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Kaiserslautern - Es war lange nach Spielschluss, als Jupp Heynckes, in der Interviewzone des Kaiserslauterer Stadions kam - bis dato hatte er auf dem Rasen einige Fernseh-Interviews gegeben. Das Spiel gegen die wackeren Pfälzer - ein 3:2, das ein wenig knapper ausfiel als es der Spielverlauf hergegeben hätte - war dann auch einigermaßen schnell abgehakt.

Heynckes schaute nach vorne. Doch für das erklärte Ziel der Bayern, die Rückeroberung der langjährigen Vormachtstellung im deutschen Fußball, hatte die Partie dann doch einige wertvolle Erkenntnisse geliefert. Zum Beispiel die, dass Mario Gomez und die drei offensiven Mittelfeldakteure Thomas Müller, Arjen Robben und Xherdan Shaqiri des Trainers Vorgabe zu verinnerlichen scheinen, dass sie die Positionen nicht mehr so stoisch halten wie in der vergangenen Saison.

Robben und Müller im Angriff variabel



"Ich habe", bekannte Jupp Heynckes, "mit Arjen Robben und Thomas Müller besprochen, dass sie die Positionen tauschen sollen. So werden wir flexibler und unberechenbarer." Ein Beispiel für viele: Robben wagte sich an einen Kopfball vom Elfmeterpunkt und ging das ein oder andere mal zur Grundlinie durch, um von dort aus in den Strafraum zu flanken. Und: Er rochierte ein paar Mal auf den linken Flügel, Thomas Müller nahm dann seinen Platz auf der rechten Außenbahn ein. Und prompt gelang dem niederländischen Nationalspieler beim Tor von Müller (23.) ein Assist von der ungewohnten Seite aus - was auch seinem Coach nicht entgangen war. "Arjen hat das erste Tor gut von der linken Seite aus vorbereitet", schmunzelte Heynckes. "Das hat er gut gemacht."

Der Coach war auch noch aus einem anderen Grund zufrieden mit der derzeitigen Lage beim Rekordmeister. Er findet, dass er mit dem renovierten Kader mehr personelle Variationsmöglichkeiten hat. "Wir haben derzeit einen qualitativ guten Spielerkader. Ich kann jetzt von der Bank aus besser reagieren." Das tat er auch in der Pfälzer Abendhitze. Für Anatoliy Tymoshchuk und Gomez brachte er nach knapp einer Stunde Emre Can und Mario Mandzukic, die sich beide als Bereicherungen erwiesen.

Gutes Debüt von Can



Der Kroate, der im Sommer aus Wolfsburg gekommen ist, fügte sich prima ins Angriffsspiel ein und erarbeitete sich den Assist zum zweiten Bayern-Treffer. Can trug sich sogar in die Torschützenliste ein. Und nicht nur das Tor brachte ihm des Trainers Lob ein. "Emre hat natürlich die Chance, eventuell von Beginn an zu spielen. Das hat ja nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Leistung." Schöne Neuigkeiten für das 18-jährige Talent.

Auch einen alten Hasen trafen die Journalisten gut gelaunt in den Katakomben an. Arjen Robben, der sich in der vergangenen Saison teils unfairer Kritik stellen musste, hatte sich bei seiner Auswechslung mit der gereckten Faust bei der gut gefüllten Bayernkurve verabschiedet. "Ich habe wieder große Lust, Fußball zu spielen", sagte Robben. "Ich hoffe, dass wir in dieser Saison wieder Titel holen." Genau das ist das erklärte Ziel der Vereinsführung, die sich für alle drei Wettbewerbe viel vorgenommen hat.

Aus Kaiserslautern berichtet Christoph Ruf