesen, was ich kann. Ich muss es nicht mehr jedem Kritiker beweisen", erklärte der England-Legionär vom FC Chelsea und fügte an: "Man sollte diese Sache nicht überbewerten, das Erfolgserlebnis tut aber gut."

Löw froh über den Abpfiff

Dass es in der zweiten Hälfte nicht mehr so glatt lief, ist Ballack aber nicht entgangen. "Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn es Unentschieden ausgegangen wäre", verdeutlichte der Kapitän.

"Wir sind durch einen eigenen Fehler in Schwierigkeiten geraten", analysierte Per Mertesacker, nachdem ein Ballverlust des ansonsten überzeugenden Philipp Lahm zum 1:2 (51.) durch Andrei Arshavin geführt hatte.

Für Löw kam es allerdings nicht überraschend, dass sein Team noch einmal in Schwierigkeiten geraten war. "Die Russen haben gezeigt, dass sie zu den besten Mannschaften der Welt zählen. Gegen diese hervorragenden Einzelspieler ist es nicht möglich, 90 Minuten die Kontrolle zu halten", meinte er, zumal "wir einige Fehler zuviel gemacht haben".

Er sei deshalb froh gewesen, "als der Abpfiff kam, weil die Russen dem Ausgleich relativ nah waren".

Adler sammelt Pluspunkte

Dass es nicht zum Ausgleich kam, lag an einer nach dem zuletzt enttäuschenden 3:3 in Finnland verbesserten Defensive und an einem starken Rene Adler im Tor.

"Er hat das gezeigt, was er schon im Training ausgestrahlt hat: eine unglaubliche Ruhe, Souveränität und Gelassenheit", lobte Löw den 23 Jahre alten Keeper von Bayer Leverkusen, der selbst "einfach nur glücklich" war:

"Ich wollte jede Sekunde genießen, das ist mir ganz gut gelungen." Adler, der den verletzten Robert Enke vertrat, hat durch seinen Auftritt im Kampf um die Nummer 1 Pluspunkte gesammelt.

Gegen Wales nachlegen

Auch am Mittwoch in Mönchengladbach gegen Wales wird der junge Bayer-Torwart wieder zwischen den Pfosten stehen. Die Bedeutung der kommenden Partie unterstrich Lahm schon mal: "Der Sieg gegen Russland ist nur etwas wert, wenn wir auch gegen Wales gewinnen."

Bastian Schweinsteiger forderte deshalb, "dass wir die Konzentration hochhalten müssen, um die Tabellenführung weiter auszubauen".