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Mönchengladbach - Luuk de Jong saß im proppevollen Presseraum seines neuen Clubs und beantwortete die Journalisten-Fragen, während Max Eberl daneben bis über beide Ohren grinste.

Eberl war es anzumerken, dass ihm mit dem Transfer seines Wunschspielers der größte Coup gelungen war, seit er 2008 den Posten des Sportdirektors von Borussia Mönchengladbach übernommen hatte. Dutzende Pressevertereter waren anwesend, die Kameras klickten im Sekundentakt und man konnte den Eindruck gewinnen, als ob ein neues Zeitalter angebrochen sei - sowohl für die Borussia als auch für de Jong.

Van Nistelrooy: "Gladbach ist der richtige Schritt"



Dass sich das große Talent für die Borussia als nächsten Karriereschritt entschieden hat, darf getrost als Indiz für den guten Ruf des Traditionsclubs gewertet werden, den man sich vor allem in der vergangenen Saison erarbeitete. Angetan vom Hochgeschwindigkeits-Fußball der "Fohlen" unter Cheftrainer Lucien Favre, entschied sich de Jong letztlich für die Borussia und schlug finanziell lukrativere Angebote aus dem Ausland aus.

Dabei hörte sich de Jongs Vater George auch bei einem guten Bekannten aus der Bundesliga um, der zuletzt beim spanischen Club FC Malaga unter Vertrag stand und im Sommer seine Karriere beendete. "Van Nistelrooy hat gesagt, dass der Wechsel nach Mönchengladbach der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt ist", berichtet der Vater des Profis. "Zu einem großen Verein aus England oder Spanien zu gehen, wäre noch verfrüht gewesen."

Für de Jong Junior war spätestens nach einigen Telefonaten mit Favre klar, dass seine Zukunft am Niederrhein liegt. "Wir haben darüber gesprochen, wie er spielen lassen will. Ich bin sicher, seine Philosophie mit schnellem Spiel in die Spitze passt perfekt zu mir", sagte der 21-Jährige bei seiner Vorstellung. Dabei soll der Niederländer nicht weniger als den Abgang von Marco Reus kompensieren, der die Fans in der vergangenen Spielzeit mit 18 Toren und acht Assists verzückte.

Eberl tritt auf die Bremse



Eberl versuchte indes die hochtrabenden Erwartungen an den Neuzugang etwas zu dämpfen. "Natürlich wird Luuk an der Transfersumme gemessen. Aber er braucht Zeit, hier anzukommen. Wir sollten nicht zu viel Druck aufbauen." Dass dies kein einfaches Unterfangen wird, lässt sich aus de Jongs Vita leicht herauslesen: Der kopfballstarke Stürmer kommt mit der Empfehlung von 25 Toren in der vergangenen Spielzeit, die er beim FC Twente Enschede in der niederländischen Ehrendivision verbracht hatte.

Auch international sorgte der Youngster schon für Aufsehen: Nachdem der FC Twente 2010 überraschend die Meisterschaft feierte, spielten Luuk de Jong und Co. in der Saison 21010/11 in der Champions League. In einer Gruppe mit Bremen, Inter Mailand und Tottenham gab es einen Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Beim Erfolg in Bremen erzielte de Jong seinen einzigen Champions-League-Treffer zum 2:0-Endstand. Der Offensivspieler spielte zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht in der Spitze, sondern kam meistens aus dem offensiven Mittelfeld zentral oder rechts.

In der Europa League kam de Jong seit 2009 insgesamt 19 Mal zum Einsatz und erzielte dabei acht Tore. Auch in diesem Wettbewerb war er gegen eine deutsche Mannschaft erfolgreich, traf beim 1:0 gegen Schalke im Achtelfinal-Hinspiel per Elfmeter. Im Rückspiel gab es allerdings eine 1:4-Niederlage, die das Aus von Twente besiegelte. In der Nationalelf wartet de Jong noch auf seinen Durchbruch. In der "Elftal" durfte er bei drei Einsätzen einen Treffer bejubeln, kam bei der EM aber nicht zum Einsatz.

Duell mit Klaas-Jan Huntelaar



In der Nationalelf muss sich de Jong unter anderem mit Schalke-Star Klaas-Jan Huntelaar um die Position in der Sturmmitte messen - ein Duell, auf das er sich auch in der Bundesliga freut. "Wir werden sehen, ob wir uns in der kommenden Saison um die Torjägerkanone streiten werden. Huntelaar hat es in den vergangenen Jahren bei Schalke schon sehr gut gemacht in der Bundesliga." Der "Hunter" gibt das Lob gleich zurück: "Ich finde es schön, ihn in der Bundesliga zu begegnen. Die Borussia ist eine gute Wahl für ihn."

Eine gute Wahl, das sagt sein bisheriger Co-Trainer in Enschede, Youri Mulder, sei de Jong auch für Gladbach. "Luuk ist ein Stürmer mit so vielen Eigenschaften, dass er sich nicht in eine bestimmte Schublade stecken lässt", sagt der ehemalige Schalker Angreifer. "Als Typ ähnelt er Klaas-Jan Huntelaar". In vier Wochen beginnt das "Ballerduell" mit seinem Landsmann. Max Eberl kann sich dann erst einmal zurücklehnen.

Johannes Fischer