ANZEIGE

Köln - Trotz zuletzt dreier Niederlagen scheint der 1. FC Köln angekommen in der Bundesliga. Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Jörg Schmadtke. Im Interview mit bundesliga.de blickt der Geschäftsführer Sport auf die kommende Partie gegen Borussia Dortmund, spricht über die Belastung der Nationalspieler und denkt an seine aktive Zeit zurück.

bundesliga.de: Herr Schmadtke, der 1. FC Köln ist sehr gut in die Liga gestartet, musste zuletzt aber drei Niederlagen in Folge hinnehmen. Ist die erste Euphorie etwas verflogen?

Jörg Schmadtke: Nein, ich kann keine Euphoriebremse im Umfeld spüren. Ich glaube, dass die Menschen in Köln mittlerweile ganz genau wissen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Sie sehen, dass wir klar formulierte Ziele haben, die realistisch sind und die jedem da draußen das Gefühl geben, dass wir diese Ziele erreichen können. 

bundesliga.de: Sind Sie sogar ein wenig froh, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, weil überbordende Euphorie dem FC in der Vergangenheit bisweilen eher geschadet denn genützt hat?

Schmadtke: Das würde ich so nicht sagen. Für einen Sportler gibt es nichts Schlimmeres, als sich an Niederlagen zu gewöhnen. Und von mir aus hätten wir jedes Spiel gerne gewinnen können. Wir hätten damit sicher kein Problem gehabt und sehr gerne ein paar Punkte mehr. 

bundesliga.de: Am Samstag kommt Borussia Dortmund ins RheinEnergieStadion. Wäre es Ihnen lieber gewesen, beim Kölner Angstgegner wäre nicht gerade eine kleine Krise ausgebrochen?

Schmadtke: An solche Geschichten und an Gegner, gegen die man sich besonders leicht oder besonders schwer tut, glaube ich nicht. Wir wissen, dass der BVB eine Mannschaft mit außerordentlicher Qualität ist und wir alle unseren Qualitäten einbringen müssen, um dieses Spiel zu gewinnen. Es geht darum, Fragestellungen für den Gegner aufzuwerfen, die der nicht beantworten kann. Und es wäre auch ganz gut, wenn wir zu Hause mal wieder ein Tor schießen würden. Ob das aber gelingt, hängt nun mal vom Spielverlauf und von der Tagesform ab.

"Die Zeiten haben sich sehr deutlich geändert"

bundesliga.de: Wie ist diesbezüglich Ihr Bauchgefühl?

Schmadtke: Wir sind glücklich, dass so gut wie alle Spieler - mit Ausnahme von Patrick Helmes - wieder auf dem Trainingsplatz stehen. Der Trainer hat eine schöne Breite, aus der er für das Spiel auswählen kann. Während der Länderspielpausen steht häufig nur eine Mini-Gruppe zur Verfügung, so dass ein Einspielen kaum möglich ist.

bundesliga.de: Aktuell wird diese hohe Belastung diskutiert - wie sehen Sie das?

Schmadtke: Das ist mit Sicherheit diskutabel. Es geht nicht nur um die unglaubliche Anhäufung von Spielen, sondern auch um die damit verbunden Reisen, zu denen man nicht mal eben mit der Straßenbahn fahren kann. Dazu kommt in diesem Sommer noch die große Belastung durch die WM, die zu einer kürzeren Vorbereitungsphase geführt hat. Dabei sehe ich das größte Problem nicht in der Physis, sondern in der mentalen Belastung. Nach diesem Highlight wieder zurück in den Alltag zu finden, ist für die Spieler das Schwierigste überhaupt.

bundesliga.de: Können Sie sich noch gut daran erinnern, wie die Belastung zu Ihrer aktiven Zeit war?

Schmadtke: Das war damals überhaupt kein Thema. Wir haben im Wochenrhythmus gespielt. Da war es völlig egal, ob man am Samstagabend schnell in die Schlafphase kam, um am Sonntagmorgen wieder einsatzfähig zu sein. Heute aber ist das unabdingbar. Da haben sich die Zeiten sehr deutlich geändert.

bundesliga.de: Früher war also alles besser?

Schmadtke: Nein. Besser nicht. Aber ganz anders war es schon.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews